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Grünen-Kandidat Herrmann: Der grüne Ingenieur

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Wahl 2021 Bernhard Herrmann will für Bündnis 90/Die Grünen in den Bundestag. Der 55-Jährige setzt im Wahlkampf auf erneuerbare Energien, Flut- und Hochwasserschutz und die Stärkung ländlicher Gegenden.

Ein schwacher Sonnenstrahl reicht aus und das Wasser beginnt zu plätschern. Bernhard Herrmann kommt gern zum Sprudelstein im Wohngebiet "Am Hexenberg" in Grüna. Denn der Brunnen, den er vor ein paar Jahren mit einigen Mitstreitern vom Heimatverein des Chemnitzer Stadtteils gebaut hat, verdeutlicht, woran er glaubt und wofür er sich im politischen Berlin stark machen will. Das Wasserspiel wird mit Strom betrieben, der durch eine Solaranlage erzeugt wird. Der Sprudelstein steht also für die Energiewende hin zur Energiegewinnung aus erneuerbaren Quellen. Er steht aber auch dafür, was gebraucht wird, aber zielgerichtet geleiteten werden muss, wenn die Sonne - teils unerbittlich - vom Himmel scheint: Wasser. Und die Solaranlage ist auf dem Dach einer Pergola festgeschraubt, die schattige Sitzplätze inmitten des Wohngebietes am Stadtrand bietet - ein Ort zum Verweilen, zum Austausch, zum Leben wie er aus Sicht des Grünen-Politikers von immenser Bedeutung ist, um ländliche Gebiete lebenswert zu gestalten.

Der Wasserbauingenieur tritt bei der Bundestagswahl am 26. September im Wahlkreis 163 für Bündnis 90/Die Grünen als Direktkandidat an und wirbt somit um die Erststimmen der Wähler. Der 55-Jährige ist schon lange in der Lokalpolitik aktiv, sitzt seit 2014 im Chemnitzer Stadtrat, engagiert sich im Ortschaftsrat Grüna und ist Ansprechpartner für seine Partei auf der sächsischen Landesebene, wenn es um Wasserwirtschaft und Erneuerbare Energien geht. "Auf der lokalen und der Landesebene können wir vieles klären, brauchen dafür aber die richtige Weichenstellung im Bund", sagt Bernhard Herrmann, der neben seiner Direktkandidatur auch auf dem zweiten Platz der Landesliste der sächsischen Grünen steht.

Den Wahlkreis 163, der von Rochlitz im Landkreis Mittelsachsen, über Burgstädt und Limbach-Oberfrohna bis nach St. Egidien im Landkreis Zwickau reicht und sich bis nach Stollberg und Zwönitz im Erzgebirge erstreckt, sieht er als optimales Umfeld für seine Kandidatur. "Ich bin beruflich häufig in der Region unterwegs, kenne alle Ecken des Wahlkreises und weiß daher um die Besonderheiten der verschiedenen Gegenden", sagt der selbstständige Wasserbauingenieur, der für sämtliche Fahrten sein Elektroauto nutzt.

Im Altkreis Stollberg hat er nach dem Hochwasser 2002 in sämtlichen Orten an Arbeiten zur Schadenbeseitigung mitgewirkt, war später in Limbach-Oberfrohna, Niederfrohna und in Chemnitz unterwegs, um Aufträge zum Hochwasserschutz umzusetzen. "Die Gegend zwischen Grüna und Hohenstein-Ernstthal sehe ich als einen Kulturraum, in dem ich lebe und der mir sehr nah ist", sagt er. Zur Entspannung gehe er gern mit seiner Frau in den Wäldern und über die Felder wandern. Und durch enge Kontakte zu Sachsens Umwelt- und Landwirtschaftsminister Wolfram Günther (Grüne), der in Königsfeld, nördlich von Rochlitz lebt, sei ihm auch der Landstrich sehr vertraut. "Mir ist allerdings bewusst, dass der Wahlkreis aus völlig unterschiedlichen Kulturräumen besteht", sagt er.

Deshalb hat er für jede Region eigene Ziele formuliert, die er, sollte er es in den Bundestag schaffen, angehen will. "Im Landkreis Zwickau hat sich die Automobilbranche gut entwickelt. Dort sehe ich auch eine grundsätzliche große Offenheit bei den Menschen. Diese Region gilt es weiter voranzubringen", so der Grünaer. Für den Altkreis Rochlitz ist es aus seiner Sicht entscheidend, die ländlichen Regionen besser zu fördern und anzubinden. "Man darf sich nicht nur auf die Zentren konzentrieren, sondern muss auch die kleinen Orte lebenswert halten", sagt Herrmann, der in Brandenburg, an der Grenze zu Berlin aufgewachsen ist. "Durch meine Erfahrungen aus dem Berliner Umland weiß ich, dass man die Region als Ganzes denken und dass man etwas gegen die Spaltung von Stadt und Land unternehmen muss", so der Grünen-Kandidat. "Wir dürfen nicht zulassen, dass die Menschen in ländlichen Gegenden abgehängt werden." Sorgen macht er sich, wie er sagt, um das Erzgebirge. Der Region müssten Chancen aufgezeigt werden, wie sie von der industriellen Entwicklung in Zeiten der Digitalisierung profitieren kann. "Dazu brauchen wir in vielen Bereichen eine bessere Entlohnung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer", sagt Herrmann. Gleichzeitig müsse die Region sich öffnen. "Die Demonstrationen in Zwönitz waren schlimm und die Entwicklung rund um die Stadt besorgt mich", sagt der Katholik und plädiert für mehr Anstrengungen bei der Demokratieförderung.

Toleranz, Aufgeschlossenheit, Vielfalt und frischen Wind, wünscht er sich auch für die Politik. Und steht deshalb voll und ganz hinter der Kanzlerkandidatin seiner Partei, Annalena Baerbock. "Sie ist die Richtige", sagt er und ärgert sich über die Diskussionen, die über die 40-Jährige geführt werden, nachdem Ungenauigkeiten in ihrem Lebenslauf bekannt wurden und es zu ihrem Buch Plagiatsvorwürfe gab. "Ich habe den Eindruck, dass sie einer so harten Kritik nur ausgesetzt ist, weil sie eine Frau ist. Bei Armin Laschet sollte auch so genau nach Fehlern gesucht werden", sagt er.


Biografie

Bernhard Herrmann ist 55 Jahre alt. Er wurde in Brandenburg geboren und ist dort aufgewachsen. Der

Wasserbauingenieur hat in Dresden studiert und dort seine Frau kennengelernt. Er hat drei Kinder und ein

Enkelkind. In der Chemnitzer Lokalpolitik hat er mehrere Jahre als parteiloser Politiker mitgewirkt. Seit 2018 ist er Mitglied bei den Grünen.


Ein Wahlkreis - Drei Landkreise

Der Wahlkreis 163 erstreckt sich über drei Landkreise. Diese Orte gehören zum Wahlkreis:

Mittelsachsen: Claußnitz, Erlau, Geringswalde, Hartmannsdorf, Königshain-Wiederau, Lichtenau, Lunzenau, Penig, Wechselburg, Burgstädt, Mühlau, Taura, Königsfeld, Rochlitz, Seelitz, Zettlitz

Zwickau: Callenberg, Gersdorf,

Hohenstein-Ernstthal, Oberlungwitz, Limbach-Oberfrohna, Niederfrohna

Bernsdorf, Lichtenstein, St. Egidien

Erzgebirge: Hohndorf, Jahnsdorf, Neukirchen, Oelsnitz, Thalheim, Burkhardtsdorf, Auerbach, Gornsdorf, Lugau, Niederwürschnitz, Niederdorf, Stollberg, Zwönitz


Drei Fragen an Bernhard Herrmann