Was die Bürger von Michael Kretschmer wissen wollten

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Medizinische Versorgung, Straßenbau, Förderpolitik, Corona: Das Spektrum der Fragen an Sachsens Ministerpräsidenten war breit gefächert. Vieles drehte sich dabei ums Geld.

Pockau-Lengefeld.

Zwei Stunden lang hat Michael Kretschmer am Montagabend in der Aula der Oberschule Lengefeld 70 Bürgern aus Pockau-Lengefeld und den umliegenden Gemeinden Rede und Antwort gestanden. Auch im Anschluss bei Bier und Bratwurst - die Feuerwehr hatte gegrillt - diskutierte Sachsens Ministerpräsident in lockerer Atmosphäre weiter. Das Spektrum der Themen war breit gefächert.

Straßenbau: Mehrere Bürger beklagten den schlechten Zustand insbesondere von Staatsstraßen. Das unterstrich auch Landrat Frank Vogel. "43 Prozent der Staatsstraßen im Kreis sind in einem desolaten Zustand", sagte er Richtung Kretschmer. "Ja, die Qualität wird schlechter", entgegnete der Ministerpräsident. Das liege etwa daran, dass im aktuellen Doppelhaushalt des Freistaates deutlich weniger Geld für den Straßenbau eingestellt wurde, als die Jahre zuvor. Der Koalition sei das Bildungsticket wichtiger gewesen, das im Jahr 50 Millionen Euro kostet. Damit können alle Schüler kostengünstig in Sachsen Bus und Bahn fahren. "Ich werde mich aber dafür einsetzen, dass im Doppelhaushalt 2023/24 wieder deutlich mehr Mittel für den Straßenbau enthalten sind", sagte Kretschmer.

Freibad: Elke Schmieder aus Lengefeld fragte, ob es vorgesehen ist, dass es in Sachsen für Schwimmbäder wieder Fördermittel gibt. Um das Lengefelder Freibad zu sanieren sind laut Bürgermeister Ingolf Wappler mehr als zwei Millionen Euro nötig. Über das Programm "Vitale Ortskerne" hätte die Stadt nur 500.000 Euro erhalten - zu wenig. Eine sofortige Antwort dazu hatte Kretschmer nicht parat. Er versprach jedoch, das Thema mitzunehmen.

Schule und Corona: "Führt die Landesregierung ab dem neuen Schuljahr wieder die allgemeine Schulpflicht ein?", wollte Bernd Kaden, Leiter der Oberschule Lengefeld wissen. Fünf Prozent seiner Schüler seien derzeit noch zu Hause. "Ich will es hier nicht versprechen, aber wir möchten schon gern mit Präsenz wieder beginnen. Dafür müssen wir die Voraussetzungen schaffen", betonte Kretschmer. So soll in der ersten Woche des neuen Schuljahres in Größenordnungen getestet werden. Ob Masken nötig sind, müsse man sehen. Lüftungsanlagen in Schulen seien nicht schlecht, aber kein Allheilmittel gegen Corona. Das sieht Kretschmer nur im Impfen. "Wir brauchen eine Impfquote von 70 bis 80 Prozent. Dann ist alles kein Problem mehr", sagte er. Einen neuerlichen Lockdown werde es in Sachsen nicht geben. Dieser sei keine Form der Pandemiebekämpfung, sondern ein Eingeständnis des Scheiterns.

Hausärzte: Dr. Gert Schröder aus Pockau kritisierte, dass er bereits acht Jahre nach einem Nachfolger für seine Praxis sucht, aber niemanden findet. Das Thema Hausärzte sei ein Problem, gestand der Ministerpräsident ein. Junge Ärzte wollten nicht 60 bis 70 Stunden arbeiten und sich auch nicht sofort selbstständig machen. Hoffnung verbindet Kretschmer mit der Einführung einer Landarztquote.

Umwelt: Dr. Reiner Wohlgemuth aus Marienberg kritisierte den Stillstand bei Windkraftanlagen in Sachsen. Konkret sprach er ein geplantes Projekt mit zwei Anlagen zwischen Görsdorf und Forchheim an. Der Windkraftausbau sei zum Erliegen gekommen, weil der Widerstand in der Bevölkerung sehr groß ist, erläuterte Kretschmer. Das liege daran, dass Anwohner darin keinen unmittelbaren Nutzen für sich sehen. Deshalb sei eine Umlage pro erzeugter Kilowattstunde für die Gemeinden geplant, in der Anlagen stehen. "Damit ändert sich vielleicht die Einstellung dazu", hofft Kretschmer.

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