Rehm holt Gold und springt weiter als Reif

Mit einem sensationellen Sprung hat Markus Rehm dem Deutschen Behindertensportverband (DBS) die siebte Goldmedaille bei der Leichtathletik-WM in Lyon beschert und dabei die von ihm angestrebte 8-Meter-Marke nur minimal verpasst. Der unterschenkelamputierte Leverkusener, Schützling der früheren Speerwurf-Weltmeisterin Steffi Nerius, gewann die Weitsprung-Konkurenz mit 7,95 m und verbesserte damit seinen erst vor einer Woche aufgestellten Weltrekord um sagenhafte 41 Zentimeter. Bei der deutschen Meisterschaft der Nichtbehinderten in Ulm hätte er damit Rang drei belegt - fünf Zentimeter vor Ex-Europameister Christian Reif. Auf den zweitplatzierten Niederländer Roland Hertog hatte Rehm 1,17 m Vorsprung.

"Ich kann es überhaupt nicht glauben. Ich hätte nie gedacht, dass ein solcher Sprung überhaupt möglich sei", sagte Rehm nahezu fassungslos: "Ich habe immer gesagt, irgendwann in der Zukunft sind vielleicht einmal 8 Meter möglich, aber ich habe nicht gedacht, dass man jetzt schon so nahe rankommen könnte. Ich wusste, dass ich 7,50 m springen kann, aber das heute war einfach der perfekte Sprung."

Auch Steffi Nerius, die in Lyon bereits das dritte Gold eines ihrer Athleten bejubeln durfte, war begeistert. "Das ist der Wahnsinn", sagte die frühere Speerwurf-Weltmeisterin, vor allem da Rehm gehandicapt in den Wettkampf gegangen war. Wegen einer Schleimbeutelentzündung hatte er in den vergangenen Tagen seine Prothese nicht tragen können. "Beim vierten Versuch dachten wir dann, was passiert denn da", sagte Nerius. Nach dem Weltrekordsprung beendete Rehm den Wettkampf dann vorzeitig, um das Knie nicht weiter zu belasten.

Zuvor hatte die Rostockerin Jana Schmidt Gold im Kugelstoßen geholt. Die 40-Jährige, die ihr rechtes Knie nicht bewegen kann, siegte mit 9,15 m und holte ihren ersten internationalen Titel. Bei den Paralympics 2012 in London hatte sie Bronze über 100 m gewonnen, in Lyon bereits Silber im Weitsprung.

In ihrer Kugel-Konkurrenz verpasste derweil Anett Jelitte Bronze als Vierte denkbar knapp. Die Magdeburgerin, die nach 1996 durch eine bakterielle Infektion nach einem Kreuzbandriss ihr linkes Bein verlor, kam auf 8,60 m.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...