Ein Bergener holt Crossgolf ins Vogtland

Sven Jacob lockt die besten Spieler aus Deutschland Ende Juli in den Waldpark nach Grünheide. Der soll für sie das Sprungbrett nach Europa werden.

Bergen/Grünheide.

Einen Wettkampf wie ein Qualifikationsturnier für eine Europameisterschaft quasi im Alleingang auf die Beine zu stellen - das klingt nach einer wahnwitzigen Idee. Doch Sven Jacob aus Bergen macht in seiner knapp bemessenen Freizeit genau das. Der 37-Jährige hat das Qualifikationsturnier für die nächste Crossgolf-EM ins Vogtland geholt. Am 28. Juli kämpfen die besten Crossgolfer Deutschlands im Waldpark Grünheide um zwölf Plätze im Nationalteam. "Maximal 108 Teilnehmer sind dabei möglich, die in Sechsergruppen unterwegs wären. Ganz so viele Golfer erwarte ich allerdings nicht. Ich rechne so mit 70 bis 80", sagt der Einzelkämpfer.

Crossgolf wird nur in Turnieren auf festgelegten Bahnen gespielt. Die verwendeten Schläger sind dieselben wie beim herkömmlichen Golf. Sonst geht es aber viel lockerer zu: In privater Runde werden ein beliebiger Abschlag und ein beliebiges Ziel zufällig ausgewählt. Danach geht's zum nächsten Ziel. Crossgolfer ziehen nicht auf gepflegtem Grün ihre Kreise, sie legen Wert auf zu umspielende Hindernisse, egal, ob sie die Natur hinterlassen hat oder ob sie von Menschenhand geschaffen wurden. Da wird von Bänken oder Mauern abgeschlagen, als Ziel dienen zum Beispiel Fensteröffnungen oder Hydranten.

Durchaus möglich, dass so ein Wettkampf mal mitten in einer Innenstadt ausgetragen wird, wie jüngst in Wittenberg beim Qualifikationsturnier für die erste Weltmeisterschaft, die am 22. September in Paris stattfindet. Wegen dieser besonderen Umstände verwenden die Aktiven auch nicht herkömmliche schwere Golfbälle, sondern leichtere aus Kunststoff.

Sven Jacob, der seit etwa sieben Jahren dieser Funsportart verfallen ist, hat in der Vergangenheit schon bei verschiedenen Gelegenheiten versucht, sie mit Wettkämpfen im Vogtland populärer zu machen. In Erinnerung sind vielleicht noch Turniere im Freibad Haselbrunn in Plauen, wo schon mal vom Zehn-Meter-Turm abgeschlagen wurde. Doch eine EM-Qualifikation ist eine andere Hausnummer - auch wenn die Crossgolfer ein lockeres, wenig anspruchsvolles Völkchen sind, denen Feiern, eine familiäre Atmosphäre und Gemütlichkeit genauso wichtig sind wie ihr Sport.

"Erstmals vorgefühlt, das EM-Qualifikationsturnier ins Vogtland zu holen, habe ich voriges Jahr bei einem Turnier in Mannheim", erinnert sich Jacob, der 2017 mit dem deutschen Team in Prag den Europameistertitel geholt hatte. Mannheim, Stuttgart und Walldorf in Baden-Württemberg oder Aachen in Nordrhein-Westfalen sind die deutschen Crossgolf-Hochburgen. Im Osten gibt es kleiner Szenen zum Beispiel in Wittenberg oder Dresden. Im April bekam der vogtländische Einzelkämpfer Jacob endgültig den Zuschlag.

Bei der Suche nach einem geeigneten Austragungsort hatte der Bergener, der als selbstständiger Montagebauer über 40-Stunden-Wochen nur lächeln kann, zunächst einen Stadtkurs in Plauen im Auge. Doch das erwies sich logistisch in der Kürze der Zeit als schwer umsetzbar. So zeichnete sich für das Qualifikationsturnier am 28. Juli der Waldpark Grünheide schnell als erste Wahl ab. "Da stimmt ganz einfach das Gesamtpaket: Übernachtung, Sportangebote und auch die Möglichkeit, ein Festzelt zu stellen und abends noch zusammen zu sitzen, waren letztlich ausschlaggebend."

Der Bergener hat schon viele Ideen, wie man Volleyball-, Fußball- und Tennisplätze oder die Turnhalle in die 14 bis 18 zu spielenden Bahnen einbauen könnte. Und er hat dafür originelle Einfälle, bei denen ein Kinderplanschbecken, ein Autodach oder ein ausrangierter Einkaufswagen eine Rolle spielen. Wer Anfragen oder auch Interesse am Mitmachen hat, kann sich per Mail (crossgolf-plauen@gmx.de) an Sven Jacob wenden.

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