Keine Bewährung für Chemnitzer Drogen-Pfarrer

Das volle Geständnis wirkt sich mildernd aus, doch reicht es laut Gericht nicht mehr für eine Strafe, die noch zur Bewährung auszusetzen wäre.

Chemnitz.

Wegen Handels mit illegalen Drogen ist ein Chemnitzer Pfarrer am Montag vom örtlichen Landgericht zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Da das Urteil oberhalb der maximal zur Bewährung auszusetzenden Strafe von zwei Jahren liegt, muss der Mann, sobald das Urteil Rechtskraft bekommt, ins Gefängnis.

Ob es zu einer Berufung kommen wird, war zunächst unklar. Immerhin hatte die Staatsanwaltschaft eine weit höhere Strafe von viereinhalb Jahren gefordert. Die Verteidigung dagegen hatte auf ein noch bewährungsfähiges Maß von zwei Jahren plädiert. Schließlich war der Pfarrer voll geständig und hatte während der Ermittlungen wesentlich zur Aufklärung weiterer Delikte beigetragen. Vier Strafverfahren gegen andere Täter hatte er nach Zeugenaussage eines Polizisten im Prozess ermöglicht. Weitere zehn Verfahren gegen Drogenhändler könnten noch folgen.

Trotz solch mildernder Umstände sei es dennoch nicht möglich gewesen, das Strafmaß noch weiter zu senken, argumentierte die Vorsitzende Richterin Simone Herberger in der Urteilsbegründung. Immerhin handelte es sich bei den acht vorgeworfenen Delikten um Handel mit jeweils kiloweise Marihuana. Drei weitere Anklagepunkte waren zuvor sogar eingestellt worden, weil es bei diesen Transaktionen nicht über das Planungsstadium hinaus gegangen war.

In den Drogenhandel hineingeraten war der 49-jährige Geistliche zunächst aus Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen aus dem arabischen Raum. Einem in seiner Wohnung aufgenommenen Flüchtling habe er Geld geliehen, berichtete der Pfarrer, damit der Mann seine Familie nach Deutschland habe nachholen können. Nur habe der Flüchtling das Geld, rund 12.000 Euro, nicht wie vereinbart zurückgezahlt. Irgendwann sei er sich regelrecht "betrogen" vorgekommen. Auch habe er sein verliehenes Geld nicht ganz abschreiben wollen. So sei er zunächst als Fahrer und Kurier bei Drogen-Ankauffahrten des Mannes nach Leipzig dabei gewesen. Später habe er aber auch aktiv an den Drogengeschäften teilgenommen und Geld eingetrieben.

Außer der Haftstrafe droht dem Geistlichen, dessen Amtsgeschäfte bereits seit rund einem Jahr ruhen, nun der komplette Verlust seiner Pfarrstelle. Er erwäge, irgendwann als Trauerredner zu arbeiten, hatte er im Prozess ausgeführt. In seinem letzten Wort vorm Urteil entschuldigte sich der Mann vor allem bei den Gemeindemitgliedern, die er als Pfarrer enttäuscht habe. Das Gericht bat er, ihm eine zweite Chance zu geben, womit er die Hoffnung auf Bewährung verbunden haben mochte. Doch die gab es nicht.

Eine ältere Dame aus dem Publikum, die bereits den ersten Prozesstag aufmerksam verfolgt hatte, schüttelte fassungslos den Kopf. Gehofft habe sie, dass es noch mit Bewährung abgehe, sagte sie. Stets habe sie den Pfarrer als "absolut hilfsbereit" erlebt, vielleicht als "etwas zu gutgläubig". Doch sei er sonst genau so, wie es die krisengebeutelte Kirche eigentlich brauche. "Er stellte sich immer neben die Menschen und nie darüber. Ich habe nach wie vor volles Vertrauen in ihn."

Bewertung des Artikels: Ø 3.8 Sterne bei 5 Bewertungen
5Kommentare
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  • 4
    1
    DTRFC2005
    22.10.2019

    Da fällt mir nur der Spruch ein- Dummheit schützt vor Strafe nicht - ein.

  • 3
    7
    Malleo
    21.10.2019

    Ja distel.
    In Geringswalde vielleicht?

  • 10
    8
    uwecz
    21.10.2019

    Straftat ist Straftat. Auch wenn es ein Pope ist. So blind kann auch ein Pfarrer nicht sein. Und wenn man solchen "Flüchtlingen" so hilft sieht man was dabei rauss kommt. Dumm sein ganzes Geld einem Lügenmärchen zu opfern. Lieber der Tafel oder in die Obdachlosenhilfe o.ä. investieren. Die haben es viel nötiger.

  • 19
    7
    Distelblüte
    21.10.2019

    Er hat einen sehr fragwürdigen Weg gewählt, um Flüchtlingen zu helfen.
    Sein Umgang mit seiner Schuld ist jedoch zu respektieren. Ich hoffe, ihm wird nach der Haft ein Neuanfang ermöglicht.

  • 16
    8
    OlafF
    21.10.2019

    Da ist wohl ein bischen was schief gegangen bei den Intergrationsbemühungen und alles nur aus reiner Nächstenliebe? Aber da bestätigt sich wieder: Nur weil man glaubt, dass es für eine gute Sache ist, wird die Tat keine bessere. Wieder einer mehr, der in der Wirklichkeit angekommen ist.



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