Vereinschef stärkt Trainer den Rücken

Beide Plauener Handball-Oberligisten gingen am Wochenende leer aus. Dabei hatten beide lange klar geführt.

Plauen.

Die Mitteldeutsche Handball-Oberliga schreibt in dieser Saison für die Anhänger des SV 04 Oberlosa und des HC Einheit Plauen Situationen fast jedes Wochenende verrückte Geschichten. So auch dieses Wochenende, als beide schon fast gewonnen geglaubte Spiele leichtfertig aus der Hand gaben. Oberlosa bleibt dennoch Fünfter, während Einheit auf Rang 10 zurückfiel.

SV 04 Oberlosa - HSG Freiberg 27:29 (18:12): An dieses Spiel wird man sich beim SV 04 Oberlosa noch ein Stück erinnern. Die Plauener sahen bereits wie der sichere Sieger aus, lagen schon 20:13 vorn. Beim Stand von 22:16 passierte dann das Unfassbare: Zehn Minuten lang gelang kein Tor, während Freiberg achtmal zum 22:24 traf. "Einen lauf von 0:8 Gegentoren habe ich noch nicht erlebt. Ich bin fassungslos", entschuldigte sich Rückraumschütze Paul Richter, dem es gelang, mit dem 23:24-Anschlusstreffer sein Team wieder ins Spiel zu bringen. Doch bis auf den 26:26-Ausgleich durch Marc Multhauf (55.) gab es nichts mehr zu bejubeln.

Der Ärger unter den Anhängern war verständlich. Natürlich gibt es jetzt Redebedarf. Den kündigte auch gleich während der anschließenden Pressekonferenz ein aufgebrachter Fan an. Als der die Trainerfrage stellte, stand SV-Coach Petr Hazl gewissermaßen am Pranger. "Das Einfachste ist, jetzt wegzulaufen. Unsere Jungs haben zwei Jahre funktioniert und die Fans verwöhnt. Wenn es läuft, kann jeder feiern. Wir befinden uns in einer schwierigen Situation", antwortete Hazl unter Beifall.

Marc Multhauf gehörte zu jenen Akteuren, denen im entscheidenden Moment die Nerven versagten. Er ballerte sogar einen Siebenmeter übers Tor: "Ich weiß nicht, wie das passieren konnte. Das muss ich selber erstmal verdauen." Linksaußen Denny Mertig zeigte an seine Stirn: "Sowas ist Kopfsache. Das geht schon die ganze Saison, dass wir aus dem Nichts einbrechen." Ursächlich könnte fehlende Fitness sein. Hazl versuchte sich in Sachlichkeit: "Solange der Akku voll war, hatten wir Kraft. Wenn ich im ersten Durchgang 18 Tore werfe und nach dem Seitenwechsel nur neunmal treffe, kann es nicht am mangelnden Können liegen." In der Tabelle bleibt der SV 04 trotz der vierten Heimniederlage auf Platz 5. Auf Nachfrage antwortete Vereinschef Bernd Märtner: "Das letzte Heimspiel des Jahres haben wir uns alle anders vorgestellt. Wir haben 40 Minuten sehr schnellen, hochklassigen Handball gespielt. Wenn ich dann im letzten Drittel nur fünf Tore mache, versteht niemand mehr die Welt", so der Vorsitzende, der hinzufügte: "Natürlich werden wir uns zusammensetzen. Aber unser Verein hat schon ganz andere Situationen gemeistert. Wir stehen nicht für blinden Aktionismus. Unser Trainer hat Oberlosa vergangene Saison zur Vizemeisterschaft geführt. So jemanden schickt man nicht einfach weg."

Oberlosa: Klaus, Flämig - Kveton (3 Tore), Wetzel (1), Roth, Trommer-Ernst (1), Mertig (5/davon 1 Siebenmeter), Richter (6), Duschek (1), Hertel (4), Kolomaznik (3), Multhauf (3/2), Rahn

HC Burgenland - HC Einheit Plauen 38:30 (17:19): Fast hätte der HC Einheit seine Außenseiterchance beim Tabellenzweiten genutzt. Aber eben nur fast, denn auf eine sehr gute erste Halbzeit folgte eine Schwächephase in Durchgang 2, die jegliche Hoffnung auf Punkte zerstörte. So mussten die Plauener eine deutliche Niederlage hinnehmen. Dennoch sehen die Trainer ihre Mannschaft auf dem richtigen Weg, das Saisonziel Klassenerhalt zu schaffen.

Den besseren Start erwischten die Hausherren. Bereits nach wenigen Minuten stand es 3:6 aus Plauener Sicht, das Spiel schien den erwarteten Verlauf zu nehmen. Doch Einheit war nicht nach Naumburg gefahren, um sich kampflos geschlagen zu geben. Nach einer etwas längeren Aufwärmphase fanden die Plauener immer besser in die Partie. Durch Tore von Danowski, Broz und Burda schafften sie nach zehn Minuten den 7:7-Ausgleich. "In der Abwehr passte unser Timing einfach. Jeder kämpfte und ackerte für seinen Nebenmann, und so konnten wir Burgenland in der Abwehr immer wieder den Zahn ziehen", sagte Mannschaftskapitän Maximilian Krüger. Im Angriff war David Zbiral der Dreh- und Angelpunkt. Gekonnt setzte er seine Nebenleute in Szene, die in dieser Phase des Spiels wenig Fehler machten. So erarbeiteten sich die Plauener Stück für Stück eine 18:14-Führung. Eine Unterzahlsituation kurz vor der Pause nutze Burgenland, um den Rückstand zu verkleinern. Beim Stand von 19:17 wurden die Seiten gewechselt.

Zu Beginn der zweiten Hälfte konnte Einheit den Vorsprung halten. Doch Burgenlands Trainer Steffen Baumgart reagierte mit einer Umstellung in der Abwehr, die den Vogtländern überhaupt nicht schmeckte. Aus einem 23:20-Vorsprung wurde innerhalb von zehn Minuten ein 23:27-Rückstand. Auch eine Auszeit der Plauener Bank zeigte keine Wirkung. Einheit agierte im Angriff zu überhastet und unsicher. "Wir haben nach der Abwehrumstellung von Burgenland zu viele falsche Entscheidungen getroffen und fanden spielerisch einfach keine Lösung. Hinzu kam in der entscheidenden Phase auch, dass wir hundertprozentige Torchancen liegen lassen haben", erklärt Trainer Vasile Sajenev. Zwar stabilisierte sich Einheit wieder und hielt den Rückstand bis zum 28:31 in Grenzen, doch dann schwanden die Kräfte. "Wir haben in der ersten Halbzeit endlich wieder die Leistung abgerufen, zu der wir in der Lage sind. Das stimmt uns mit Blick auf die kommenden Spiele positiv. Wir müssen daran arbeiten, auf Umstellungen des Gegners besser und schneller zu reagieren", sagt Trainer Jan Richter.

HC Einheit: Misar, Ott, Corda, Kies, Model (1), Gemeinhardt, Krüger (1), Burda (8), Höpner, Broz (5), Zbiral (2), Danowski (7/2), Pecek (5), Dolak (1)

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