Weltoffener Folkrock statt dumpfer Volkstümelei

Stefan Gerlach hält mit seiner Band Wind, Sand & Sterne Rückschau

Zwönitz.

"Berei gar kaa Minut", singt Stefan Gerlach stolz auf der neuen, gleichnamigen CD, die er gemeinsam mit seiner Band Wind, Sand & Sterne sowie mit Freunden seiner früheren Kapellen Gouverneurs und Stewards aufgenommen hat. Wohl dem, der das von sich sagen kann. Gemeint ist das musikalische Leben des Zwönitzers, der über viele Jahrzehnte zunächst mit Sartori, später mit Wind, Sand & Sterne die Folkrockszene in Sachsen, zeitweise in ganz Ostdeutschland mitbestimmte. Lieder wie "Tramptour" und "Verflossene Jahre" beschrieben in den 70er- und 80er-Jahren das Lebensgefühl einer ganzen Generation in der DDR, die sich eingesperrt fühlte, auf holprigen Asphaltstraßen, aber auch auf geistigen Wegen reiste, um zurückzukommen und das Land irgendwie besser zu machen.

Stefan Gerlach ist sich mit seiner jüngsten Platte in seinem 70. Lebensjahr treu geblieben. 1995 begann er - auch unter dem Eindruck der kölschen Band Bap - im erzgebirgischen Dialekt zu singen. Daran hält er authentisch fest, überzeugt aber nicht immer, weil es trotz angestrebter Alltagssprache nicht immer so klingt, als wäre dies die Sprache, die der Sänger täglich spricht, etwa im ersten Lied "Sommersehsucht", zumal der Dialekt ihn manchmal zu unglücklichen Reimen - wie "dorham" auf "gaabn" - zwingt.

Doch Stefan Gerlach beschreibt auf anrührende und ehrliche Art das Leben der "kleinen Leute" nicht nur im Erzgebirge, die schon vor 40 Jahren zu seinen Konzerten kamen. Die die Natur ihrer Heimat lieben und das Fremde weder hassen noch fürchten, die sich inzwischen mit Flixbus oder neuem Auto über "de 169" durch die Welt kämpfen, manchmal den alten Zeiten nachtrauern, - "mir's aah net entgange, wos mer alls verlurn" - sich im Grunde aber mit der neuen Zeit arrangiert und ihre Menschlichkeit bewahrt haben, "s klaane Glück" schätzen und über sich selbst noch lachen können.

Wind, Sand & Sterne mit Christoph Rottloff (Bass, Konzertina), Michael Barth (Gitarre, Orgel, Klavier, Akkordeon), Hans-Rudolph Lippold (Schlagzeug) und Torsten Reuter (Gitarre) ist noch immer eine ausgezeichnete Folkband. Ihr Stil zeichnet sich durch kluge, leichthändig wirkende Arrangements aus, bringt jedes Instrument gut zur Geltung. Studiogäste aus Gerlachs ersten Bands Gouverneurs und Stewards, Peter Thuß und Wolfgang Gummt, nebst anderen Gastmusikern vervollständigen den überzeugenden Sound. Wind, Sand & Sterne mit Gefährten und Freunden gleiten nie in dumpfe Heimattümelei ab, spielen exzellenten, weltoffenen Folkrock. Nicht revolutionär - das waren sie nie - aber ehrlich, auch sich selbst gegenüber. Es ist der Soundtrack der Nach-Wende-Jahrzehnte, in denen nicht alle Träume in Erfüllung gingen, die aber Möglichkeiten eröffneten und noch immer eröffnen. Da gibt es tatsächlich nichts zu bereuen.

Die Platte "Berei gar kaa Minut" von Stefan Gerlach, Wind, Sand & Sterne, Gefährten und Freunden ist für 15 Euro über die Seite der Band erhältlich. Am 17. März ist die Band in Flöha, "Zum Rosenheim", zu hören.

www.windsandundsterne.de

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...