Eisenbahn fasziniert noch immer

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Das 125-jährige Streckenjubiläum der Fichtelbergbahn und der 150. Geburtstag der Schienenverbindung zwischen Annaberg und Chomutov zog Hunderte Gäste ins obere Erzgebirge - jüngere und ältere gleichermaßen.

Cranzahl/O'thal.

Dampfrösser und Triebwagen haben am Wochenende eine generationenübergreifende Publikumsschar im Erzgebirge in ihren Bann gezogen. Das an drei Tagen gefeierte 125-jährige Streckenjubiläum der Fichtelbergbahn sowie der zeitgleich begangene 150. Geburtstag der grenzüberschreitenden Schienenverbindung zwischen Annaberg-Buchholz und Chomutov zeigten eindrucksvoll: Die Faszination Eisenbahn lebt im digitalen Zeitalter fort.

Zu Hunderten säumten Gäste vor allem die Veranstaltungsbahnhöfe Cranzahl, Oberwiesenthal und Annaberg-Buchholz/Süd sowie den früheren Grenzbahnhof Vejprty. Entlang der Streckenverbindungen hatten die Gastgeber der Sächsischen Dampfeisenbahngesellschaft SDG und der Erzgebirgsbahn in Zusammenarbeit mit Verkehrs- und Touristikunternehmen der Region sowie in Böhmen ein Erlebnisprogramm für alle Altersklassen vorbereitet. Und das setzte auf Information, Spaß und Unterhaltung.

Der Bahnhof Oberwiesenthal erwies sich als einer der Anziehungspunkte. Die hierher im Sondertakt verkehrenden Dampfzüge waren gefragtes Schauobjekt. Staunenden Blickes verfolgten Besucher die Tätigkeit des Lokpersonals wie Abölen, Wasser nehmen, Asche entleeren und Steinkohle bunkern. Die Aktionspunkte boten Gelegenheit, in die Orts- und Verkehrsgeschichte einzutauchen. Mitstreiter der Alten Skihasen aus Oberwiesenthal erinnerten in Bekleidung von einst und mit betagten Sportgeräten an die Bedeutung des Verkehrsmittels für Wintersport und Fremdenverkehr.

Während das Bahn-Viadukt, der Kreuzungspunkt und die Bahnübergänge von Fotografen und Videofilmern belagert wurden, hieß es vor den Werkstatttoren Schlange stehen. Dort konnten Besucher sehen, wie die Mitarbeiter des SDG hochbetagte Maschinen betriebsbereit erhalten.

Dank ihres Könnens schnaufen noch immer Dampfrösser wie die IV K 99 608. 200 PS leistungsstark, in der Sächsischen Maschinenfabrik Chemnitz, vormals Richard Hartmann, 1921 gefertigt, ist sie mit 100 Jahren die älteste betriebsfähige Dampflok im Bestand der SDG. Das wissen Fachleute wie Thomas Hempel und Carsten Jurschik zu würdigen. Aus Neugersdorf in der Lausitz waren die beiden früheren Eisenbahner per 9-Euro-Ticket angereist. "Hier wird Technik erhalten, die Heranwachsenden oft nur noch aus Büchern bekannt ist. Dass die Eisenbahn noch immer auf Schienen rollt, sich die Technologie aber weiterentwickelt, wird beispielsweise am Annaberger Smart Rail Connectivity Campus-Projekt sichtbar, wo an der Zukunft des Systems geforscht wird", sagte Thomas Hempel. Er bedauert, dass an zu vielen Orten die Kapitel der Eisenbahngeschichte zu Ende erzählt worden sind: "Heute zeigt sich, dass dieses Verkehrs- und Transportmittel wieder viel mehr als Element der Infrastruktur benötigt wird. Doch da, wo Strecken entwidmet und Gleise herausgerissen wurden, ist es zu spät, das Verlorene zurückzuholen."

Andere Eisenbahngeschichten wusste beispielsweise Holger Böttcher von den Eisenbahnfreunden aus Zwickau zum Bahnhofsfest in Cranzahl zu erzählen: "Die 1839 eröffnete Strecke zwischen Leipzig und Dresden gehörte zu den ersten in Deutschland. Und das Bestreben des sächsischen Königs Friedrich August III. war es seinerzeit, dass alle Kommunen seines Landes an die Eisenbahntrassen angeschlossen sein sollten, was meines Wissens bis auf zwei auch gelang. Damit verfügte Sachsen vor dem Ersten Weltkrieg über das zweitgrößte Bahnnetz Deutschlands."

Einigkeit herrschte bei den Veranstaltern, mit dem jetzt gefeierten Eisenbahnsommer wahrnehmbare Akzente für die Eisenbahnbetriebe gesetzt und Dampf in Sachen Eigenwerbung gemacht zu haben. "Wir sind mit der Publikumsresonanz und der Teilnahme der Aussteller sehr zufrieden", konstatierten Pressesprecherin Stephanie Arnold für die Fichtelbergbahn und Manuela Pampel, die Marketingverantwortliche der Erzgebirgsbahn Chemnitz.


Das sagen Besucher zu den Eisenbahntreffen

Moritz Teichmann (9) aus Zschopau: Das ist eine prima Veranstaltung. Wir haben eine Modellbahn zu Hause. Aber die richtige ist viel besser. Besonders E-Loks gefallen mir, obwohl die hier nicht fahren. Auch die Dieselloks machen Eindruck. Ich kenne verschiedene Modell-Typen. Die Eisenbahn ist wichtig, man transportiert viele Sachen und die Leute können mitfahren. Statt mit Kumpels baden zu gehen bin ich hier, weil solche Treffen selten sind.

Maren Brodale-Klötzer (52) aus Hennersdorf: Ich komme aus einer Eisenbahnerfamilie, mein Ex-Mann war Lokführer, mein Sohn hat den Beruf erlernt. Mich fasziniert, dass Eisenbahn mit allen Sinnen zu erleben ist, hochbetagte, unverwüstliche Dampfrösser begeistern mich. Ich habe mich in Initiativen ehrenamtlich für Belange von Personal und Technik engagiert und die Plattform Wahnsinnig & Bahnsinnig aufgebaut.

Andreas Mielke (54) aus Crottendorf: Ich bin neben dem Bahnhof groß geworden, da haben es mir Lokomotiven angetan. Beim Besuch von Eisenbahnfesten erinnere ich mich an den Technikwechsel von Dampf zu Diesel, dem zu DDR-Zeiten schon bald wieder die Dieselkraftstoffkrise folgte. Damals spielte die Bahn eine wichtige Rolle. Sie hatte für den Warenverkehr eine andere Bedeutung, war Lebensnerv in die ländliche Region hinein.

Danilo Grund (46) aus Grießbach:

Regelmäßig bin ich mit Kamera unterwegs, habe Tausende Fotos geschossen, vor allem von der Verbindung Annaberg-Vejprty-Chomutov. Nicht nur die rollende Technik, auch der Aufbau der Schienen-Infrastruktur begeistert mich. Traurig, dass die einst bedeutende Eisenbahnverbindung zwischen Sachsen und Böhmen teilweise stillgelegt worden ist. Mich freut es, dass wenigstens der Saisonverkehr rollt. (hy)

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