Auf der Suche nach Identität

Wie ein junger Pole Zwickauer Kindern die vielleicht schwierigste aller Fragen rettete: Warum ist ein jeder er selbst?

Zwickau.

Normalerweise gibt es im Puppentheater Beifall erst nach der Vorstellung. Doch zur Premiere von "Das kleine Ich bin ich" im Zwickauer Puppentheater gab es bereits im Vorfeld Riesenapplaus für den Puppenspieler Konrad Bruno Till. Der 29-Jährige, seit zwei Jahren Ensemblemitglied des Zwickauer Puppentheaters, sprang für einen erkrankten Theaterkollegen in die Bresche, um das Solostück zu retten. In nur vier Tagen lernte der junge Pole nicht nur den ganzen Text in Versform von Mira Lobe, sondern studierte das 45-minütige Ein-Mann-Stück ein - ein Pensum, für das ein Spieler normalerweise sechs Wochen zur Verfügung hat. "Wir wissen, dass es eigentlich Wahnsinn ist, nach dieser kurzen Probenzeit das Stück dem Publikum vorzustellen, doch wir sind so wahnsinnig. Deswegen haben wir uns dafür entschieden, die ausverkaufte Premiere nicht ausfallenzulassen und an das Wunder des Theaters zu glauben", erklärte vor dem Beginn der Vorstellung die sichtlich aufgeregte Theaterdirektorin Monika Gerboc. Und dann mit den ersten Zeilen: "Auf der bunten Blumenwiese geht ein buntes Tier spazieren, wandert zwischen grünen Halmen, wandert unter Schierlingspalmen..." sind die Zuschauer schon mitten in der bunten Welt des kleines Wesens, das in der Inszenierung der Regisseurin Malgorzata Kazinska genauso aussieht wie auf den Zeichnungen der Illustratorin Susi Weigel zur Geschichte von Mira Lobe, die erstmals 1972 das Licht der Welt erblickte. Das junge Premierenpublikum zeigte sich fachkundig und kündigte jede weitere Figur an: "Jetzt kommt der Frosch!" Mit seiner Frage: "Wer bist denn du?" stürzt er das fröhliche Wesen in eine tiefe Krise. Denn das kleine Tierchen weiß nicht, was es ist, will es aber unbedingt herausfinden. Deswegen begibt es sich auf die Suche nach seinen Artgenossen. Vor jeder neuen Begegnung melden sich lautstark die Kinderstimmen: "Jetzt kommt die Pferdemutter und das Pferdekind, jetzt kommt die Kuh ..." Und schlussendlich ganz triumphierend: "Du bist du". Die bezaubernden Puppen und die einfallsreiche Ausstattung von Melania Muras lassen die Kinder und Erwachsenen staunen. Zauberhaft ist auch die Musik von Mateusz Ryczek. Anrührend die Geschichte, die der Puppenspieler Konrad Bruno Till so wunderbar darstellt, dass die Kleinen richtig hingerissen sind, und die Großen ganz verzückt. Bei manchen glänzen die Augen verdächtig feucht. Dem entsprechend begeistert und lang anhaltend fällt auch der Schlussapplaus aus, für den Puppenspieler, für die Helfer, die beim Puppenbauen für den erkrankten Tischler eingesprungen sind, und für das ganze Ensemble, das praktisch das Unmögliche möglich gemacht hat.

Nach der Vorstellung zollte auch der Premierengast Heinrich Schulze, der von 1982 bis Ende 2009 maßgeblich das Profil der Zwickauer Puppenbühne prägte, und von Generationen von Zwickauern liebevoll Puppen-Schulze genannt wird, dem Puppenspieler Konrad Bruno Till Hochachtung für das Geleistete.

Das Stück

Ein kleines buntes Tier geht vergnügt spazieren und erfreut sich an allem, was es erblickt. Doch etwas ist anders als bei anderen: Es hat zwar Haare wie das Pferd, Augen wie der Fisch, Stampfbeine wie das Nilpferd und ein Schwänzchen wie der Papagei, selbst ist es aber nichts davon. Es muss herausfinden: Ich bin ich!

Nächste Vorstellungen "Das kleine Ich bin ich" ist wieder morgen, am Sonntag sowie am 22., 23. und 25. März im Puppentheater Zwickau zu sehen.

puppentheater-zwickau.de

 

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