Leipzig und die kleine Krise

RB hinkt den eigenen Ansprüchen hinterher, es gibt einige Baustellen. Die Heimpartie gegen Dortmund könnte das Endspiel um die Champions League werden.

Leipzig.

Es ist eisig kalt am Trainingsgelände von RB Leipzig, welches direkt am malerischen Elsterbecken, mit Blick auf die Betonschüssel des ehemaligen Zentralstadions, gelegen ist. Eisig fühlt sich auch die Atmosphäre in und um die Arena an. "Wir wollen euch kämpfen sehen" hallte es am Sonntag nach der 1:2-Pleite gegen 1. FC Köln durch das nur noch dreiviertel volle Rund. Die Anfangseuphorie nach Bundesligaaufstieg und Vizemeisterschaft ist verflogen. Dazu ist das Publikum mittlerweile zu erfolgsverwöhnt. Doch auch das Anspruchsdenken in der Führung des jungen Vereins ist hoch.

Würden in der Bundesligatabelle nur die vergangenen elf Spieltage berücksichtigt, wäre Leipzig 14. und würde mitten im Abstiegskampf stecken. Gerade einmal drei Siege und zwölf Punkte konnten die "roten Bullen" in dieser Zeit einfahren. Das ist zu wenig. Fast schon trotzig sagt Kapitän Willi Orban: "Wir sind in einer guten Ausgangsposition, um unser Ziel, die Champions-League-Qualifikation, zu erreichen".

Doch die zuletzt eher schwachen Ergebnisse haben Gründe, die aufgearbeitet werden müssen. Da wäre zum einen die Chancenverwertung. Gegen den Tabellenletzten aus Köln spielten die Messestädter in der ersten Halbzeit tollen Fußball. Allein, dabei kam nur ein Tor heraus. "Was uns gefehlt hat, ist die Qualität, frühzeitig den Deckel draufzumachen", sagte Trainer Ralph Hasenhüttl.

Es kam wie es kommen musste. Die Kölner witterten in Durchgang zwei Morgenluft und drehten die Partie. Es ist wahrlich nicht das erste Mal, dass die Leipziger eine Partie so aus der Hand geben. Sieben Mal schon konnte Leipzig nach einer Führung nicht gewinnen, verspielte 17 Zähler. Es fehlt die Gier und die Abgezocktheit, um entweder die Führung deutlicher zu gestalten oder zumindest kein Gegentor mehr zu bekommen.

Teils ist das auch an der Körpersprache abzulesen. Nach der Kölner Führung schlurften die RB-Spieler zum Anstoßkreis. Das sah mehr nach Aufgabe als nach Kampfansage aus. In der vergangenen Saison hatte es die Messestädter ausgezeichnet, dass sie sich im Kollektiv mit aller Macht gegen Niederlagen stemmten. Davon ist aktuell wenig zu spüren.

Ein Punkt ist sicher auch, dass sich immer mehr Mannschaften auf den Pressing-Fußball eingestellt haben und sich RB mit dem Entwickeln einer eigenen, dominanten Spiel-Idee schwer tut. Mit Emil Forsberg und Naby Keita waren zwei sehr wichtige Leistungsträger zuletzt angeschlagen und hinkten daher auch ihrer Form hinterher. Jean-Kèvin Augustin zeigt immer wieder, was für ein talentierter Kicker er ist. Gegen Köln nutzte er aber nur eine von vier hundertprozentigen Torchancen. Das ist zu wenig.

Will Leipzig nicht komplett hinterherlaufen, wird das Heimspiel am Samstag gegen Borussia Dortmund entscheidend. Für RB spricht, dass die Mannschaft gegen Spitzenteams zuletzt besser zurecht kam. Und auch der BVB läuft dem eigenen Anspruch etwas hinterher. Will Leipzig einen angenehmen Frühling erleben, muss ein Heimsieg her. Andernfalls fällt die gefühlte Temperatur wohl auf ein Allzeit-Tief.

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