Alleinerziehende kämpft sich mit Töchterchen Lea durchs Leben

Die schwerstbehinderte Lea aus Gersdorf hat einen neuen Rollstuhl. Doch für das geeignete Auto fehlt der Mutter das Geld.

Gersdorf.

Lea kann so schön lächeln. Dabei glänzen ihre braunen Augen. Ihr Lieblingsplatz ist die kurze Seite des Ecksofas im Wohnzimmer. Von hier aus hat sie das Fernsehgerät gut im Blick. Lea schaut gern Filme an. "Ich glaube, wir haben alle Disney-Produktionen, die je auf den Markt gekommen sind, als DVD", sagt Mama Nadine Lahm.

Lea kann eigentlich nichts selbstständig tun, außer ein wenig die Arme, Hände und den Kopf bewegen. Sie kann weder selbstständig essen noch ohne Hilfe sitzen, stehen oder laufen. Das Mädchen konnte nie wie andere Kinder wild herumtoben, Fußball spielen, tanzen, singen oder sich im Garten verstecken. Lea ist mehrfach schwerstbehindert, von Geburt an. Die Mutter hatte sich während der Schwangerschaft mit Scharlach-Bakterien infiziert. Heute ist das Mädchen 14 Jahre alt, leidet unter Epilepsie, Spasmen in den Extremitäten, Skoliose. Ohne Korsett geht gar nichts. Das sorgt manchmal für Atemnot, unter Sauerstoffmangel leidet das Mädchen ohnehin - vor allem nachts. Das Wort "Durchschlafen" ist im Vokabular von Nadine Lahm seit 14 Jahren gestrichen. Sie versteht es, jede noch so kleine Geste ihrer Tochter zu deuten. Nur mit Lauten kann sich Lea ihrer Mutter verständlich machen.

Die alleinerziehende Gersdorferin kämpft sich durchs Leben. Die Betreuung des Mädchens ist ein Fulltime-Job. Freizeit hat sie nur für wenige Stunden, wenn das Kind in der Dr.-Päßler-Schule in Meerane ist. Und sie muss rechnen. Von den 1080Euro Unterstützung gehen rund 650 Euro Miete ab. Noch einige Versicherungen, da bleibt nicht viel zum Leben übrig. Erst recht nicht, um Geld für ein neues Auto zu sparen. Immer wenn Nadine mit Lea zum Arzt fährt, streichelt sie nicht nur ihr Kind, sondern auch den 15Jahre alten Fiat, den sie einst vom inzwischen verstorbenen Großvater geschenkt bekam. "Ich bin froh, dass ich ihn habe", sagt Nadine Lahm.

Damit aber der neue Rollstuhl ins Auto passt, muss sie vorher Teile abbauen. Den knapp 40 Kilogramm schweren Rollstuhl ins Auto zu wuchten, ist allein schon ein Kraftakt. Doch Nadine Lahm hadert nicht mit ihrem Schicksal. Seit sie im Jahr 2005 nach der Trennung von ihrem Mann in die Heimat Gersdorf zurückgekehrt ist, steht ihr die Familie zur Seite. "Ich habe mich nie gefragt, warum ausgerechnet mir das passiert ist. Es ist eben so", sagt sie. Und sie liebt ihre Tochter über alles. Im Sommer fahren Nadine und Lea gern in den Garten oder unternehmen Ausflüge. Um Lea das bisschen Lebensqualität zu erhalten, braucht sie dringend ein neues geräumigeres Auto. Doch dafür fehlt ihr das Geld.

Ein anderes Problem macht ihr noch mehr Sorgen. Gerade mal 22,2kg wiegt ihr Kind. "Sie muss noch drei Kilo zunehmen, sonst kann sie nicht operiert werden", sagt die Mutter. Drei Operationen hat das Mädchen hinter sich. Jetzt schwächt die Skoliose Leas Rücken. "Aber auch das schaffen wir", gibt sich die Mutter optimistisch.

Das könnte Sie auch interessieren
00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.