Björn Kircheisen meldet sich zurück

Dem Kombinierer gelingt beim Sommer Grand Prix in Oberwiesenthal zweimal der Sprung aufs Podest. Warum ist mit dem Erzgebirger wieder zu rechnen?

Oberwiesenthal.

Die Nase gestrichen voll hatte Björn Kircheisen am Saisonende vergangenen Winter. Die Weltspitze war weit enteilt. Im Gesamtweltcup sprang letztlich Rang 27 heraus. Und den letzten Wettbewerb in Schonach brach der Kombinierer vorzeitig ab. Nur mitmachen, das ist nicht der Anspruch des 33-Jährigen vom WSV Johanngeorgenstadt, der bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen bisher 14 Medaillen gesammelt hat und seit 15 Jahren auf die goldene Krönung der Karriere hofft.

"Die letzten zwei Jahre waren wirklich enttäuschend für mich. Ich musste irgendetwas ändern, wenn ich nochmal ein Wörtchen vorn mitreden will. Und das habe ich vor", erklärte Björn Kircheisen nach dem Auftakt des Sommer Grand Prix am Fichtelberg.

Mit Rang drei hinter dem Norweger Jarl Magnus Riiber und Mario Seidl (Österreich) bestätigte Kircheisen seine Leistung vom Vortag, als er mit Lokalheld Eric Frenzel den Erzgebirgsexpress im Teamsprint auf Platz eins ins Ziel brachte. Am Sonntag wurde der Olympiasieger im Einzel auf seiner Hausschanze vom Winde verweht und kämpfte sich auf dem Stadtkurs von Oberwiesenthal mit der viertbesten Laufzeit von Position 25 auf 14 nach vorn. "Der Sprung war genauso gut wie am Vortag, das haben mir die Trainer bestätigt. Aber bei dem Rückenwind habe ich mich wie in einem luftleeren Raum gefühlt", beschrieb Frenzel seinen Flug auf nur 90,5 Meter.

Björn Kircheisen, sein langjähriger Zimmerkollege auf vielen Trainingslehrgängen, setzte sich mit 96,5 Metern an die 13. Zwischenposition. Schon im Training zeigte der Sachse Fortschritte auf der Schanze. Und für die gibt es Gründe. So hat der Routinier im Frühjahr und Sommer nicht mehr jeden Lehrgang mit dem Nationalteam bestritten, sondern im Heimtraining zusammen mit Coach Konrad Winkler an der Technik im Springen gearbeitet. Winkler, der seine Wurzeln im Erzgebirge hat, 1978 Weltmeister und zwei Jahre später Olympiadritter war, lebt seit langem in Bayern und trainiert derzeit Athleten, die bei der Bundespolizei angestellt sind - so auch Kircheisen. Der Sachse hat schon 50 Trainingssprünge mehr zu Buche stehen als im Vorjahr zur gleichen Zeit. "Das Positive ist, dass Björn jetzt auch im Wettkampfstress seine guten Sprünge zeigt, er locker bleiben kann. Insgesamt hat er mehr Selbstverantwortung übernommen", lobte Bundestrainer Hermann Weinbuch.

Mit Eigenverantwortung meint Weinbuch auch die Trainingsgestaltung. So drehte Kircheisen, der in Aschau im Chiemgau lebt, mit Radprofi Marcus Burghardt die eine oder andere Runde gemeinsam auf dem Rennrad. Burghardt wohnt 15 Autominuten entfernt in Samerberg, stammt aus Zschopau und hat schon achtmal die Tour de France bestritten. Bei den gemeinsamen Strampeleinheiten und in Gesprächen bekam der Skisportler wieder mehr das Gefühl, wie hart man für den Erfolg arbeiten muss. "Marcus ist ein cooler Typ. Wenn er richtig in die Pedale tritt, habe ich natürlich keine Chance. Aber das Training ist ein neuer Reiz für mich gewesen. Es hat mir viel Spaß gemacht", schildert der Kombinierer.

Hinzu kommt, dass Kircheisen, seit vielen Jahren mit der Skifirma Fischer liiert, nach der verkorksten Vorsaison komplett das Material wechselte. Im Langlauf entschied er sich für die Skimarke Salomon. Im Springen greift Kircheisen nunmehr auf ein Thüringer Produkt (Verivox) zurück. Das könnte zumindest psychologisch einen Effekt erzielt haben, glaubt der Zweikämpfer. "Im Flug fühlt sich der Ski etwas lebendiger an. Aber sicher ist das alles nur eine Kopfsache."

Apropos. Neben dem sportlichen Aufschwung läuft es auch privat derzeit gut bei Björn Kircheisen, der vor einem Jahr an gleicher Stelle die Trennung von Snowboard-Weltmeisterin Isabella Laböck verkündet hatte. Am Wochenende drückte ihm Freundin Saskia vor den heimischen Fans die Daumen. "Ja, momentan geht es mir prima. So kann es weitergehen", sieht sich "Kirche" erst am Anfang eines Weges. Und der wird schwer genug. Nur zwei von acht deutschen Startplätzen sind für den Weltcupauftakt Ende November in Kuusamo noch zu vergeben. Mit Eric Frenzel, Johannes Rydzek, Fabian Reißle und Manuel Faißt sind vier Athleten gesetzt. Die Medaillengewinner der Junioren-WM, Vinzenz Geiger und Terence Weber (Geyer), besitzen ein namentlich gebundenes Weltcupstartrecht. Über die verbleibenden zwei Plätze ist ein harter Kampf entbrannt. "Die Jungen drücken von unten brutal nach. Du musst jedes Training noch konsequenter sein", schildert Björn Kircheisen den Konkurrenzkampf. Den hat er mit seinen 33 Jahren und bei brütender Hitze am Wochenende in Oberwiesenthal bestanden. Zum abkühlenden Bad im städtischen Springbrunnen auf dem Markt reichte nach seinem fulminanten Schlussspurt aber die Zeit nicht mehr. Da ein Foto mit Fans, dort ein Schulterklopfen und immer wieder gute Wünsche. Keine Frage, Björn Kircheisen ist wieder ein gefragter Mann in der Kombination.

Eric Frenzel steigt aus

Wegen einer Knochenhautreizung am Schienbein wird Olympiasieger Eric Frenzel die Grand-Prix-Wettkämpfe in Villach (Mittwoch) und Oberstdorf (Freitag/Samstag) auslassen. "Eric hat schon einige Zeit die Probleme. Wir wollen kein Risiko eingehen", so Bundestrainer Weinbuch.

Bei den Continentalcups der Damen gelang der Französin Lucile Morat ein souveräner Doppelerfolg. Die 15-Jährige aus Courchevel landete Samstag mit 104 m den weitesten Sprung.

Die beste sächsische Skispringerin Ulrike Gräßler war Zaungast am Fichtelberg. Nach schwerem Sturz im Vorwinter musste sich die 29-Jährige Anfang August noch einmal am linken Sprunggelenk operieren lassen. Wann sie wieder ins Training einsteigen kann, ist ungewiss. (tp/rickh)

Ziel: Im Weltcup aufs Podest

Katharina Althaus hat beim Continentalcup zweimal Rang zwei belegt. Patrick Herrl sprach mit der 20-jährigen Skispringerin vom SC Oberstdorf.

Freie Presse: Glückwunsch, Sie waren zweimal beste Deutsche am Fichtelberg. Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?

Katharina Althaus: Im Großen und Ganzen bin ich mit meiner Leistung zufrieden. Aber ich habe noch etwas Reserven.

Wo genau?

Vor allem bei der Technik. Beim zweiten Wettbewerb war ich bei meinem ersten Sprung etwas zu spät am Schanzentisch. Beim zweiten Sprung ist die Anfahrt nicht optimal gelaufen.

Trotzdem sind Sie zweimal Zweite geworden. Liegt Ihnen die Fichtelbergschanze in Oberwiesenthal?

Eigentlich nicht wirklich. Sie zählt nicht gerade zu meinen Lieblingsschanzen. Ich mag lieber die neueren Profile.

Welche Bedeutung hat die Sommerserie für Sie und das deutsche Team?

In erster Linie geht es darum, sich mit den anderen Nationen zu messen. So können wir erkennen, wie wir im internationalen Vergleich dastehen. Außerdem ist es wichtig, im Sommer in den Rhythmus zu kommen. Eine echte Standortbestimmung für den Winter ist die Sommerserie aber nicht.

Wann geht für Sie die Saison so richtig los?

Mit dem ersten Weltcup-Springen Anfang Dezember in Lillehammer.

Und was ist Ihnen im Winter zuzutrauen?

Ich möchte auf jeden Fall im Weltcup vorne mitmischen und vielleicht bei dem einen oder anderen Springen auf dem Treppchen landen. Aber dafür muss ich zunächst noch mehr Konstanz in meine Sprünge bringen. Schließlich will ich unbedingt an der Weltmeisterschaft im Februar 2017 in Lahti teilnehmen.

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