Zum Ehrentag: Langläuferin freut sich auf besonderes Wiedersehen

Christel Meinel-Stumpf wird morgen 60 und hat sich daran gewöhnt, ihren Geburtstag später nachzufeiern. Die Klingenthalerin hofft, dass diesmal die silberne WM-Staffel von 1978 zusammenkommt.

Klingenthal.

Die Vorbereitungen für die große Geburtstagsfeier im Kreise der Sportler war für Christel Meinel-Stumpf in den vergangenen Tagen eine emotionale Angelegenheit. Um mit ihren Gästen im Januar in Erinnerungen schwelgen zu können, hat die Klingenthalerin alte Fotos hervorgekramt. "Ich habe sogar meine Olympia-Akkreditierung von 1976 wiedergefunden", erzählt die einstige Weltklasse-Langläuferin. Sie ist sich sicher: Die Mannschaftsfotos von damals in den purpurroten Olympia-Anzügen werden für so manchen Lacher sorgen.

Mit ganz besonderen Emotionen sind für die Jubilarin von morgen freilich die Schnappschüsse von der Weltmeisterschaft 1978 in Lahti verbunden. Denn dort feierte die Klingenthalerin als Schlussläuferin der DDR-Staffel mit Platz 2 ihren größten internationalen Erfolg. Nicht zuletzt deshalb freut sie sich besonders, anlässlich ihres 60. Geburtstages ihre einstigen Staffelkameradinnen Marlies Fraas (damals Rostock) aus Klingenthal sowie Barbara Beyer (Petzold) und Birgit Schwarzmann (Schreiber) aus Oberwiesenthal wiederzusehen. "Es wäre das erste Mal, denn zu meinem 50. Geburtstag waren wir nur zu dritt", sagt Christel Meinel-Stumpf.

Die jüngere Schwester des Staffel-Weltmeisters von 1974, Dieter Meinel, eiferte schon mit drei Jahren dem großen Bruder auf Skiern nach. Mit der achten Klasse wechselte Christel Meinel trotz der Note 3 in Betragen an die Kinder- und Jugendsportschule. Dort trainierte sie bei Joachim Lischke, der demnächst zur Geburtstagsfeier wohl auch einige Anekdoten beisteuern kann. 1974 ließ Christel Meinel erstmals bei der Junioren-EM in Frankreich als Zweite mit der Staffel und Sechste im Einzel aufhorchen.

Im Olympiawinter 1976 löste sie als fünfte DDR-Läuferin das Ticket für Innsbruck. Die Wettkämpfe in Österreich erlebte die Vogtländerin als Ersatzstarterin ohne Einsatz. "Es war für mich auf der einen Seite ein gigantisches Erlebnis, aber ich kam mir natürlich auch ab und zu wie das fünfte Rad am Wagen vor", erzählt sie. Wieder daheim, schwor sich die Langläuferin: Beim nächsten großen Wettkampf laufe ich selbst mit. "Das Erlebnis Olympia hat mir den entscheidenden Kick gegeben, noch bewusster und intensiver zu trainieren", erinnert sich Christel Meinel-Stumpf.

Mit zwei DDR-Meistertiteln in Schmiedefeld ließ sie 1978 auf dem Weg zur WM keine Fragen aufkommen. Auch in Lahti selbst war sie als Neunte über 10 Kilometer und Fünfte über 5 Kilometer jeweils beste Deutsche. Vom erfolgreichen Staffelrennen ist ihr die Atmosphäre an der Strecke in Erinnerung geblieben. "Es standen überall Zuschauer, die so einen Lärm gemacht haben, dass ich die Anweisungen der Trainer nicht verstanden habe." Am Ende lief sie hinter der Finnin als Zweite ins Ziel. Der Rest war Jubel.

Dass es mit 21 Jahren ihr erster und auch letzter großer Erfolg sein würde, konnte in Lahti noch keiner ahnen. Aber über ihr abruptes und offenbar auch nicht ganz freiwilliges Karriere-Ende nach der Olympiaprobe 1979 in Lake Placid will die Klingenthalerin nicht reden. "Es ist so lange her und bringt niemandem etwas, das jetzt nochmal aufzuwärmen", sagt Christel Meinel-Stumpf.

Sie arbeitete nach ihrer Laufbahn als Physiotherapeutin und führte nach der Wende ein Eiscafé in Klingenthal. Das musste sie jedoch nach verschiedenen Operationen aufgeben. Heute bezieht sie Erwerbsunfähigkeitsrente und geht einem Mini-Job nach. Obwohl ihre Knie- und Wirbelsäulenprobleme auch mit auf den Leistungssport zurückzuführen sind, hadert sie nicht. "Wenn mir zu meiner aktiven Zeit jemand gesagt hätte, dass ich mit 43 ein künstliches Knie brauche, hätte ich trotzdem weiter meinen Sport gemacht. Es war eine schöne, wenn auch manchmal harte Zeit", sagt sie.

Christel Meinel-Stumpf, die zwei Töchter aus ihrer ersten Ehe mit Skispringer Matthias Buse hat, ist wieder verheiratet und hat mit ihrem Partner ein Häuschen in Klingenthal gebaut. Dem VSC ist sie nach wie vor verbunden. Zum einen gehört sie bei den Weltcups in der Vogtland Arena zu den "Semmel- Engeln", die jedes Mal hunderte Semmeln für die Helfer schmieren. Zum anderen engagiert sie sich seit vielen Jahren als Organisatorin des großen Traditionstreffens der Klingenthaler Wintersportler.

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