Die unterschätzte Gefahr

Diabetes kann man vorbeugen, aber nicht heilen - Die wichtigsten Fragen und Antworten vom Telefonforum

Über sechs Millionen Betroffene und eine unbekannte Zahl von Menschen, die von ihrer Erkrankung noch gar nichts wissen: Diabetes ist hierzulande eine der häufigsten Volkskrankheiten. Wird sie nicht richtig behandelt, kann das weitere Krankheiten nach sich ziehen. Viele Leser holten sich beim Telefonforum Rat bei Professor Markolf Hanefeld, Direktor des Zentrums für Klinische Studien in Dresden, und Dr. Petra Ott, Fachärztin für Innere Medizin/Diabetologie/Endokrinologie an den Helios Weißeritztal-Kliniken Freital-Dippoldiswalde. Die Antworten notierte Steffen Klameth.

Mein Vater leidet seit Jahren unter Diabetes. Muss ich damit rechnen, ebenfalls daran zu erkranken?

Die Veranlagung zum Diabetes kann tatsächlich vererbt werden. Zahlreiche Studien haben aber gezeigt, dass man den Ausbruch der Krankheit trotzdem verhindern kann. Am besten gelingt das durch richtige Ernährung - wir empfehlen viele Ballaststoffe in Form von Vollkornprodukten und Gemüse - sowie regelmäßig viel Bewegung - mindestens 30 Minuten am Tag oder 2,5 Stunden in der Woche.

Wie zuverlässig ist die Blutzuckermessung?

Die Blutzuckerkontrolle ist immer eine Momentaufnahme. Je nachdem, ob und was ich esse, oder ob ich mich viel oder wenig bewege, schwankt auch der Blutzuckerspiegel. Deshalb sollte der Hausarzt regelmäßig auch den Langzeitblutzuckerwert mithilfe des HbA1C-Tests über ein Vierteljahr kontrollieren.

Mein Augenarzt behauptet, ich hätte Diabetes. Ein Nüchternblutzuckertest bei meiner Hausärztin ergab aber ein negatives Ergebnis. Wer hat recht?

Die Nüchternblutzuckermessung ist in der Tat nicht immer zuverlässig. Wenn die Sache unklar ist, sollte ein oraler Glucose-Toleranztest - auch Zuckerbelastungstest genannt - durchgeführt werden.

Mein Hausarzt hat mir beim Blutzucker-Langzeitwert ein Jahresziel von 42 mmol/mol Hb vorgegeben, mein Wert schwankt bis 46. Sie schreiben von maximal sieben Prozent. Wie kann man beide Werte umrechnen?

Die Prozentangabe war früher üblich, seit 2010 ist Millimol pro Mol (mmol/mol) als neue Einheit festgelegt. Im Internet - zum Beispiel unter www.diabetes-ratgeber.net - finden Sie Umrechner. Demnach entsprechen 46 mmol/mol einem Wert von 6,36 Prozent.

Ich bin stark übergewichtig und leide an Diabetes. Besteht da ein Zusammenhang? Wo bekomme ich professionelle Hilfe zur Gewichtsabnahme?

Ausgeprägtes Übergewicht ist ein Problem vieler Diabetiker. Spezialisierte Adipositas-Zentren bieten eine komplexe Betreuung an, die von Ernährungsberatung und Bewegungsprogrammen bis hin zur ärztlichen und psychologischen Betreuung reicht. In medizinisch begründeten Fällen kann auch eine Magenverkleinerungs-Operation erfolgen, an die sich eine lebenslange Nachsorge anschließt.

Ich bin 82 Jahre alt, mein Langzeitblutzuckerwert liegt inzwischen stabil zwischen acht und neun Prozent. Brauche ich andere Medikamente?

Früher wurde das kritisch gesehen, inzwischen gelten aber andere Leitlinien für Menschen im höheren Alter. Demnach könnte eine Unterzuckerung gefährlicher sein als ein überhöhter Blutzuckerwert. In Ihrem Alter läge der Zielwert bei etwa 7,5 Prozent.

Kann ich mein Diabetesrisiko bestimmen, ohne gleich einen Blutzuckertest machen zu müssen?

Familiäre Vorbelastungen, ein überdurchschnittlicher Bauchumfang, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen können Hinweise auf einen Diabetes Typ 2 sein. Ein HbA1C-Test ist aber die sicherste Variante.

Seit einiger Zeit liegt mein Nüchternzuckerwert immer zwischen 7,1 bis 7,8, der Langzeitwert dagegen zwischen 5,1 und 5,8. Muss das behandelt werden?

Der Wert deutet auf eine Insulinresistenz hin - das körpereigene Insulin wirkt nicht mehr richtig, vor allem bei übergewichtigen Patienten ist dies der Fall. Medikamente sind dann nicht zwangsläufig notwendig. Viel Bewegung und eine gesunde Ernährung können hier schon viel bewirken.

Bei mir wurde eine Schilddrüsenüberfunktion mit Vorhofflimmern festgestellt, außerdem verschlechterte sich mein Blutzucker. Gibt es einen Zusammenhang?

Ja. Im Hinblick auf das Vorhofflimmern hat die Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion absolute Priorität. Wenn die Schilddrüse wieder intakt ist, wird sich auch ihr Blutzucker stabilisieren.

Mein Mann leidet unter Diabetes Typ 1. Vor Kurzem hatte er eine starke Unterzuckerung, und wir mussten den Notarzt rufen. Nun fragen wir uns, ob man an einer starken Unterzuckerung sterben kann?

Wenn die Betroffenen fremde Hilfe brauchen und die Unterzuckerung lange unbehandelt bleibt, kann das in seltenen Fällen zu Herzkreislaufstörungen führen, sehr selten auch zu Herztod an Kammerflimmern. Deshalb muss der Diabetes Ihres Mannes neu eingestellt werden, mit einer entsprechenden Dosierung nach Blutzuckerwerten.

Welche Voraussetzungen muss man erfüllen, um einen sogenannten Diabetikerhund zu bekommen? Übernehmen die Kassen die Kosten?

Studien haben gezeigt, dass Hunde ein Gespür für eine Unterzuckerung von Menschen haben. Das mag bei alleinstehenden Patienten Sinn ergeben, eine Kassenleistung ist das aber nicht.

Mein Mann spritzt seit einigen Wochen nicht mehr regelmäßig sein Insulin. Das bereitet mir Sorgen.

Möglicherweise kann eine Depression dahinterstecken - Diabetiker sind häufiger als andere davon betroffen. Gehen Sie am besten gemeinsam zu Ihrem Hausarzt.

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