Die Firma Silbaerg hat eine Auszeichnung in Paris für Nachhaltigkeit erhalten. Es ist nicht der erste Preis, den die Chemnitzer für sich verbuchen können, und sie sind auch nicht die einzigen Snowboard-Produzenten in der Stadt.
Ein Snowboard ist irgendein Holzbrett mit Schnallen für die Schuhe obendrauf. Das ist schonmal grundfalsch. Hört man den promovierten Maschinenbauer Jörg Kaufmann zu, müsste man zunächst Materialwissenschaften studiert haben, um überhaupt eine Ahnung vom Aufbau dieses Sportgerätes zu bekommen. Der TU-Wissenschaftler, der 2011 die Firma Silbaerg gegründet hat, spricht von einem Holzkern, von Carbon-Fasern, von Epoxid-Harz, einer Deckschicht für die Grafik und Metallschienen.
Beim neuesten Modell von Silbaerg kommen noch Hanffaser aus Sachsen, Recycling-Carbon und Bio-Harze dazu. Für dieses „Green Snowboard“ hat Kaufmann am Donnerstag den ersten Preis bei der JEC World in Paris gewonnen. In der Kategorie Sport hatte sich der Chemnitzer gegen einen Hockeyschläger aus Carbon und besonders haltbare Rennradfelgen durchgesetzt. Die JEC ist die weltweite Leitmesse für Composite-Materials, also für Verbundwerkstoffe.
Snowboard passt sich an Fahrweise an
Bereits im Gründungsjahr hat Silbaerg einen Preis bei der Sportartikelmesse Ispo in München gewonnen – für die besonderen Fahreigenschaften der Snowboards. Die Technologie dahinter, die auf den spezifischen Eigenschaften von Carbon aufbaut, hat sich Jörg Kaufmann patentieren lassen. Konkret geht es um die Flexibilität der Metallkanten, die für das Kurvenfahren entscheidend sind. Fährt das Board um eine Kurve, verformt sich das Material leicht und die Außenkanten drückt es tiefer in den Schnee. „Der Kantenwinkel verändert sich um drei Grad, das ist eine Welt“, sagt Kaufmann.
Die weltweit einzigartige Technik ist nicht billig. Silbaerg-Boards gibt es von 500 bis 1500 Euro. Die Ausleihe kostet ab 15 Euro pro Tag. Erhältlich über die Firmen-Webseite und einen Shop im Südbahnhof. „Wir sind nicht mehr im Großhandel. Das war zu teuer und immer schwierig, in dem begrenzten Platz die besondere Technik zu erklären“, sagt der Silbaerg-Chef. Zudem sei er mit seinem Vier-Mann-Team nicht auf große Stückzahlen angewiesen. Jörg Kaufman arbeitet noch an der TU Chemnitz als Bereichsleiter an der Professur für Textile Technologien.
Die beiden Seiten seiner Arbeitswelt finde er spannend. Einerseits das wissenschaftliche Arbeiten an der Hochschule, andererseits die Weiterentwicklung der Produkte, zu denen aufgrund des Umfeldes nicht mehr nur Snowboards zählen. „Wintersport ist schwierig geworden, es gibt immer weniger Schnee. Dazu sind die Preise der Skipässe nach Corona stark angestiegen. Die Leute sparen immer zuerst in der Freizeit. Und wir sind mit unseren Boards im Hochpreissegment.“ Die Lösung? Silbaerg entwickelt Longboards, also Skateboards für längere Touren, und Wake-Boards für Wasserski, die man beispielsweise in einer Anlage in Rossau im Landkreis Mittelsachsen nutzen kann.
Hergestellt werden die Silbaerg-Boards in einem Partnerbetrieb in Österreich und in der Manufaktur von Kevin Schlawer im Südbahnhof, dem zweiten Snowboard-Hersteller in Chemnitz. Denn Schlawer hat neben den Auftragsarbeiten für Silbaerg noch eine eigene Marke für handgefertigte Snowboards und Ski mit dem Label Sasa.
Zwei Snowboard-Hersteller in Chemnitz
Für seinen Traum hat Schlawer im Jahr 2020 alles auf eine Karte gesetzt. Damals kündigte er seinen sicheren Job als Technischer Leiter in einer Firma, mietete sich in sein heutiges Ladengeschäft im Südbahnhof ein und baute dort die gesamte Innenausrichtung aus Holz selber aus, mitsamt Werkstatt in der oberen Etage. Neben der Herstellung von Snowboards und Skiern bietet er Workshops zum Selberbauen an. Die Idee kam dem Chemnitzer in Innsbruck, wo er selbst an so einem Workshop teilgenommen hatte. „Das reicht natürlich nicht aus. Ich habe jahrelang im Keller meiner Eltern Snowboards selber gebaut und sie Freunden zum Testen gegeben. So haben wir die ideale Form gefunden“, sagt Schlawer. Allerdings folgte kurz nach der Öffnung des Ladens die Corona-Pandemie, dann die Materialkrise. Seit Mitte vergangenen Jahres zahlt sich sein langer Atem allerdings aus und er kann mit der Manufaktur seine Kosten decken. (cma)






