AfD-Chef Gauland fordert: Kein Geld für linke Vereine vom Staat

Der Spitzenmann der Partei reist zum Wahlkampftermin in seine einstige Heimatstadt Chemnitz. Dort teilt Gauland nach allen Seiten aus.

Chemnitz.

Es ist ein Heimspiel für den AfD-Chef an diesem Samstagnachmittag in Chemnitz. Alexander Gauland stammt von hier, wurde in Chemnitz 1941 geboren. Im Ballhaus Hilbersdorf im gleichnamigen Stadtteil habe er einst seine Tanzstunde absolviert. Und gerade habe er noch eine alte Klassenkameradin aus der Oberschule getroffen. "Da kommen einen fast die Tränen, und das in meinem Alter", sagt er. Nun steht er im Ballhaus am Rednerpult. Neben ihm sitzen die Landtagswahlkandidaten der Alternative für Deutschland, Nico Köhler und Steffen Wegert, sowie der Bundestagsabgeordnete Ulrich Oehme. Die AfD hat zur Wahlkampfveranstaltung für die Landtagswahl 2019 geladen. Der Saal ist gut gefüllt, rund 300 Leute haben auf den Stühlen Platz genommen. Schon als Gauland die Bühne betritt, steht der Saal, klatscht. Gut eine Stunde spricht der AfD-Parteivorsitzende und Bundestagsfraktionschef - und teilt dabei nach allen Seiten aus.
Um klarzustellen, wie wenig Gauland von der Politik der anderen Parteien hält, muss auch die Wende 1989 herhalten, wo "zahlreiche Sachsen" vorn dran standen bei den Demos. Jetzt aber werde Sachsen als "brauner Schandfleck" geschmäht, als "Verkörperung von Dunkeldeutschland". "Wir sollten uns erinnern, wie die Wende begann", stellt er einen Zusammenhang zu dem Ereignis vor 30 Jahren her. Dass er Sympathien hegt gegenüber Ungarns Regierungschef Viktor Orbán, dem vorgeworfen wird, Menschenrechte einzuschränken, daraus macht er keinen Hehl. Er bricht eine Lanze für Orbán, ebenso für die polnische Regierung. Polen und Ungarn würden heute als "Herzkammern der Finsternis" gelten, dabei seien es Zentren der Freiheit gewesen. Länder, in denen der Zusammenbruch des Ostblocks begann. Wenige Sätze später ist er im Jetzt angekommen: Er kritisiert eine "zentralistische Bevormundung und ideologische Erpressung aus Berlin und Brüssel". Die Menschen seien damals nicht auf die Straße gegangen, "um Millionen Afrikaner aufzunehmen" und den Verbrennungsmotor oder Flugreisen abzuschaffen.
An den etablierten Parteien lässt der AfD-Mann kein gutes Haar. Die Linke sei die Erbin der SED. Die Grünen betrachteten das Land nur als Plattform für "ihre Weltrettungsprojekte". Und dass der Gedanke einer Koalition zwischen CDU und Linke auf Länderebene im Raum stehe, zeige, "was aus der Union geworden ist". Der 78-Jährige schlägt auch nationalistische Töne an: Für ihn sind die "halbwegs ethnisch homogenen" östlichen Bundesländer ein Pfahl in der "multiethnischen" alten Bundesrepublik. Das Thema Einwanderung wird natürlich angesprochen: "Das Schicksal Afrikas sollte uns nicht gleichgültig sein", sagt er. Aber die "Masseneinwanderung" müsse beendet werden. Stattdessen solle lieber vor Ort investiert werden. Die Grenzen müsse man dicht machen - und dabei "hässliche Bilder in Kauf nehmen", fordert Gauland - ebenso wie Sachleistungen statt Geld für Asylbewerber.
Über die Energiepolitik ("nicht vorzeitig auf Kohlekraftwerke verzichten") zieht Gauland ebenso her wie über die Kitas, die Schweinefleisch vom Plan streichen wollten ("wer sich daran stört, soll sich eine andere Kita suchen oder besser ein anderes Land"). Da klatscht das Publikum. Und geht es nach der AfD, dann sollen "linke" Vereine wie etwa die Amadeu-Antonio-Stiftung kein Geld mehr vom Staat bekommen. Nicht jedes alternative Straßentheater sei förderungswürdig. Selbst am Bundesprogramm "Demokratie leben" stört er sich. Dafür solle man sich andere Geldgeber suchen.
Danach dürfen auch die anderen AfD-Politiker ans Mikro. Als bei der Fragerunde eine Frau fragt, wann die Digitalisierung in die Schulen einzieht, verweist Nico Köhler darauf, dass das ein Problem der jetzigen Regierung sei. Es sei ohnehin "eine zweifelhafte Geschichte". Man dürfe sich nicht abhängig machen. Sonst klappe es nicht mehr mit dem Kopfrechnen. Auch Gauland muss noch mal ran, bevor er aufbricht. Er soll etwa eine Frage zur Erhöhung des Mindestlohns beantworten: "Das ist kein Thema für die AfD, auch nicht im Bundestag."

Bewertung des Artikels: Ø 3.1 Sterne bei 7 Bewertungen
9Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    5
    DTRFC2005
    27.08.2019

    Hartz 4 ist Bundespolitik und steht dennoch im Landes-Wahlprogramm der AFD. Das war der Grund, warum ich fragte. Das ich darauf keine Antwort bekommen würde war mir klar, es ging mehr um die Art und Weise, wie man mit fragenden Bürgern umgeht. Im Gegensatz zu Grünen und Linke, die sich vernünftig mit einem über Themen mit einem unterhalten. Einen SPD Stand hatte ich bisher nicht auf meinem Weg gefunden. Ich gehe ja nicht direkt zu Wahlwerbungsstanden, sondern nur dort was zufällig auf dem Weg liegt. Fragen Sie mich also 2021 nicheinmal, da ist die Bundestagswahl.

  • 14
    16
    Maresch
    26.08.2019

    Ich finde es schlicht lächerlich und vor allem völlig inhaltsleer, wenn der DDR Flüchtling Gauland ständig auf die 'Wende' verweist. Als ob die heutigen Fragen zur Migration und die Nazibanden in Sachsen irgendetwas mit der 'friedlichen Revolution' und deren Forderungen zu tun hätten.

    Des Weiteren unterschlägt Gauland permanent die Rolle von "Glasnost und Perestrojka" unter Michail Gorbatschow, ohne den es keine 'Wende' gegeben hätte!

  • 11
    8
    osgar
    26.08.2019

    @DTR eine Antwort auf Ihre Frage würde mich auch interessieren.
    Allerdings nicht nur von der AFD, sondern auch von der SPD. ich habe von denen da auch noch nicht Substanzielles gehört.

  • 14
    5
    Lesemuffel
    26.08.2019

    @dtrfc Sie hätten ja mal zum Stand der GRÜNEN oder der SPD (die Macher der Hartz-Gesetze) gehen können und dann berichten, welche Antworten Sie erhalten haben. Es interessiert viele, wie es mit der Entwürdigung durch HartzIV weitergeht.

  • 13
    11
    DTRFC2005
    25.08.2019

    @698236:Das scheint aber auf einige zu zutreffen. Kürzlich hatte ich an einem AFD Stand eine simple Frage gestellt. Die Reaktion war bezeichnet für viele, besonders von AFD Wähler, nur hätte ich das an einem Infostand nicht erwartet. Ich bekam statt einer Antwort, einen Flyer in die Hand gedrückt mit der Bemerkung, - lesen Sie, steht alles drin. Den Flyer hatte ich aber schon im Briefkasten und auch gelesen. Meine Frage, konnte nicht beantwortet werden. Ich wollte nur wissen, was es gibt, wenn das ALG, also Harz 4 abgeschafft werden würde.

  • 27
    21
    Distelblüte
    25.08.2019

    Ein ewiggestriger wie Gauland sollte besser nicht über die Vergabe von Kulturfördermitteln entscheiden dürfen. Es heißt ja Kulturförderung und nicht Kulturzerstörung.

  • 25
    17
    698236
    25.08.2019

    Nun ja, was soll schon von solchen leuten erwartet werden. herr wegert - afd - ist für mich ein kandidat, der inhaltlich nicht weiss, was im wahlprogramm der afd steht. vielmehr weiss er noch nicht mal themenbezogene sachzusammenhänge. eine marioniette rechtsgerichteter?! auf der Veranstaltung in der tu-chemnitz mit allen kandidaten kam mir die präsenz der afdler für herrn wegert so vor, wie ... - zur Absicherung. wir chemnitzer brauchen politischen sachverstand und sollten uns nicht von solchen rechtsgerichteten unruhestiftern vereinnahmen lassen.
    besonnenheit ist angesagt. traurig, dass es kein mittel gegen ein solche unterwanderung gibt. wir chemnitzer haben etwas anderes verdient. demokratie, meinungsfreiheit und sachliche diskussion in der sache. das ist wohlgemerkt bei der afd nicht möglich. das hat auch herr gauland bewiesen.

  • 34
    10
    Rossauer
    25.08.2019

    Meiner Meinung nach müsste die ganze staatliche Parteienfinanzierung überarbeitet werden. Warum soll der Steuerzahler mit seinem Geld jedwede Parteien unterstützen. Man denke zum Beispiel an das Vermögen der SPD.( Immobilien usw.)

  • 22
    21
    872889
    25.08.2019

    Okay, guter Vorschlag. Das gleiche sollte aber genauso für seine Partei und entsprechende Gruppen am rechten Rand gelten.



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