Orkanböen decken Turnhallen-Dach ab

Auch am Montag sorgten Sturmböen für Schäden im Raum Zschopau und Marienberg. Das frisch gedeckte Dach einer Grundschule war besonders betroffen. Ein Revierförster warnt vor weiteren Schäden, angesichts eines bevorstehenden stürmischen Montagabends.

Zschopau/Marienberg.

Sabine hat die Rettungskräfte in der Region ordentlich auf Trab gehalten. Als das Sturmtief in der Nacht von Sonntag zum Montag wie angekündigt auch das Erzgebirge erreichte, heulten kurz nach Mitternacht die ersten Sirenen. In den folgenden Stunden ging es Schlag auf Schlag. An Schlaf war nicht zu denken. Bis Montag, 9 Uhr, mussten die Feuerwehren im Erzgebirgskreis zu über 55 Einsätzen ausrücken, die zum Teil über Stunden dauerten.

In den meisten Fällen handelte sich um heruntergefallene Äste sowie umgestürzte oder umzustürzen drohende Bäume, die von Straßen und Gehwegen geräumt beziehungsweise entfernt oder gesichert werden mussten. Zu Gebäudeschäden, Verkehrsunfällen oder verletzten Personen sei es durch die Orkanböen bis dahin aber nicht gekommen, so der Lagedienstführer der Rettungsleitstelle Chemnitz in einer Zwischenbilanz am Montagvormittag.

Doch das Schlimmste war noch nicht vorbei. Zwar hatte Hobby-Meteorologe Jens Weißbach auf der Dittersdorfer Höhe in der Nacht bereits Windstärken von 110 Stundenkilometern gemessen, was der Stärke 11 (orkanartiger Sturm) entspricht. Doch der Deutsche Wetterdienst hatte erst für Mittag vor schweren Gewittern gewarnt. Und in der Tat. Sturmtief Sabine legte noch einen Zahn zu und blies nun noch heftiger. Besonders schlimm in Niederlauterstein.

Gegen 11.30 Uhr rückten Rettungskräfte in den Marienberger Ortsteil aus, weil Orkanböen das Dach einer Turnhalle abgedeckt hatten. Der Großteil des Blechdaches hatte sich von der Dachschalung gelöst und war etwa fünf bis zehn Meter auf eine Wiese neben dem Gebäude geweht worden. Personen seien dabei nicht zu Schaden gekommen, berichtet Kay Kretzschmar, der als Zugführer mit den Kameraden der Marienberger Wehr vor Ort war.

"Der Orkan hat das Dach aufgedrückt wie eine Blechbüchse", sagt Heike Dachsel. Die auf einer Freifläche stehende Turnhalle sei dem Sturm schutzlos ausgeliefert gewesen, so die Kämmerin der Stadt Marienberg weiter. Etwa Dreiviertel des Blechdaches hätte es heruntergerissen. "Zum Glück ist keine Wasser in das Gebäude eingedrungen, was zu weiteren Schäden hätte führen können", sagt Heike Dachsel. Die Dachschalung sei nach wie vor intakt. Das Dach soll nun zunächst provisorisch abgedichtet und die Statik des Gebäudes untersucht werden, so die Beigeordnete. Glück hatte auch die Freiwillige Feuerwehr Niederlauterstein, deren Gerätehaus sich direkt an der Turnhalle befindet, aber nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Die nicht nur für Sport genutzte Turnhalle in Niederlauterstein soll für rund 85.000 Euro umfassend modernisiert werden. Dafür hat die Stadt beim Regionalmanagement Erzgebirgsregion Flöha- und Zschopautal einen Förderantrag eingereicht. Unter anderem sollen der Hallenbelag saniert, eine Lüftungsanlage im Keller installiert und die Beleuchtung erneuert. Wann genau das Vorhaben umgesetzt wird, steht noch nicht fest. Das Problem mit dem kaputten Dach, das erst 2015 neu gemacht worden war, soll dagegen schnellstmöglich gelöst werden. "Ich hoffe, dass die Faschingsveranstaltungen am 29. Februar und 1. März wie geplant in der Turnhalle stattfinden können", sagt Heike Dachsel.

Fast schien Zschopau mit einem blauen Auge davonzukommen. Sonntagnachmittag musste die Feuerwehr lediglich eine abgebrochene Baumkrone Am Heizhaus beiseite räumen. Erst am Montagvormittag hatten heftige Sturmböen weitere Schäden angerichtet. Am Anlagenpark war gegen 11.45 Uhr ein großer Ast von einem Baum gebrochen, dessen Stamm gespaltet wurde, berichtet Ordnungsamtschef Wilfried Leibling. Weiteren Windbruch galt es auf der Bertolt-Brecht-Straße und auf der Krumhermersdorfer Straße zu beseitigen.

Wer am Montagmorgen auf einem Straßenstück durch den Wald unterwegs war, bekam einen Eindruck davon, wie "Sabine" diesen durchkämmt hat. Die Fahrbahn war übersät mit Zweigen, Zapfen, Stöckchen und Ästen, die der Sturm von den Baumkronen geblasen hatte. Doch wie sieht es im Wald aus? "Die Schäden sind nicht ganz so schlimm wie befürchtet", gab gestern der Borstendorfer Förster Mischa Schubert eine erste Einschätzung. Der Revierleiter ist zuständig für 1500 Hektar Staatswald, der sich von Krumhermersdorf und Borstendorf bis nach Pockau im Süden und Mittelsaida im Osten erstreckt. Sicherlich seien einzelne Bäume umgefallen, doch das Ganze wäre nicht so dramatisch wie bei früheren Stürmen. Eine günstige Windrichtung könnte dazu beigetragen haben. Auch hatten die Fichten diesmal keine Schneelast zu tragen. Doch der Revierförster mochte in Erwartung eines weiteren stürmischen Abends nicht zu früh Entwarnung geben. (hd/mik)

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