320 Dittersdorfer wegen Bombenentschärfung evakuiert

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

Der Kampfmittelbeseitigungsdienst konnte die Fliegerbombe gegen Donnerstagmittag entschärfen.

Dittersdorf/Einsiedel.

Wenn es im Dittersdorfer Feuerwehrdepot klingelt, verheißt das oft nichts Gutes. Als aber am Donnerstag kurz nach 13 Uhr eine Meldung einging, waren Freude und Erleichterung groß. Denn auf diese Nachricht hatten alle gewartet: knapp 50 Kameraden und DRK-Helfer, Amtsbergs Bürgermeister Sylvio Krause, der diensthabende Kreisbrandmeister René Ackermann und nicht zuletzt Jan Hofmann. Schließlich leitete der Dittersdorfer Feuerwehrchef eine außergewöhnliche Mission, die mit der Nachricht "Bombe entschärft" ein glückliches Ende fand.

Neben dem Einsatzteam in dem Amtsberger Ortsteil fiel noch zahlreichen Einwohnern ein Stein vom Herzen. Schließlich hatten am Morgen 320 Dittersdorfer ihre Häuser und Wohnungen verlassen müssen. Hinzu kamen 352 Einwohner aus dem Südwesten von Einsiedel. Denn auf dem zwischen beiden Orten gelegenen Mühlberg war am Vortag bei Forstarbeiten eine 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe entdeckt worden. Der Fund aus dem Zweiten Weltkrieg rief Spezialisten vom Kampfmittelräumdienst auf den Plan. Deren erfolgreicher Einsatz stellte am Donnerstagmittag das letzte Puzzleteil einer aufwendigen Aktion dar.

"Weil die Vorbereitung so intensiv war, ging am Ende alles reibungslos über die Bühne", berichtet Sylvio Krause, der schon am Mittwochabend viel zu tun bekam. Zusammen mit Vertretern der Feuerwehr, der Polizeidirektion Chemnitz, des DRK und aus Einsiedel wurden das Vorgehen besprochen, das umgehend zu ersten Schritten führte.

Festgelegt wurde ein Ein-Kilometer-Sperrkreis rund um den Fundort, über den noch vor Mitternacht betroffene Bürger informiert wurden. Die Kameraden der Dittersdorfer Wehr gingen von Haus zu Haus und klärten über die Evakuierung auf, die am Donnerstag zwischen 9 und 10 Uhr anstand.

"Damit wurde die Unterbringung der Leute enorm erleichtert. Viele fanden private Lösungen, andere waren sowieso auf Arbeit. Auch für die Pflegefälle wurden Lösungen gefunden", berichtet Krause. Erst nach 1 Uhr wurde der Führungsstab aufgelöst. Zeit zum Schlafen blieb kaum, denn schon 6 Uhr stand im Feuerwehrdepot eine Lagebesprechung an. Dabei waren auch Feuerwehrleute aus Weißbach, Schlößchen und Gornau. Während Letztere den Einsatz dokumentierten, halfen die Anderen bei der Evakuierung. "Jedes Haus wurde noch einmal kontrolliert, ob sich keiner mehr drin befand. Bis 10 Uhr war alles erledigt", sagt Jan Hofmann.

Obwohl große Shuttle-Busse bereitstanden, wurde die Notunterkunft in der Dittersdorfer Turnhalle nur von fünf Menschen im Rentenalter genutzt. "Wir haben das Ganze ja schon einmal erlebt", sagt Helga Wetzel, die mit ihrem Ehemann Johannes dazu gehörte. Schon in den 1990er-Jahren war nahe des Mühlbergs, der sich gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in der Einflugschneise vieler Flieger in Richtung Talsperre Einsiedel befand, eine Bombe entschärft worden. Anders als damals, als das Ehepaar die Zeit für eine Einkaufstour nutzte, zog es diesmal die Notunterkunft vor. "In Corona-Zeiten ist alles etwas anders", sagt Helga Wetzel. Sie ärgerte sich zwar, dass sie ihre Rommé-Karten vergessen hatte. Doch dank Gesprächspartner, Lesestoff und Verpflegung in der Halle ließ sich das Warten ertragen.

Die in der Notunterkunft Untergebrachten wurden zugleich einem Corona-Test unterzogen. Zwei andere Bewohner, die schon vorher positiv getestet wurden, haben DRK-Mitarbeiter in gesonderte Räume gebracht. Während die Evakuierung hauptsächlich Angelegenheit der Feuerwehr und des DRK war, kümmerte sich die Polizei um die Absperrung betroffener Straßen.

Neben der Umleitung des Verkehrs gehörten auch andere Vorkehrungen dazu. So mussten beispielsweise die Bauarbeiten am Dittersdorfer Bahnhof eingestellt werden. Während der Entschärfung war bei allen Beteiligten in Dittersdorf und Einsiedel Geduld gefragt. Aus der Ferne zeugte nur ein über dem Wald kreisender Hubschrauber von den Arbeiten, bis kurz nach 13Uhr die erlösende Nachricht kam.

30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Testen Sie die digitale Freie Presse unverbindlich.
Erhalten Sie Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de
(inkl. FP+ und E-Paper). (endet automatisch)
 
30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)
Jetzt 0€ statt 20,99 €
00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.