Ein Paradies für Langläufer

Im Ammertal gab es vorige Woche einen Vorgeschmack auf Olympia. Mit dem Unterschied, dass es bei dem Lauf nicht um Sieg und Platz ging.

Der Start ist das Verrückteste. Jeder schiebt und drückt und will vorne sein, wenn es in die schmaler werdende Loipe geht. 1000 Paar Skier, 1000 Paar Stöcke. Und ich mittendrin. Jetzt nur niemandem in die Quere kommen! Geknickter Stock, zerbrochener Ski - das ist das Schlimmste zum Auftakt beim König-Ludwig-Lauf. Am vergangenen Wochenende gab es die 45. Auflage. Eine Tradition also im Ammertal zwischen Oberammergau, Ettal und Graswang.

Die Steigungen ziehen das Feld auseinander, und bald habe ich Anschluss gefunden: eine Gruppe von Freizeitsportlern, die es gemächlicher angehen lässt als das Spitzenfeld. Wir wollen auch etwas von der Landschaft mitkriegen. Ein kurzer Blick nach links: die Mauern von Kloster Ettal. Seit 1330 leben hier Benediktinermönche und haben Ettal zu einem mittelständischen Unternehmen gemacht - mit Käserei, Brauerei, Destillerie und Hotel. Kloster und Dorf, das ist im Wesentlichen eine Einheit. Die Läden im Ort verkaufen Heulikör, Kruzifixe und süffiges Klosterbier. Es soll auch im Ziel ausgeschenkt werden.

Bis dahin sind diesmal 21 oder 42 Kilometer zu bewältigen. Die Strecke zieht sich ein Tal entlang durch den Wald. Josef Ponkratz und seine Mitstreiter haben ganze Arbeit mit ihren Pistenbullys und Lastwagen voller Schneeladungen geleistet. Der Mittvierziger, der ansonsten der Gerätewart der Oberammergauer Feuerwehr ist, kümmert sich im Winter ums Spuren. Allein zwischen Oberammergau, Graswang und Linderhof sind es um die 40 Kilometer für klassische Läufer und Skater. Das Meisterstück müssen die Männer vorm König-Ludwig-Lauf ab nachts zwei Uhr liefern.

Ende Januar zeigten sich die Wiesen grün von Starnberg bis Garmisch. Doch schon wenige Höhenmeter weiter oben inmitten der Ammerwelt-Alpen änderte sich das Bild auf einen Schlag. 40 bis 50 Zentimeter sind hier von den starken Schneefällen vor drei Wochen liegen geblieben. Mittlerweile hat es wieder geschneit, die Nächte sind frostig. Josef Ponkratz sagt, ohne warmen Regen werde das obere Ammertal für den Langlauf bis Mitte März präpariert sein und eine Oase für alle Liebhaber des gesunden Sports bleiben.

Aufpassen. Die ersten Abfahrten fordern Konzentration, bevor die Läuferschlange im Wiegeschritt auf die Talloipe Richtung Graswang skatet. Drei Kilometer weiter das Tal hinauf liegt Schloss Linderhof, das Lieblingsschloss von König Ludwig (1845 - 1886). Umgeben von einem großen Park mit Wasserspielen schrieb der Monarch nächtelang Briefe an Freunde und Künstler. Richard Wagner war sein Idol. Auch im Winter gibt es Führungen durchs Schloss, in dem der König feinstes Porzellan aus Meißen zusammengetragen hat.

Von Graswang führt die Volkslaufrunde wieder stetig abwärts. Wer seine bergauf erkämpfte Position verteidigen will, muss jetzt schieben, was die Oberarme hergeben. Wer es ruhiger angehen möchte, der lässt sich einfach gleiten. So, wie es viele vor und nach dem Volkslauf tun. Urige kleine Gasthöfe an der Strecke laden die Wintersportler zu deftiger Bayernkost, Fisch aus den umliegenden Teichen oder auch zur Brotzeit ein. Im Tal angekommen, müssen wir eine Straße queren. Alle Polizisten und Feuerwehrleute aus Oberammergau und Ettal scheinen an diesem Wochenende auf den Beinen zu sein. Sie schaufeln unentwegt Schnee auf die Fahrbahn, damit keiner die Bretter abschnallen muss. Noch drei Kilometer bis zum Stadion von Oberammergau und ins Ziel. Alle Kräfte bündeln, noch ein kleiner Sprint für die mitgereisten Freunde, die mit dem Fotoapparat am Ziel warten - geschafft.

Im Sportlerheim liegen die Säcke mit den Wechselklamotten parat. Duschen, Pasta, Rinderbrühe und, na klar, auch das Benediktinerbräu gibt es. Halb Oberammergau hilft ehrenamtlich mit, damit alles klappt. Mora, die schwedische Partnerstadt von Oberammergau, hat den Wasalauf. Denen wollen es die Bayern gleichtun. Mit Erfolg. Nicht nur Deutsche und Österreicher, sondern auch Läufer aus Skandinavien, dem Baltikum, Russland, Tschechien und sogar aus Australien haben sich in die Starterlisten eingetragen. Über 2000 in diesem Jahr, in manchen Jahren waren es schon 4000. Die 21-Kilometer-Runde ist zugleich die Weltmeisterschaft der Apotheker und Ärzte.

Viele Freizeitsportler bleiben ein paar Tage länger hier. Es lohnt sich: Die Vermieter locken mit der Königscard - beispielsweise für einen Drei-Stunden-Skipass am Hausberg Kolben, für Skiservice, Schnupperkurse im Langlauf, Schneeschuhwandern und den Schwimmbadbesuch - alles kostenlos.

Sparen mit Karte

Anreise: Mit dem Auto rund 500 km, vor Garmisch abbiegen.

Vorteil: Ab zwei Übernachtungen erhalten Gäste die Ammergauer Königscard. Sie bietet zahlreiche Vorteile wie Drei-Stunden-Skipass, Skiservice, Busfahrten.

Langlauf: Die Ammergauer Alpen bieten insgesamt 160 Kilometer Loipen, die Benutzung ist kostenfrei. Alle Strecken sind mit Buslinien verbunden (mit der Königscard kostenlos).

König-Ludwig-Lauf: Er gehört zum Worldloppet und startet immer am ersten Februarwochenende. Bis zu 4000 Starter nehmen daran teil. Er steht allen Langläufern in der klassischen wie der freien Skatingtechnik offen.

Teilnahmegebühr: 20 bis 130 Euro je nach Strecke.

Die Recherche wurde unterstützt vom Tourismusverband Ammergauer Alpen.

www.ammergauer-alpen.de

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