Hybridfahrzeuge werden unterschätzt

Einspruch - Standpunkte zum Streiten. Unter diesem Motto veröffentlicht die "Freie Presse" einen Beitrag von Professor Friedrich Thießen. Er findet, dass bei der Diskussion um die Zukunft des Autos die Hybridfahrzeuge zu kurz kommen.

Viele Menschen sind fasziniert von E-Autos. Aber so richtig in die Gänge kommt deren Einführung nicht. Woran liegt das? Einige machen die Autolobby, andere die Industriepolitik der Regierung verantwortlich. Wieder andere meinen, die Batterietechnologie sei noch nicht ausgereift, die Reichweite zu gering, das Aufladen unbequem und die Elektro-Infrastruktur nicht vorhanden.

Ein Blick in andere Länder zeigt, dass trotz aller Probleme doch etwas machbar ist. Zum Beispiel in der Mongolei. Dort kooperiert die Technische Universität Chemnitz mit mehreren Forschungseinrichtungen. Was tut sich dort? Durch die Innenstadt von Ulan Bator mit ihren rund 1,5 Millionen. Einwohnern fahren täglich 500.000 Autos. Von denen sind etwa 60 Prozent Hybridfahrzeuge. Wenn die Ampeln von Rot auf Grün springen und sich die Kolonnen in Bewegung setzen, dann hört man - fast nichts. So gut wie geräuschlos winden sich die Autoschlangen durch die Straßen. Das Beispiel Ulan Bator zeigt: Wenn man will, dann kann man.

Über Hybridfahrzeuge hört man in Deutschland praktisch nichts. Die Diskussion verhakt sich in Ex-trempositionen: Entweder total auf E-Autos umstellen oder erst einmal große Zurückhaltung üben. Für die Umweltlobby gelten Hybridfahrzeuge mit ihren zwei Antriebsarten - elektrisch und Benzin/Diesel - als nicht so effizient wie wünschenswert. Die hiesige Autolobby wiederum stört, dass die besten Hybridfahrzeuge aus Japan kommen.

Aus Sicht von Menschen in Großstädten haben Hybridfahrzeuge jedoch enorme Vorteile. Das Hybridfahrzeug steht bereit und funktioniert jederzeit. Reichweitenprobleme gibt es nicht. Sobald man in eine Umweltzone einfährt, schaltet man auf Elektrobetrieb und erfüllt jede Norm. Die Lebensqualität in den Städten steigt, weil Lärm und Abgase gering sind. Städte werden somit wieder lebenswert. Das alles bekommt man auch ohne große Investitionen in Infrastruktur und zwar sofort. Bequem ist es zudem für die Autofahrer selbst. Denn es gibt keinen Stress mit dem Aufladen der Batterien, weil dies der Benzinmotor automatisch erledigt.

Naturgemäß sind Hybridautos etwas teurer, weil sie zwei Antriebssysteme haben. Nicht jeder würde sich deshalb eins kaufen. Deshalb muss man Anreize setzen, die den Staat möglichst nichts kosten sollten. In der Mongolei gibt es zum Beispiel eine Importsteuer für Pkw, die für Hybridautos nicht gilt.

In Deutschland könnte man Abgaben für stark umweltbelastende Fahrzeuge einführen, die für E- und Hybridfahrzeuge wiederum entfielen. Alternativ - und viel besser - kann man Umweltzonen mit harten Grenzwerten einführen. Dadurch entsteht automatisch ein Anreiz, entweder reine E-Autos oder Hybridautos zu kaufen, welche die Grenzwerte einhalten. Die Mehrheit der Deutschen wohnt mittlerweile in Städten. Diese Mehrheit hat es verdient, in sauberer Luft und mit weniger Lärm leben zu dürfen.

Die Erfahrungen in Ulan Bator zeigen: Es geht und es wirkt. Man muss es nur machen. Und eines ist jetzt schon klar: Wenn man statt eines fetten SUV einen nur etwas kleineren Hybridwagen kauft, dann hilft man der Umwelt und spart auch noch Geld.

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1Kommentare
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  • 0
    2
    1252548
    23.10.2018

    In Großserie würden Hybridautos billiger.
    Dieser Weg würde allen etwas bringen und ist viel besser als der Weg der Kanzlerin, die die Grenzwerte anheben will!!!



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