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Betterov: Der Retter unserer wunden Herzen

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Sänger feiert mit Konzert in Leipzig seine Wurzeln - und brilliert mit Songkunst im zu kleinen Haus.

Postpunk.

Ein guter Song ist ein guter Song ist ein guter Song. Eigentlich eine Binse, trotzdem eine oft missverständliche Aussage. Denn meist ist ja nur gemeint: Ein Song, der mir gefällt! Derlei bringen viele Künstler zustande. Aber so ein richtig guter Song? Einer, der einfach in allen Varianten, in den schrägsten Interpretationen funktioniert? Das ist selten. Betterov, der eben aufsteigend massenpopkompatible Stern am deutschen Postpunk-Himmel, hat allerdings massig davon. Genauer gesagt: Eigentlich ist fast jedes seiner bisher veröffentlichten Stücke ein solcher Volltreffer.
Sagen lässt sich das nach dem Konzert, dass Betterov am Sonntagabend bei seiner "Olympia"-Tour im Leipziger "Naumanns" gab, der rappelvollen kleinen Nebenbühne des legendären Felsenkeller.

Konzert in "Schweiß-von-der-Decke"-Version

Denn seine Songs haben dort eine sagenhafte Wirkung entfaltet - vor allem unter Berücksichtigung der Umstände: Die allermeisten Konzerte dieser Gastspielreise mussten wegen der großen Resonanz auf das in der Tat sensationelle Debütalbum in größere Klubs hochverlegt werden, wo Breitwandpop funktioniert. Doch im Felsenkeller trat zur selben Zeit schon Olaf Schubert auf. Also gab es den Betterov-Postpunk eher á la Fliehende Stürme in der körnigen, engen "Schweiß-von-der-Decke"-Version - mit räudigem Sound, sodass der Tonmann die Band quasi auf Groove, wenige Marker-Licks und Stimme zusammenkürzen musste. Was passiert da also mit der eigenartig treibenden Viertelballade "Schlaf Gut"? Die Band macht daraus einen derben In-die-Beine-Knüppel, der die Seele gleich mit lädiert. Gleiches Spiel mit den Schmerzensnummern "Nach Hause" oder "Urlaub im Abgrund": Betterov passt die Nummern einfach an, und sie schillern trotzdem, nur eben ganz anders als auf Platte.

Nicht genug Songs und trotzdem packend

Hier kann man nachspüren, wie das Gesamtmaterial vom Album wie der EP "Viertel vor Irgendwas" entstand, wie es geboren wurde und aufwuchs, wie es auf den kleinsten Bühnen reifte und nun für den Durchbruch taugt. Alles sehr eigen, sehr passend in dunkler Lebendigkeit entfesselt. "Dussmann" und den Titelsong der EP gibt es sogar zweimal; Solo am Klavier und noch mal mit vollem Besteck: Betterov hat einfach noch nicht so viel Material für eine abendfüllende Show. Und es packt, jedes mal als eine andere, gültige Version. Diese Songs sind eben eigene beseelte Wesen. Auf jemanden wie Betterov hat man in den letzten deutschen Indie-Jahren ja fast nicht mehr zu hoffen gewagt. Aber nun ist er ja da - was für ein Glück!