Ein Auftakt mit Ermutigung und vielen Emotionen

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Sterben und Tod sind Tabuthemen. Viele Sterbende und ihre Familien sind froh, wenn sie neben der medizinischen Betreuung einen emotionalen Beistand haben. Geleistet wird das durch den ambulanten Hospizdienst in Oelsnitz. Journalistin Cristina Zehrfeld absolviert den Ausbildungskurs zum ehrenamtlichen Hospizhelfer und berichtet, wie man zum Sterbebegleiter wird.

Oelsnitz.

Schon öfter habe ich innerhalb meiner Arbeit als Lokalreporter über die ambulante Hospizarbeit der Johanniter berichtet. Immer habe ich mich beim Schreiben solcher Artikel gefragt: Warum tun Menschen sich das an, ehrenamtlich als Sterbebegleiter zu arbeiten?

Ich habe gerade dieses Ehrenamt immer als Hardcore-Ehrenamt empfunden, denn wo ein Hospizhelfer hingeht, dort wird die Geschichte nie "gut ausgehen". Der Hospizhelfer erlebt das Sterben und den Tod. Er wird mit dem Leiden der Sterbenden und der Hinterbliebenen hautnah konfrontiert.

Im Altlandkreis Stollberg wird die ambulante Hospizarbeit von den Johannitern geleistet. 30 ehrenamtliche Hospizhelfer sind derzeit in der Region von Hohndorf bis Burkhardtsdorf aktiv. Die beiden Koordinatoren Ilona Zuk und Silke Hudek habe ich zu meinem Erstaunen immer frohgemut und begeistert erlebt. Ihnen scheint die permanente Konfrontation mit dem Sterben nichts auszumachen. Schon oft haben sie mir gesagt, dass die Hospizarbeit auch ihre schönen Seiten hat, dass am Sterbebett durchaus auch manchmal gelacht wird.

Ich kann mir das nicht so recht vorstellen, finde es aber ermutigend. Deshalb habe ich mich entschlossen, eine Ausbildung zum Hospizhelfer zu absolvieren. Seit mehr als 20 Jahren gibt es den ambulanten Hospizdienst in Oelsnitz, fast jährlich wird ein Ausbildungskurs angeboten. Zuletzt musste er mehrfach wegen mangelnder Beteiligung und Corona verschoben werden. Diese Woche hat nun wieder ein Kurs begonnen. Vier Monate soll er dauern.

Ich bin eine von insgesamt elf Frauen, die sich dafür angemeldet haben. Durch meine bisherige journalistische Arbeit weiß ich, dass Männer in diesem Metier die Ausnahme sind. Und ich weiß auch, dass überwiegend Menschen aus medizinischen und pflegerischen Berufen diese Weiterbildung nutzen. Umso überraschter bin ich bei der einleitenden Vorstellungsrunde. Es sind verschiedenste Branchen vertreten: von der Beamtin, der Lehrerin und der Gemeindepädagogin bis zur Bestattungsfachkraft, der Rentnerin und der Selbstständigen.

Die Frauen sind zwischen Mitte 30 und über 60 Jahre alt und haben sich aus ganz unterschiedlichen Gründen für diese Ausbildung entschieden. Bei einigen war ein Erlebnis im eigenen Umfeld der Auslöser. Andere wollen sich bewusst einer sehr emotionalen Aufgabe stellen, weil ihnen dieser Bereich in ihrem Beruf fehlt.

Ich erfahre bei dieser ersten Vorstellung von sehr berührenden und aufwühlenden Ereignissen aus dem Leben meiner Mitstreiterinnen, die ich jedoch nicht öffentlich machen werde. Denn bei der Auftaktveranstaltung bekommen wir eine wichtigen Verhaltensregel von Silke Hudek mit auf den Weg: "Alles was wir hier sagen, bleibt in diesem Raum." Das ist ein wichtiger Grundsatz der Hospizarbeit. Auch bei der späteren Tätigkeit als Sterbebegleiter unterliegen wir der Schweigepflicht. Schon an diesem Abend ist unmittelbar spürbar, dass diese Regel Sicherheit schafft.

Obwohl wir uns nicht kennen, herrscht von Anfang an eine große Offenheit. Wir erfahren von einigen Wegbereitern der Hospizbewegung, darunter von der Krankenschwester Cicely Saunders, dem katholischen Priester Heinrich Pera und Elisabeth Kübler-Ross, die mehrere Bücher zum Thema geschrieben hat. Wir erfahren, dass der ambulante Hospizdienst unabhängig von der Konfession von jedem in Anspruch genommen werden kann, ohne dass den Klienten dafür Kosten entstehen. Und wir erfahren, was Sterbebegleitung nicht ist: Sie beinhaltet weder Pflege noch die Übernahme hauswirtschaftlicher Arbeiten.

Am Ende der knapp drei Stunden wollen Ilona Zuk und Silke Hudek wissen, welchen Eindruck wir von diesem ersten Abend haben. Wie alle anderen auch, habe ich ein gutes Gefühl. Der Auftakt war für mich Ermutigung.

Mir ist klar, dass die schwierigen Themen erst noch kommen, aber das mulmige Gefühl ist weg. Ich freue mich auf die nächste Kurseinheit, bei der es um den Umgang mit Sterben und Tod gehen wird.

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