Menschen 2017: Diese 17 Erzgebirger setzten Zeichen

Mundartmoderatorin Marianne Martin lebt Nächstenliebe. Sie und die anderen in diesem Beitrag stehen stellvertretend für all jene, die im zu Ende gehenden Jahr in der Region Besonderes geleistet haben.

Thalheim.

Wer über Erzgebirger schreiben will, die mit ihrem Handeln Zeichen setzen, kommt an Marianne Martin nicht vorbei. Denn die Mundartmoderatorin aus Thalheim lebt Nächstenliebe: Den Großteil ihrer Gagen für Bühnen- und Fernsehauftritte investiert die Christin in Projekte für kranke und behinderte Kinder. Darüber hinaus setzt die 82-Jährige ihre Bekanntheit ganz bewusst ein, um Spenden für ihre Schützlinge einzuwerben.

Als sie Anfang dieses Monats für ihre MDR-Weihnachtssendung "So klingt's bei uns im Arzgebirg" drehte, verteilte sie unter den Fernsehleuten ebenso die Bankdaten für ihr Spendenkonto, wie sie diese bereits bei der Weihnachtsgala in Annaberg, Schwarzenberg und Stollberg unter die Zuschauer brachte.

Selbst ihren Auftritt in der Talkshow "Riverboat" vor wenigen Tagen nutzte sie , um auf den kleinen schwerstbehinderten Ewen aus Oelsnitz aufmerksam zu machen und um Spenden zu bitten. Seit sie Anfang des Jahres vom Schicksal des Vierjährigen erfuhr, setzt sie alles daran, ihm die Fortsetzung einer speziellen Therapie zu finanzieren, deren Kosten die Krankenkasse nicht trägt. Zwei Aufenthalte hat sie ihm mit ihren Spendenaktionen schon ermöglicht. Aber die Behandlung, die erste Erfolge bringt, soll weitergehen. "Es wäre schön, ich könnte ihn zum Laufen bringen." Fast den gleichen Satz sagte sie schon einmal - vor sechs Jahren. Damals ging es um die spastisch gelähmte Selina aus Thalheim, deren Familie sie ebenfalls jahrelang unterstütze. Die ersten Schritte ist das Mädchen inzwischen gegangen.

Auch für die beiden schwerstbehinderten Zwillinge Stella und Fanny aus Ehrenfriedersdorf setzt sich Martin ein. Dass sie seit 2004 zudem Kuratoriumsmitglied im Elternverein krebskranker Kinder ist, erwähnt sie nur am Rande.


Schwuler Diakon im Kirchenbezirk Aue

Jens Ullrich hat eine Debatte ausgelöst, als er sich zu seiner Homosexualität bekannte. Ein Schwuler, tätig als Jugendwart im Kirchenbezirk Aue - das löste Unmut in einigen der evangelischen Kirchgemeinden aus, für die Ullrich zuständig ist. Überwiegend aber erfuhr er Unterstützung. (tlie)


Trophäe für Enduro-WM

Fahrtleiter als "Bester Organisator des Jahres" geehrt

André Rudolph (34) ist vom Vermarkter der Enduro-Weltmeisterschaft mit der Trophäe "Bester Organisator des Jahres" ausgezeichnet worden. Für die Fans des Motorradgeländesports war das Finale der Enduro-WM in Zschopau der Höhepunkt des Jahres. Für André Rudolph dürfte die diesjährige Ausgabe des Enduro-Klassikers im Erzgebirge ein Meisterstück seiner bisherigen Laufbahn als Motorsportfunktionär gewesen sein. Der 34-Jährige hatte als Fahrtleiter von "Rund um Zschopau" maßgeblichen Anteil am Gelingen der Geländefahrt, die vom 20. bis 22. Oktober mehrere Zehntausend Zuschauer in die Region gelockt hatte. Der Motorradweltverband FIM bezeichnete das dreitägige Kräftemessen als den "besten WM-Lauf des Jahres". (hd)


Ehrung für Lebensretter

Zufall macht Königswalder zum Helden

Kristian Mauersberger (27) hat in diesem Jahr die Lebensrettermedaille des Freistaates Sachsen erhalten. Er war, wie er selbst sagt, zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Und das kam so. Im August 2016 war eine junge Mutter mit Kind und Hund im Auto unterwegs. Die Fahrerin gerät auf der Staatsstraße zwischen Königswalde und der Kreuzung Morgensonne ins Seitenbankett und prallt gegen einen Baum. Zu dieser Zeit war Kristian Mauersberger auch auf der Straße unterwegs. Er entdeckte den Unfall, half Mutter, Kind und Hund, das Auto zu verlassen. Kurz danach fing es Feuer und brannte komplett aus. Der Königswalder Bürgermeister Ronny Wähner hörte davon und schlug ihn für die Lebensrettermedaille vor. (aed)


Pobershauer verwandelt Esche

Ralph Siebenborn aus Pobershau hat im Sommer eine alte Esche in eine riesige Lutherstatue verwandelt. Weil der Baum vor der Zöblitzer Kirche von einem Pilz befallen war, hatte die Gemeinde nach einer Lösung gesucht. Mit Kettensäge und Flex gestaltete Siebenborn das Gesicht des Reformators. (pc)


Ein Kindermuseum im alten Gefängnis

Doris Bradler (62) hat ungezählte Kartons gepackt. Die Leiterin der Lern- und Erlebniswelt Phänomenia organisierte den Umzug von Glauchau ins ehemalige DDR-Frauengefängnis Hoheneck in Stollberg. "Es hat sich auf jeden Fall gelohnt." Seit der Eröffnung im Mai kamen mehr als 13.000 Gäste. (kan)


Bei DSDS nur gewonnen

Für junge Auerin wurde Casting-Show zum Erfolg

Sophia Verena Trzarnowski (18) wollte bei Deutschland sucht den Superstar gewinnen. Ganz hat es die Auerin nicht geschafft, denn sie konnte die Jury mit Schlagersängerin Michelle nicht überzeugen. Trotzdem war der Wettbewerb mit der Reise nach Dubai ein unvergessliches Erlebnis für die junge Frau aus Aue-Alberoda: "Ich konnte zum Beispiel einen Blick hinter die Kulissen werfen und habe gelernt, großem Druck standzuhalten." Zu der Casting-Show wurde sie überraschend von ihren Schwestern Sabrina und Saskia sowie ihrem Freund Rico angemeldet. Bereut hat sie die Teilnahme nicht. "Es hat mich ein ganz großes Stück nach vorn gebracht", sagt sie. Und der Musik ist sie bei Auftritten danach weiterhin treu geblieben. (tjm)


Heimatort lockt mit Projekt

Gornsdorferin, die in Berlin lebt, plant neue Schule

Katharina Löser (36) hat es für ein spannendes Projekt wieder häufiger an den Ort ihrer Kindheit verschlagen. Die Gornsdorferin, die seit Jahren in Berlin lebt, plante mit Johannes Lott die neue Grundschule mit Hort. Diese steht neben der alten Schule, die Katharina Löser einst selbst besuchte. Ihr Architekturbüro, das sie 2011 mit ihrem früheren Kommilitonen gründete, erschuf einen echten Hingucker: bodentiefe Fenster, direkter Weg in den Garten, natürliche Materialien wie Lärchenholz, subtil abgestimmte Farben. "Es war etwas sehr Besonderes, eine Schule für den Ort zu entwickeln, den ich so gut kenne. Uns war es wichtig, dass die Gornsdorfer sich mit dem neuen Gebäude identifizieren und das alte Schulhaus erhalten bleibt", so Löser. (kan)


Grünhainichener verhindert Unglück

Fabian Fethke hat mit einem beherzten Sprint ein mögliches Bahnunglück verhindert. Tief Xavier hatte im Juli einen Baum auf die Gleise der Erzgebirgsbahn geworfen. Der Grünhainichener Feuerwehrmann bemerkte das und konnte den nahenden Zug durch Winken gerade rechtzeitig stoppen. (mik)


Für die Taufe nach Deutschland

Majid Khakshourrazavieh (35) wollte Christ werden. Dafür ist er aus dem Iran nach Deutschland gekommen. Im Januar empfing er in Johann'stadt die Taufe. Zurzeit kümmert er sich um seine kranke Tante in Hamburg. Er hofft, dass er ins Erzgebirge zurückkehren kann, wo er Freunde fand. (mu)


Verdienstkreuz für Wittig

Ehemaliger Oberbürgermeister erhält höchsten Orden

Thomas Wittig ist Anfang des Jahres im Kreis der Träger des Bundesverdienstkreuzes aufgenommen worden. Der 63-Jährige wirkt seit 1995 ehrenamtlich in verschiedenen Gremien des Sächsischen Städte- und Gemeindetages mit. In seiner langjährigen Zeit als Marienbergs Oberbürgermeister machte sich Wittig auch dafür stark, dass der Bundeswehrstandort in der Bergstadt erhalten bleibt. Er zähle zu jener Generation von Kommunalpolitikern, die in den 1990er-Jahren mit großem Verantwortungsbewusstsein eine bürgernahe und rechtsstaatliche Kommunalverwaltung aufgebaut haben, heißt es in der Begründung. Wittig ist der 47. Erzgebirger gewesen, dem seit 1991 der Bundesverdienstorden verliehen wurde. (rickh)


Naturschutz am Kranichsee

Schönheider hat ein Auge auf Moor und Vogelkinder

Dietmar Hoefer (64) aus Schönheide ist als ehrenamtlicher Naturschutzhelfer geehrt worden. Als Betreuer des Naturschutzgebietes "Kleiner Kranichsee, Butterwegmoor und Henneberger Hang" organisiert er Moorführungen, Vogelstimmenwanderungen und andere Exkursionen. Hoefer kümmert sich aber auch um kranke und verletzte Vögel. Jedes Jahr bringen Leute kleine, aus dem Nest gefallene Vögel zu ihm. Die päppelt er dann auf, was bedeutet, dass sie im Auto mitgenommen werden nach Johanngeorgenstadt, wo er mit seiner Frau die Gaststätte Henneberg betreibt. Denn kleine Drosseln oder Amseln müssen alle zwei Stunden gefüttert werden. Ziel ist es immer, den Vogelnachwuchs wieder auszuwildern. (ike)


Bärensteiner wird in Ukraine geehrt

Wolfgang Kahl (81) ist nicht nur langjähriger Bärensteiner, sondern auch Ehrenbürger der ukrainischen Stadt Drohobytsch. Der Grund dafür: Kahl organisiert seit Jahren gemeinsam mit seiner Frau Lydia Hilfstransporte in die Westukraine, oft setzt er sich dafür auch selbst ans Steuer. (saho)


Junger Firmenchef startet durch

Patrick Schmidl (18) ist wohl einer der jüngsten Firmengründer des Erzgebirges. Mit gerade einmal 17 Jahren eröffnete er sein Unternehmen PS Media Point. Seitdem kümmert er sich hauptberuflich unter anderem um die Social-Media-Auftritte von Firmen und erstellt in ihrem Auftrag Videoclips. Seine Karriere startete der Neudorfer als Youtuber. (aed)


"Die immer lacht" bricht Rekorde

Das DJ-Duo aus dem Erzgebirge erhielt im November 2017 Diamant-Status für Hit-Single

Rico Einenkel (39/Foto li.) und Sebastian Seidel (33) haben geschafft, wovon viele träumen. Seit mehr als zwei Jahren sind sie - Stereoact - aus der Musikbranche nicht mehr wegzudenken. Hinter den Erzgebirgern liegt wieder ein aufregendes Jahr. Einer der Höhepunkte war die Diamant-Auszeichnung für den Song "Die immer lacht", den die beiden gemeinsam mit Kerstin Ott herausgebracht haben. Mehr als eine Million Mal wurde die Single verkauft. Und die Verkaufszahlen steigen weiter, wie Sebastian Seidel vor Kurzem verriet. Das Ende der Fahnenstange dürfte somit noch lange nicht erreicht sein, obwohl das Lied, das die beiden vor einigen Jahren eher zufällig im Internet entdeckten und zu einem Hit machten, bereits Ende 2015 veröffentlicht wurde. Doch der Hype flacht nicht ab. Noch immer tanzen in der ganzen Republik DiscoBesucher zu dem Song. Und 2017 hatte für den Gornsdorfer und den Annaberger noch weitere Überraschungen parat. Bei der Echo-Verleihung war Stereoact gleich in drei Kategorien - Dance National, Hit des Jahres und Newcomer des Jahres National - nominiert. Am Ende gingen die DJs zwar leer aus. Eine Ehre seien die Nominierungen aber allemal gewesen. Doch noch einmal zurück zu ihrem bisher größten Hit "Die immer lacht". Eine Million verkaufte Singles sind schon eine Hausmarke. Getoppt wird diese Zahl allerdings noch von den Klicks, den das dazugehörige Musikvideo erhielt. Mehr als 122 Millionen Mal wurde es bisher angeschaut. Tendenz auch hier steigend. Trotz des riesigen Erfolges mit ihrer Debüt-Single war das DJDuo weiterhin fleißig. Für Aufsehen sorgte 2017 aber auch die Zusammenarbeit mit Helene Fischer. Zu ihrer Single "Nur mit dir" lieferten die Star-DJs einen Remix. (aed)


Designerin entwirft Mode zum Verstecken

Nicole Scheller (25) sagt dem Überwachungsstaat den Kampf an. Die Designerin hat für ihre Abschlussarbeit an der Kunstfakultät in Schneeberg eine Kollektion entworfen, die vor Video-Überwachung schützen soll. So tarnen etwa Infrarot-LEDs in einem Mantel die menschliche Form. Die ungewöhnliche Arbeit machte dieses Jahr sachsenweit Schlagzeilen. (juef)

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