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Foto: Freie Presse

Olympiatagebuch: Zählen oder nicht zählen

Von Sebastian Siebertz
erschienen am 14.02.2018

Am Medaillenspiegel scheiden sich die Geister. Für die einen ist er die Wertung schlechthin bei Olympia, die anderen kritisieren die ewige Medaillenzählerei. Den Fans des deutschen Wintersports macht das Zählen derzeit richtig viel Spaß. In Pyeongchang liegt Deutschland auf Platz eins. Siebenmal gab es schon Gold - und das in nicht einmal einer kompletten Woche. Vor vier Jahren in Sotschi waren es insgesamt acht goldene Plaketten. Damit rangierte das schwarz-rot-goldene Team 2014 in Russland auf Rang sechs. Eine große Enttäuschung für die Wintersportnation.

Ich stelle mir zum Medaillenspiegel folgende Fragen: Sollte man die Leistung von so vielen Sportlern wirklich nur an der denkbar einfachsten Statistik messen? Geht es gerade bei Olympischen Spielen nicht um viel mehr als um die Plätze eins, zwei und drei? Bleiben nicht die besonderen Geschichten - und das sind nicht zwingend die Medaillengewinner - viel eher im Gedächtnis hängen als der Medaillenspiegel? Wenn ich eine Antwort geben müsste: Mich hat die Nationentabelle nie sonderlich interessiert - bis mich am Mittwoch eine Aussage des frischgebackenen Olympiasiegers in der Nordischen Kombination, Eric Frenzel, nachdenklich gemacht hat. Auf die Frage, warum deutsche Athletinnen und Athleten in Südkorea schon so häufig ganz oben auf dem Podest standen, antwortete der Erzgebirger: "Dass es gleich von Anfang an mit den Goldmedaillen so gut losging, war eine Initialzündung für uns. Ich konnte es kaum erwarten, nun auch meine Leistung zeigen zu können. Man freut sich mit den anderen deutschen Sportlern, und das zieht einen selbst positiv mit. Deswegen bin ich glücklich, dass es für 'Team D' gerade so grandios läuft."

Die deutschen Olympioniken begreifen sich also wirklich sportartenübergreifend als Mannschaft. Und diese Erkenntnis stammt nicht aus einem Imagefilm des Deutschen Olympischen Sportbundes, sie kommt von einem Athleten, den ich für ehrlich, intelligent und authentisch halte. Liegt es da nicht im ursprünglichen Wesen des Sports, dass Mannschaften sich messen? Und wie könnten sie dies ernsthaft tun, wenn niemand zählt?

Es bleibt Ansichtssache. Auch Eric Frenzel konnte mir den Medaillenspiegel nicht endgültig schmackhaft machen. Ich schließe aber nicht aus, dass ich hin und wieder draufschaue. Dass er auch in der "Freien Presse" auf der ersten Olympiaseite steht, hat seine Berechtigung.

 
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