Naumanns Rassismus löst Protest aus

Die Äußerungen des Niles-Simmons-Chefs über Afroamerikaner und Weiße sind einer ganzen Reihe Leser übel aufgestoßen.

Chemnitz.

Bundesverdienstkreuzträger, Inhaber des Sächsischen Verdienstordens, Ehrenpräsident des Industrievereins Sachsen, Ehrendoktor und Mitglied im Hochschulrat der Technischen Universität Chemnitz. Die Attribute für den Chef des Chemnitzer Maschinenbau-Unternehmens Niles-Simmons-Hegenscheidt, Hans J. Naumann, sind mannigfaltig. Seit Ostern 2017 kommt noch eines dazu: "Absoluter Rassist." So urteilt Bernd Hahn, früher Vize-Chef im Verwaltungsrat des Studentenwerks der TU Chemnitz und Ex-Studentenrat.

Naumann hatte sich im "Freie Presse"-Interview lobend über US-Präsident Donald Trump geäußert. "Im Gegensatz zu vielen europäischen Politikern" habe der erkannt, "dass die weiße Bevölkerung zusammenstehen" müsse. "Amerikaner, Europäer, Australier" seien rund 1,5 Milliarden Menschen. "Aber die Asiaten kommen auf sechs Milliarden." Für den Umgang mit der "afroamerikanischen Jugend", die sich "aus freien Stücken keine Zwänge" auferlege und "aus der Verantwortung" stehle, hatte Naumann einen Rat: Zum Militär einziehen, Disziplin beibringen und eine Berufsausbildung ermöglichen. Bernd Hahn möchte postwendend dem 81-jährigen Deutsch-Amerikaner Naumann eine neue Zukunft eröffnen. Auf seiner Facebook-Seite postete Hahn das Interview mit ironischem Kommentar: "Hochschulratsmitglied, kaum benutzt, dafür aber pervers reich und rassistisch, umständehalber zum nächstmöglichen Zeitpunkt abzugeben." Auf Anfrage wird Hahn deutlich. "Die Ministerin sollte von ihrem Recht Gebrauch machen, ihn abzuberufen." Marius Hirschfeld, Hahns aktueller Nachfolger beim Studentenrat, wollte sich am Montag nicht äußern, kündigte aber eine Mitteilung des Studentenrats für diese Woche an. Darin gehe es um die Forderung nach Konsequenzen.

Auch auf der Homepage der "Freien Presse" empören sich Leser. "Die 'weiße Bevölkerung' muss zusammenstehen? ... Das könnte auch der KKK (Ku Klux Klan - d. Red.) gesagt haben ... Unfassbar", hält Kommentator "Blackadder" fest und führt aus: "Und die Afroamerikaner, deren Vorfahren zwangsweise aus Afrika entführt wurden, sollen sich mehr anstrengen und beim Militär auf Linie gebracht werden? ... Unglaublich, dieser Mann." Der Nutzer "Freigeist14" ergänzt: "Neoliberal den Staat verteufeln, für noch niedrigere Steuern werben und sich dann über eine marode Infrastruktur beklagen, die der Staat vernachlässigt, klingt recht abenteuerlich. Die Ideologie der Ultrarechten ... kaschiert nur ex-treme Klassenunterschiede zwischen Oben und Unten." Ein Nutzer namens "Johns" schrieb: "Ich kann kaum glauben, was er da von sich gibt. Und die 'Freie Presse' veröffentlicht so etwas auch noch kommentarlos. Ich bin schockiert." Einem ähnlichen Vorwurf auf Twitter hielt "Freie Presse"-Chefredakteur Torsten Kleditzsch entgegen: "Wir haben das Thema gesetzt. Jetzt ist es an Politik und Verbänden, sich damit auseinanderzusetzen."

Das Interview zum Nachlesen finden Sie unter www.freiepresse.de/naumann

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