Wo sich Rentner und Instagram-Generation treffen

Rüstungsausgaben, Nato-Präsenz und Russland-Politik sind Themen beim 30. Chemnitzer Ostermarsch gewesen. Einige Teilnehmer sind von Anfang an dabei.

Reichlich 300 Menschen - und damit in etwa so viele wie im Vorjahr - sind mit ihrem Wunsch nach Frieden am Karfreitag auf die Straße gegangen. Sie waren zum mittlerweile zur Tradition gewordenen Chemnitzer Ostermarsch gekommen.

Einige von ihnen nahmen sogar schon zum 30. Mal daran teil, sind also von Anfang an dabei. Zu ihnen gehören Maria Backhaus und Maria Kaiser. Die beiden Rentnerinnen kannten den verstorbenen Studentenpfarrer Hans Jochen Vogel, einen Organisator der ersten Stunde, noch persönlich. "Wir wollen uns für den Frieden engagieren, denn ohne ihn sind wir doch nichts", erklärt Backhaus. "Und natürlich treten wir gegen Rassismus ein", fügt Kaiser an. Für beide Chemnitzerinnen ist die Teilnahme am Marsch Ehrensache, ein fester Punkt im Terminplan. Ganz anders sieht es bei einigen jungen Leuten aus. Zwei Schüler, die namenlos bleiben wollen, beteiligten sich erstmals. "Ich habe den Aufruf bei Instagram gesehen", sagt der eine, der auch schon zweimal bei den Chemnitzer "Friday for Future"-Demos auf die Straße gegangen ist, um den Klimawandel anzumahnen. "Ich finde es wichtig, mich politisch zu engagieren. Wir dürfen noch nicht wählen, wollen aber, dass auch unsere Stimme gehört wird", sagt er.

Christoph Ulrich

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Unter den Teilnehmern waren auch rund zwei Dutzend Vertreter der linken Sammlungsbewegung "Aufstehen", auffällig mit gelben Warnwesten bekleidet. Sie hatten Transparente mit Aufschriften wie "Die Krim gehört zu Russland" dabei. Andere Teilnehmer wendeten sich unter anderem gegen die Erhöhung von Rüstungsausgaben, die Nato-Präsenz an der Grenze zu Russland und gegen aktuelle Werbeaktionen der Bundeswehr. Stattdessen solle mehr Geld für Entwicklungshilfe und ökologische Nachhaltigkeit ausgegeben werden.

Der Ostermarsch bewegte sich in seiner 30. Auflage vom Rathaus aus über die Bahnhofstraße zur Technischen Universität, zum Schloßberg und endete am Karl-Marx-Monument. Die Veranstalter zeigten sich zufrieden. "Es war niemand sichtbar aus der rechten Szene dabei", resümiert Einde O'Callaghan, einer der Organisatoren. Er erwähnte dies mit Erleichterung, hatte es doch im Vorjahr Kontroversen mit einigen Teilnehmern aus dem AfD- und Pegida-Umfeld gegeben. Eine weitere Auflage des Chemnitzer Ostermarsches soll es im kommenden Jahr geben.

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