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Krätze im Schneeberger Flüchtlingsheim

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Sachsens Flüchtlingsrat spricht von Behörden- versagen. Die Landes- direktion widerspricht den Vorwürfen.

Schneeberg.

Mit schweren Vorwürfen hat der Sächsische Flüchtlingsrat die medizinische Versorgung in der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Schneeberg angeprangert. In einer Mitteilung wird sogar von behördlichem Versagen gesprochen.

Der Vorwurf des Flüchtlingsrates: Seit über vier Monaten würden Fälle von Krätze in dem Heim in Schneeberg beobachtet, ohne dass Erkrankte entsprechend isoliert werden. "Im Gegenteil: Neuankommende werden in Zimmern mit Betroffenen untergebracht, sodass sich Infektionen weiter im Lager verbreiten", heißt es in der Mitteilung des Sächsischen Flüchtlingsrates.

Dieser Darstellung widerspricht die Landesdirektion Sachsen, die für die Erstaufnahme in Schneeberg zuständig ist. Es sei nicht richtig, dass die Erkrankten nicht isoliert worden seien, sagte ein Sprecher. "Der Landesdirektion ist bekannt, dass es in der Einrichtung in Schneeberg in der Vergangenheit zu mehreren Fällen von Krätze gekommen ist." Die genaue Zahl werde von der Landesdirektion nicht erfasst.

Die Gründe für diese Krankheit, die von der Skabiesmilbe übertragen wird und starken Juckreiz verursacht, sind verschieden. "Nicht selten entsprechen die medizinische Versorgung und der Infektionsschutz der Geflüchteten in den Herkunftsländern nicht hiesigen Standards", teilte die Landesdirektion mit. Hinzu komme in den meisten Fällen eine anstrengende Flucht unter oft schlechten hygienischen Bedingungen. Genau deshalb seien die frühzeitige Feststellung von Erkrankungen, die schnelle Reaktion und die Vorbeugung gegen eine Weiterverbreitung wichtig. "Daher werden alle in den Aufnahmeeinrichtungen ankommenden Flüchtlinge einer medizinischen Erstuntersuchung unterzogen", erklärte der Sprecher der Landesdirektion. Die Erstuntersuchungen führten die örtlichen Gesundheitsämter durch. Sofern dabei Infektionskrankheiten festgestellt würden, lege das Gesundheitsamt die weiteren Schritte fest. "Für Infektionskrankheiten, die eine Isolation der Betroffenen erfordern, stehen an jedem Standort einer Aufnahmeeinrichtung abgetrennte Separationsbereiche zur Verfügung."

Laut Landesdirektion gelten zahlreiche individuelle Maßnahmen, die Teil eines weitgehenden Hygienekonzepts für die Aufnahmeeinrichtungen sind. Dieses werde stetig weiterentwickelt und an sich ändernde Rahmenbedingungen angepasst. Dies habe sich bereits bei der Coronapandemie bewährt.

Auch den Vorwurf des Sächsischen Flüchtlingsrates, dass die Bewohner selbst ihre Medikamente gegen die Krätze zahlen müssten, weist die Landesdirektion zurück. "Das ist nicht richtig. Sämtliche Verdachtsfälle werden über die Gesundheitsstation einem Arzt vorgestellt, der bei der entsprechenden Diagnose ein geeignetes Medikament verordnet", erklärte ein Sprecher. Die Rezepte würden über die Gesundheitsstationen in den Apotheken eingelöst. Die Fachkräfte in den Gesundheitsstationen würden zudem bei Bedarf bei der Anwendung und bei den einzuhaltenden Hygieneregeln beraten und unterstützen. Eine Zuzahlung werde nicht gefordert.

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