"Leere Stühle und gedeckte Tische" - Erzgebirgische Gastronomen und Hoteliers planen Protest-Aktion

Die Aktion soll auf die prekäre Situation durch Corona aufmerksam machen

Crottendorf.

Gastronomen und Hoteliers aus dem Erzgebirge wollen am Freitag, dem 24. April, angelehnt an die Initiative "Leere Stühle", die bereits in Dresden für Aufsehen gesorgt hat, auf ihre prekäre Situation aufmerksam machen. Ab 10 Uhr soll der Parkplatz am Crottendorfer Räucherkerzenland unter dem Motto "Leere Stühle und gedeckte Tische" zur "Freiluftgaststätte" ohne Gäste werden, wie das Unternehmen mitteilt. Die erzgebirgische Leere-Stühle-Aktion werde von Dominik Naumann von der Brauerei Zwönitz und Mirko Paul von der Crottendorfer Räucherkerzen GmbH initiiert. Auch weitere Gastronomen und Hoteliers wollen sich beteiligen. "Und so werden wohl leere Stühle unter anderem auch aus Oberwiesenthal vom Hotel Jens Weißflog, vom Hotel K1 und der Pension Fichtenhäusel angekarrt. Mit dabei sind auch die Köhlerhütte Fürstenbrunn und der Landgasthof Crottendorf", informiert Paul. Ausdrücklich betonen die Veranstalter, dass die Aktion offen ist und sich jeder Gastronom oder Hotelier daran beteiligen kann. "Neben den leeren Stühlen sollen auch gedeckte Tische aufgestellt werden."  Mirko Paul weiter:  "Das Problem kennt aktuell jeder in der Gastronomie. Es gibt keinen Tourismus mehr und deshalb ist alles zum Erliegen gekommen. Die Verluste, die bereits in den vergangenen Wochen entstanden sind, können wir nie und nimmer aufholen. Jeder Tag, den es länger dauert, ist verhängnisvoll. Was verloren ist, ist verloren. Wir brauchen dringend eine Perspektive." Dominik Naumann, Inhaber der Brauerei Zwönitz, fügt hinzu: "Bei uns ist es nicht allein die Gastronomie. Mit den vielen abgesagten kleinen Veranstaltungen und großen Events ist auch der Bierabsatz massiv eingebrochen. Das Bier, was heute nicht vom Gast getrunken wird, werden wir auch im Herbst nicht verkaufen. Denn keiner trinkt dann die doppelte Menge. Wir brauchen Planungssicherheit. Zurzeit machen wir eine totale Blindfahrt, können uns auf unsere Erfahrungen nicht mehr verlassen. Normalerweise würden wir jetzt für die ganzen Sommerfeste vorproduzieren. Nun besteht die Gefahr, dass wir uns verkalkulieren und das zu viel gebraute Bier letztendlich im Abfluss landet." (aho)

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5Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 7
    4
    ralf66
    23.04.2020

    Ich würde auch ohne das die Gastronomien gesetzlich jetzt geschlossen bleiben müssen, wenn sie noch offen wären dort jetzt nicht hingehen, was dabei rauskommt wenn man das weiter tun würde zeigt uns Ischgl, wo sollen da die Gäste herkommen, höchstens die Unbelehrbaren, die immer Sorglosen, die Coolen.
    Ich möchte auch wissen, was man den Gastronomen jetzt für Perspektiven für die nächste Zeit versprechen soll, was die hören wollen, na gut was Sie hören wollen kann man sich denken, aber wer das Ihnen versprechen soll, vielleicht noch garantieren soll, dass weiß keiner, dass kann nicht mal ein Virologe geschweige ein Politiker.

  • 2
    8
    Hinterfragt
    23.04.2020

    P.S. es steht doch auch den Friseuren u.a. frei, solch eine Aktion zu machen ...

  • 1
    8
    Hinterfragt
    23.04.2020

    @435200; Wenn Sie das UStG so gut kennen, warum verschweigen Sie dann aber, dass bei vielen eingekauften Produkten nur 7% Vorsteuer gegenüber der dann als verkauftes Gericht abzuführenden Umsatzsteuer von 19% gegenüberstehen?
    Bedeutet 12% legt der Gastronom drauf!

    Und auch in der Gastronomie soll es welche geben, die Angestellte haben, werden Sie aber sicherlich nicht glauben ...

  • 8
    3
    435200
    23.04.2020

    Was soll diese Aktion? Man gewinnt den Eindruck als wäre die Gastronomie die einzige Branche die von den Einschränkungen betroffen ist. Was ist mit den Friseuren? Was mit den Betreibern von Fitness-Studios? Inhaber von Reisebüros? Bekleidungsgeschäften? Und das sind nur die Unternehmer. Was mit den ganzen Arbeitnehmern ist die wegen Kurzarbeit mit 60 % ihres Lohnes auskommen müssen oder von den fürsorglichen Gastronomen gleich entlassen wurden darüber spricht niemand.

    Ebenso die Diskussion um die Senkung der Umsatzsteuer (es heißt UMSATZ- und nicht MEHRWERT-Steuer!). Die Umsatzsteuer wird i.d.R. auf den Nettowert der Ware oder Dienstleistung aufgeschlagen. Es wird nicht der Endpreis um die Steuer reduziert. Soll heißen, dass künftig ein Schnitzel bei den demonstrierenden Gastronomen statt bisher 15 € nur noch etwa 13,50 € kosten darf. Wäre ja die rein logische Schlussfolgerung, aber die Endpreise wird wohl kaum einer der Gastronomen anpassen - so wie es das Umsatzsteuergesetz eigentlich vorsieht.

    Ach ja, liebe Gastronomen ...
    Was passiert eigentlich mit euren Stühlen, wenn immer mehr Menschen sterben? Die können sich dann gar nicht mehr auf eure Stühle setzen. Dann habt ihr auch nichts gekonnt.

    Im Übrigen werde ich mich auch dann nicht mit wildfremden Menschen irgendwo in eine Kneipe setzen und mir die Viren um die Nase wehen lassen, nur weil die die Gastronomen die (meinen sie jedenfalls) einzig betroffenen Unternehmen von der Corona-Pandemie sind. Vielen Dank, da ist mir mein heimischer Küchentisch wahrlich lieber. Und vor allem ehrlicher.

  • 7
    4
    Alcapone
    23.04.2020

    Alles verständlich! Aber: Wer kann denn derzeit eine verlässliche Perspektive geben, solange es keinen Impfstoff oder wirksame Therapie gibt? Entweder laden wir kommenden Generation eine neue Schuldenlast auf, um die Ausfälle finanziell zu kompensieren oder wir öffnen Gaststätten + Hotels um den Preis, dass Risikogruppen und die Begleiter derselben dort auf eigenes Risiko einkehren, bzw. sich dann selbst vom gesellschaftlichen Leben isolieren müssten. Fordern kann man alles, aber ich möchte persönlich nicht in der Haut derer stecken, die das auch entscheiden müssen.