Halbmond-Platz hat kein langes Leben

Vor 70 Jahren begann man in Oelsnitz, organisiert Tennis zu spielen. In den Gründungszeiten ging es abenteuerlich zu.

Oelsnitz.

Der organisierte Tennissport in Oelsnitz feiert in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag. Viele Hindernisse waren seit der Gründung der Abteilung Tennis der damaligen BSG Fortschritt Oelsnitz 1951 zu überwinden. Das schönste Geschenk zum Jubiläum wäre für die heutige Spielergeneration die Aufhebung der Coronabeschränkungen und eine Rückkehr zum normalen Wettkampfbetrieb.

Die Umstände der Gründung des einzigen Tennisvereins in Oelsnitz waren abenteuerlich. Gottfried Meyer, einer der mittlerweile verstorbenen Pioniere des Oelsnitzer Tennissports, schilderte sie vor 20 Jahren anlässlich des 50-Jährigen: "Kurz nach der Gründung der Betriebssportgemeinschaft im Halbmondwerk tauchten einige Sportfunktionäre auf und sagten zu mir und einigen anderen: ,Also ihr macht jetzt eine Sektion auf und spielt ab sofort Tennis.' Wir hatten weder Ahnung davon noch einen Platz dafür. Zum Sektionsleiter wurde Arno Wunderlich bestimmt. Der hatte mit Tennis nichts am Hut, war eher dem Skatspiel zugetan. Einen Tennisschläger hatte er, soweit ich das weiß, zeitlebens nie in der Hand. Trotzdem nahm er sich der Sache an."

Die ersten Übungsspiele wurden auf fremden Plätzen absolviert, da in Oelsnitz keine entsprechende Anlage existierte. Zwar hatte es auf dem Gelände des Teppichwerks in der Vorkriegszeit einen Tennisplatz für die Herren der Chefetage gegeben, der war aber nach dem Krieg zerstört worden, um an Baumaterial zu kommen. Aus den Zaunpfosten und dem Maschendraht wurden Fußballtore für den Halbmondsportplatz gebastelt. So musste eine neue Anlage errichtet werden. Da ein Spielfeld nicht ausreichte, wurden später ein zweites und schließlich eine hölzerne Umkleidebaracke mit einer Terrasse gebaut, von der aus man das Geschehen auf dem Spielfeld beobachten konnte. Alles entstand in Eigenleistung und freiwilliger Arbeit, wobei Sportler anderer Sektionen fleißig mithalfen.

Allerdings wurde das Anliefern des Baumaterials auf dem sumpfigen Untergrund zum Problem. "Der Traktor samt Hänger blieb dauernd stecken und versank im Matsch. Wir haben uns Kipploren und Feldbahngleise organisiert und alles auf Schienen hingeschafft", erinnerte sich Gottfried Meyer. "Im Juni 1953 ist die Anlage, die unser ganzer Stolz war, eingeweiht worden."

Zeitweise bis zu fünf Mannschaften standen im Spielbetrieb. Doch Mitte der sechziger Jahre machte sich Frust breit: Für eine Betriebserweiterung wurde Platz gebraucht, die Tennisanlage stand dem Neubau der Malimo-Hallen im Weg. Widerspruch wurde nicht geduldet und das Schmuckstück der Tennisfreunde kurzerhand eingeebnet. Einige von ihnen stellten den Schläger desillusioniert in die Ecke, andere machten sich Woche für Woche mit dem Zug auf in Richtung Bad Elster, um dort ihre Spiele zu absolvieren. Ganze sechs Jahre ging das so.

Dann nahm sich BSG-Leiter Hans Gräf, selbst aktiver Tennisspieler, der Sache an und erreichte 1972 mit Hilfe des als Trägerbetrieb fungierenden Halbmondwerks einen Neubau an jetziger Stelle am Elstertalstadion. Dort war damals noch freies Feld, das heute dahinter liegende Neubaugebiet entstand erst später. Zu DDR-Zeiten mangelte es stets am dringend benötigten Ziegelmehl als Belag für die drei Spielfelder. Immerhin wurde der anfangs als Umkleide- und Gerätehaus genutzte Bauwagen durch einen Holzbungalow ersetzt. Damals nur als Provisorium gedacht, ist er noch heute Heimstatt der Spieler.

Bald folgte der nächste Tiefschlag: In den achtziger Jahren wurde die Heiztrasse für das Neubaugebiet an der Damaschkestraße trotz Protesten der Tennisspieler mitten durch die Anlage verlegt. Die blieb für Jahre Baustelle, was den Spielbetrieb zum Erliegen brachte. Nur zum Privatvergnügen holte der eine oder andere noch den Schläger hervor.

Erst kurz vor der Wende wurde wieder offiziell um Spiel, Satz und Sieg gekämpft. Hans Gräf hatte den BSG-Vorsitz abgegeben und sorgte als Sektionsleiter Tennis für neue Impulse. Um seine Söhne sowie deren Kumpels baute er eine neue Mannschaft auf. Deren größten Triumph erlebte der früh verstorbene Chef nicht mehr mit: 1997 - mittlerweile als TSV Oelsnitz - gelang der Aufstieg in die Bezirksklasse.

Um die Jahrtausendwende schliefen die Aktivitäten langsam ein, bis mit Jörg Ungethüm ein neuer Aktivposten die einsetzende Lethargie beendete. Der Lehrer am Oelsnitzer Gymnasium - er war zu der Zeit noch für den VTC Reichenbach aktiv - baute zunächst eine Schularbeitsgemeinschaft auf, übernahm dann auch den Posten des Abteilungsleiters. Die Jugendarbeit florierte, der Tennisplatz wurde erstmals komplett saniert und zum zweiten Mal gelang der Männermannschaft der Sprung in die Bezirksklasse, wo der TSV auch im Jahr 2021 spielberechtigt ist.

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