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Bernd Richter (rechts) als Co-Trainer des VfB Auerbach an der Seite von Michael Hiemisch. Beim Regionalligisten war er schon unter Steffen Dünger und Andreas Richter als Assistent tätig.

Foto: Marcus SchaedlichBild 1 / 2

Echter Strassenfußballer bleibt sich treu

Mit Bernd Richter feiert der einstige Oberliga- Kicker aus Reichenbach und jetzige Co-Trainer des VfB Auerbach morgen seinen 60. Geburtstag. Großen Rummel wird es deshalb aber nicht geben.

Von Monty Gräßler
erschienen am 15.11.2017

Auerbach. Der erste Einsatz von Bernd Richter im Oberliga-Team des FC Karl-Marx-Stadt ging nach hinten los. Der Mittelfeldspieler war gerade mal 16 Jahre, als ihn Trainer Gerhard Hofmann im FDGB-Pokalspiel bei Vorwärts Löbau einsetzte. Und genau das war das Problem. Denn die Partie der 2. Hauptrunde in der Saison 1974/75 wurde von keinem Geringeren als FIFA-Schiedsrichter Rudi Glöckner geleitet. Der erkundigte sich in der Pause nach dem Alter des auffälligen drahtigen jungen Kerls. Und es stellte sich schnell heraus: Richter hätte frühestens mit 17 und dann auch nur mit einer Sondergenehmigung mitwirken dürfen. Das Ende vom Lied: Der FCK gewann zwar 1:0, wurde aber disqualifiziert. Da Löbau aufs Achtelfinale verzichtete, bekam Vorwärts Stralsund ein Freilos zugesprochen. Ein Novum in der DDR-Pokalgeschichte.

Bernd Richter kann heute natürlich über diese Episode schmunzeln, allerdings durchaus mit einer Prise Wehmut. "Ich bin dann wieder in die Juniorenmannschaft zurückgestuft worden und habe mich später oft gefragt, wie meine Laufbahn verlaufen wäre, wenn ich mich damals gleich auf Anhieb bei den Männern hätte durchsetzen können", sagt der Kicker, der morgen 60 wird. Denn der ganz große Durchbruch blieb Bernd Richter später verwehrt. In Karl-Marx-Stadt stand er zu Beginn seiner Männerzeit oft im Schatten von Nationalspieler Joachim Müller. Und nach seinem Wechsel zur BSG Sachsenring Zwickau bremsten ihn chronische Leistenprobleme aus.

So stehen heute elf Einsätze und zwei Tore in der DDR-Oberliga für Bernd Richter in der Vita. Dass sich der nur 1,65 Meter große Fußballer besonders an den ersten Treffer beim 3:1-Sieg der Zwickauer gegen Union Berlin im April 1983 erinnern kann, hat einen besonderen Grund. "Es war ein Kopfballtor nach einer Flanke von Peter Keller", erzählt der Reichenbacher, der mit sechs Jahren bei Blau-Weiß mit dem Fußballspielen begonnen hatte. "Ich war ein typischer Straßenfußballer. Nach der Schule flog der Ranzen in die Ecke und dann wurde gebolzt."

Dass er mit 60 für seinen Sport noch genauso brennt wie damals, steht außer Frage. Bernd Richter erzählt von seinen ersten Spielen in der Kreis- und Bezirksauswahl so, als wäre es gestern gewesen. Und er kommt beim Thema moderner Fußball ruckzuck ins Fachsimpeln und Philosophieren. Dabei hält er mit seiner Meinung nicht hinterm Berg. "Man liest ja heutzutage viel von Spielsystemen und kann sich ausrechnen lassen, wie viele Meter jeder Spieler gelaufen ist. Vor solchen neuen Dingen darf man sich sicher nicht verschließen. Aber andererseits findet der Fußball an sich zwischen den Zeilen statt. Entscheidend ist nach wie vor die Spielintelligenz und Flexibilität der Spieler", sagt Bernd Richter.

In seiner aktiven Zeit war er es oft, der als Mittelfeldstratege für die Ideen und Akzente im Offensivspiel zuständig war. Wie kaum ein anderer prägte er bei seinem Heimatverein Reichenbacher FC die Jahre nach der Wende. Er schnürte bis 43 die Töppen, bestritt 377 Pflichtspiele und bekam sogar ein Abschiedsspiel gegen Zwickau, zu dem 500 Fans kamen. "Es war eine schöne Zeit, aus der sicher die beiden Bezirkspokalsiege herausragen", sagt Bernd Richter, der danach auch viele Jahre den RFC trainierte. Nur der Abschied vom Wasserturm hat ihn gewurmt: "Es ist legitim, dass man sich nach acht Jahren nach einem anderen Trainer umschaut. Gestört hat mich nur die Art und Weise. Das hätte man anders lösen können."

Wirklich lange hielt er es ohne Fußball aber ohnehin nicht aus, zumal ihn das Engagement beim VfB Auerbach als Co-Trainer von Beginn an reizte. Inzwischen bestreitet er mit dem Team seine achte Saison. "Der Verein liegt mir, weil es menschelt und weil ich weiß, was hinter dem Erfolg steht", sagt Bernd Richter, der als Bereichsleiter bei der Vogtländischen Armaturenfabrik in Reichenbach arbeitet. Das heißt, dass sein Tag kurz nach 6 beginnt und nach dem Training oft nicht vor 20 Uhr endet. Das nimmt er gerne auf sich: "Es macht Spaß, und die Jungs müssen es ja genauso leisten." Unter diesen Voraussetzungen wird es für Bernd Richter immer eine Riesenherausforderung bleiben, sich in der von Profi-Teams dominierten Regionalliga zu behaupten.

"Die Qualität in der Mannschaft ist da, um unten rauszukommen. Aber man muss auch ganz ehrlich sein und den Abstiegskampf annehmen. Das bedeutet, hohe Laufbereitschaft und gesunde Aggressivität an den Tag zu legen, um über das Fußballarbeiten zum Fußballspielen zu kommen", sagt er. Die Mannschaft könnte ihm am Sonntag mit einem Sieg im Heimspiel gegen Luckenwalde sicher ein tolles Geschenk zum 60. Geburtstag machen.

Ansonsten möchte Bernd Richter gar keinen großen Aufzug zu seinem Ehrentag. "Das ist nicht mein Ding", sagt er. Deshalb fährt er mit seiner Lebensgefährtin drei Tage weg, um ganz in Ruhe und gemütlich zu feiern. Zum Spiel gegen Luckenwalde steht er aber wieder mit an der Seitenlinie. "Wenn ich etwas mache, mache ich es richtig."

 
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