Vollkraft in jeder Hinsicht zum Konzert-Auftakt

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Das 1. Philharmonische Konzert der neuen Spielzeit begann mit dem 1. Klavierkonzert von Johannes Brahms. Musik von Robert Schumann folgte. Solist im Kulturhaus Aue war Sergej Redkin.

Aue.

Das Eröffnungskonzert der Saison am Samstagabend im Kulturhaus Aue wurde vom Publikum begeistert aufgenommen. Mit tragischer Wucht brach die weiträumige Orchestereinleitung des Konzertes für Klavier und Orchester d-moll op. 15 von Johannes Brahms herein. Die Erzgebirgische Philharmonie verlieh dem vernichtenden Rumoren des Hauptthemas dieser Komposition unerbittliche Schärfe.

Generalmusikdirektor Jens Georg Bachmann und Solist Sergej Redkin, 1991 geboren im sibirischen Krasnojarsk, fanden im dramatisch bewegten Kopfsatz präzise zusammen, Dirigent und Orchester gaben genügend Raum für die Entfaltung der lyrischen Teile. Die leuchtenden Klavierkaskaden des Solisten im Finale des 1. Satzes zogen die Aufmerksamkeit auf sich. Im 2. Satz, einem kammermusikalischen Adagio, drängte sich nichts effekthaschend in die Ohren, das Ebenmaß blieb gewahrt. Der Finalsatz des Klavierkonzertes macht gute Stimmung, aber im Untergrund rumort es, gut getarnt, weiter. Dirigent und Orchester erzeugten mit scharf klingenden Kanten Kontur, der Solist fuhr gleichsam mit Hammerschlägen dazwischen. Das Publikum honorierte dies mit begeistertem Beifall. Als Zugabe spielte der Russe eine ergreifende Komposition des ukrainischen Komponisten Walentyn Sylvestrow, eine stille Musik, immer am Verlöschen, stilistisch angesiedelt zwischen Chopin, Debussy und Arvo Pärt.

Auf dem Programm des 1. Philharmonischen Konzertes stand auch Schumanns Sinfonie Nr. 4 d-moll op. 120. Johannes Brahms war mit Robert Schumann befreundet. Der sah in Brahms den neuen aufgehenden Stern am Musikhimmel. Der Dirigent setzte hier auf Vollkraft in jeder Hinsicht, schmetternde Hörner, schrille Streicher, knallende Paukenschläge, Vorwärtsstürmen. In dem mit "Romanze" übertitelten zweiten Satz gibt es ein kurzes berührendes Violinsolo. Konzertmeister Michael Schmidt spielte es mit gelöster Leichtigkeit. Er wird im 2. Philharmonischen Konzert am 15. Oktober den äußerst schwierigen Solopart des Violinkonzerts von Tschaikowsky spielen. Faszinierend spannungsvoll geriet die Überleitung zum Finalsatz der Vierten. Der tänzerische Frohsinn des Finalsatzes, wiederum mit teils brachialer Wucht gespielt, hatte etwas von Alexander Borodins "Heldensinfonie" (Nr. 2 h-moll). Man kann sich streiten, ob das in Schumanns Sinn wäre.

Schumann war lange Jahre mit seiner als Pianistin in Europa berühmten Frau Clara regelmäßig zu Gast in Schneeberg, bei seinem Bruder Carl, einem Druckereibesitzer. Die Schumanns gastierten auch in St. Petersburg und ließen ihre Kinder in Schneeberg. Wäre es da für die Erzgebirgische Philharmonie nicht sinnvoll, eine Schumann-Tradition zu begründen, und beispielsweise dessen prächtige "Frühlingssinfonie" (Nr. 1 B-Dur op. 38) alljährlich im Frühling zu spielen?

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