Ex-Präsident greift Ex-Kollegen an

Beim VFC Plauen liegen die Nerven blank. Der zurückgetretene Vorstandsvorsitzende Ulrich Fischer hat sich über die Situation des Vereins geäußert und damit heftige Reaktionen hervorgerufen.

Plauen.

Im Plauener Vogtlandstadion scheint das Chaos ausgebrochen zu sein. Der Fußball-Oberligist soll Verbindlichkeiten in sechsstelliger Höhe haben, wie der am Sonntag zurückgetretene Vorstandsvorsitzende Ulrich Fischer in einem zweiseitigen Schreiben mitteilte, das der Redaktion der "Freien Presse" vorliegt. Darin geht es jedoch nicht nur um die finanziell mehr als prekäre Situation des Vereins. Ehemalige Mitarbeiter und Vorstandskollegen greift Fischer offensiv an und stellt diverse Thesen auf.

These 1: Am Tag seines Rücktritts, schreibt Fischer, hatte der VFC Plauen Verbindlichkeiten im sechsstelligen Bereich. Seiner Meinung nach seien die Vorstände seit der Insolvenz im Jahr 2014 dafür verantwortlich. Auch die doppelte Mitgliederumlage in Höhe von 40.000 Euro hätte dem Verein nicht weitergeholfen. "Löhne an Spieler und Angestellte wurden nie regelmäßig und pünktlich bezahlt", so Fischer weiter. Auch deswegen hatte der damalige Vorstandsvorsitzende in der Aufsichtsratssitzung am 19. März eine baldige Insolvenz angekündigt, was nach seiner Aussage im Verein auf taube Ohren stieß.

Die ehemalige VFC-Vorstandsvorsitzende, Dagmar Baumgärtel, zeigte sich bei der Konfrontation mit Fischers Aussage regelrecht geschockt. Im Bezug auf die Höhe der Verbindlichkeiten sagt sie nach einer Prüfung mit der Buchhalterin: "Wir können das nicht bestätigen." Die Verbindlichkeiten des VFC lägen im fünfstelligen Bereich. Laut dem ehemaligen Vorstandsmitglied Eric Holtschke habe Fischer trotz Aufforderung der Verantwortlichen im Verein nie eine Vorstandssitzung einberufen, auf der man hätte über alles reden können.

These 2: In dem Schreiben geht Fischer auch auf explizite Fehler der anderen Vorstandsmitglieder ein. "Dagmar Baumgärtel hat Alexander Bräutigam (ehemaliger Sportvorstand) zwei Spendenquittungen zu je 2400 Euro ausgestellt, ohne den Betrag als Spende erhalten zu haben", weiß Fischer. In den Augen eines Rechtsanwaltes ein glatter Betrug, wie Ulrich Fischer hinzufügt.

Dazu Dagmar Baumgärtel: "Der Sportvorstand hatte zwei Übungsleiterverträge, hatte Anspruch auf Gelder, auf die er verzichtete." Das Vorgehen mit den Spendenquittungen sei ihrer Meinung nach rechtens, außerdem sei der damalige Vorstandsvorsitzende Ulrich Fischer darüber informiert gewesen.

These 3: Auch Eric Holtschke kommt in dem Schreiben nicht ungeschoren davon. "Herr Holtschke ist seit mehreren Monaten beim VFC nicht mehr unterschriftsberechtigt." So dürften lediglich der Vorstandsvorsitzende und der Aufsichtsratsvorsitzende etwas unterzeichnen. Zudem stellt Fischer die Frage in den Raum, warum Holtschke nach über vier Jahren immer noch keinen Schlüssel für die Räumlichkeiten des VFC hätte und wie er ohne diesen seiner ehrenamtlichen Arbeit hätte nachgehen können.

"Die Behauptung über die Unterschriftsberechtigung ist schlichtweg falsch. Wir haben eine Regelungen über diesen Sachverhalt, so bin ich berechtigt, Verbandsangelegenheiten und allgemeinen Schriftverkehr zu unterzeichnen. Verträge habe ich nie unterschrieben", erklärt sich Holtschke. Er war beim VFC für die Öffentlichkeitsarbeit, Mitgliederpflege und Fanbetreuung verantwortlich. Am 26. Juni trat er von seinen Ämtern im Vorstand zurück, veröffentlichte am Montag jedoch eine Mitteilung, mit der Unterstützung der Sponsoren, Mitarbeiter und Mitglieder weiter machen zu wollen. "Unter bestimmten Umständen komme ich in den Vorstand zurück. Bis zur Mitgliederversammlung am 2. August werde ich mich entscheiden, ob ich das tue."

These 4: Laut Aussage von Fischer, ist Dagmar Baumgärtel seit einiger Zeit nicht mehr dazu berechtigt, finanzielle Dinge für den VFC Plauen zu erledigen. Zudem habe sie "einen gültigen Vertrag mit dem VFC-Spieler Dimitrios Komnos ignoriert. Darauf drohte dessen Anwalt mit einer Klage, falls die angefallenen 5000 Euro nicht bezahlt werden." Fischer einigte sich damals außergerichtlich mit Komnos, was den VFC Plauen die Hälfte des Betrages ersparte.

"Den Vertrag mit Dimitrios Komnos habe ich nicht gekannt, den hat der damalige Sportliche Leiter alleine unterschrieben", so Dagmar Baumgärtel.

These 5: Fischer fragt, warum der VFC Plauen im vergangenen Jahr drei Mal vor Gericht erscheinen musste, da ehemalige Trainer klagten. So hat nach Informationen der "Freien Presse" der jetzige Trainer des FSV Schleiz, Roger Fritzsch, seine Klage gewonnen. Auch Steve Dieske hatte mit dem VFC Plauen eine Zusage für den Trainerposten, durfte das Amt jedoch nie antreten. Vor Gericht erhielt er Recht, sodass der VFC das vereinbarte Gehalt an Dieske zahlen muss. Der dritte Trainer im Bunde ist Daniel Rupf, der im Laufe der vergangenen Saison gehen musste. Er klagt jedoch nicht gegen die Kündigung, sondern wegen ausstehender Gehälter.

Dagmar Baumgärtel sieht Fischers öffentliche Anschuldigungen als einen "Rachefeldzug", spricht von "Rufmord". "Mir tut es weh, nicht wegen meiner Person. Das Ganze schadet nur dem Verein." Der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Stark sieht das ähnlich: "Um weiteren Schaden vom Verein abzuwenden, sollten sich alle Beteiligten bis Anfang August zurückhalten. In der dann stattfindenden Mitgliederversammlung muss alles, was vorgefallen ist, besprochen werden. Der Aufsichtsrat verfolgt seit geraumer Zeit bereits Verfehlungen und wird dazu im August Stellung nehmen."

Wie geht es weiter? Der VFC Plauen muss nun einen spielfähigen Oberliga-Kader zusammenstellen. Die Mannschaft soll am 1. August offiziell vorgestellt werden, zwei Tage später startet die Oberliga-Saison. Wie es mit dem Verein weitergeht, steht auch für Holtschke in den Sternen.

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