Caspar David Friedrichs "Morgennebel" unterm Hammer

Ein bislang unveröffentlichtes Aquarell des berühmten Künstlers wird heute in Chemnitz versteigert. Die Auktion gestattet dabei einen Blick hinter die Kulissen einer weltweiten Kunstsammlerszene.

Chemnitz.

Das sind wohl die Sternstunden im Leben eines Kunsthändlers: Ein bisher unveröffentlichtes Aquarell von Caspar David Friedrich wird heute im Chemnitzer Auktionshaus Heickmann versteigert. Mindestgebot: 35.000 Euro - bei denen es aber ganz gewiss nicht bleiben wird, vermutet Inhaber Ansgar Heickmann. Das kleine, nur 12,6 mal 20,8 Zentimeter große Blatt, entstanden bei einer Reise ins böhmische Riesengebirge am "16 t May 1828" - so ist es mit der Künstlerhand datiert. Und, selten bei Zeichnungen von Friedrich: Der Maler hat der mit Bleistift und Tusche gezeichneten, farbig aquarellierten stillen, sanft melancholischen Landschaft sogar einen Titel gegeben: "Morgennebel", der über Wiesen und Feldern schwebt, die Bergkette im Hintergrund nur ahnen lässt.

Die Authentizität der Arbeit bestätigt ein Gutachten des Friedrich-Experten Prof. Helmut Börsch- Supran, der auf die gut dokumentierte kurze Reise des 1774 in Greifswald geborenen, 1840 in Dresden gestorbenen Künstlers verweist, in deren Zusammenhang 15 Aquarelle und eine Federzeichnung entstanden, wovon das Chemnitzer Blatt noch nicht publiziert worden sei. Vom selben Tag gibt es ein zweites Aquarell des Malers, das sich im Kunstmuseum Kopenhagen befindet.

Der "Morgennebel" aber kommt nun, zumindest für kurze Zeit, wieder in seine Heimat zurück, freut sich Ansgar Heickmann, denn es entstamme der Sammlung eines Chemnitzer Kunsthändlers. 1902 wurde im aufblühenden "sächsischen Manchester" die Galerie Gerstenberger eröffnet, um der wachsenden Nachfrage des wohlhabenden, gebildeten Bürgertums nach anspruchsvoller Kunst nachzukom-men. Für die qualitativ hochwertige Auswahl der Kunstwerke war später vor allem Wilhelm Grosshennig (1893-1983) zuständig, ab 1930 auch Mitinhaber der Galerie. Nach der Zerstörung der Ausstellungsräume am Ende des Zweiten Weltkriegs gab er die Kunsthandlung auf, übersiedelte nach Westdeutschland, wo er 1951 eine eigene Galerie gründete, die sich ebenfalls einen guten Namen machte. Heickmann vermutet, dass das Friedrich'sche Aquarell schon in Chemnitz in die private Sammlung des Kunsthändlers Grosshennig gelangte. Da die Familie keine direkten Nachkommen hatte, wurde die Sammlung aufgeteilt, Arbeiten daraus immer mal wieder dem Kunstmarkt angeboten. So gelangte auch das Aquarell "Morgennebel" aus einer Erbengemeinschaft nach Chemnitz. Keine Selbstverständlichkeit, denn eine Arbeit des berühmten Romantikers hätte man auch in größeren Städten versteigern können, aber ein Zeichen des Vertrauens zu dem Chemnitzer Auktionshaus, wie Ansgar Heickmann nicht ohne Stolz vermerkt.

Es ist nicht das erste Mal, dass er solch ein besonderes Werk angebo-ten bekam. "Dann beginnt die Arbeit für uns erst", sagt er. Mit seinen sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, allesamt Kunsthistoriker, gilt es, die Arbeit zu prüfen und bekannt zu machen, dass sie angeboten wird. Für das Caspar-David-Friedrich-Aquarell hätten etwa 100 Menschen ihr Interesse bekundet, weltweit gäbe es rund zehn hochkarätige Friedrich-Sammler.

Dass es tatsächlich durch ein Gebot im Auktionssaal verkauft wird, glaubt Heickmann übrigens nicht, er rechnet eher mit einem telefonischen Gebot. Welchen Preis er erwartet, verrät er nicht, kann aber schon auf einige sehr erfolgreiche Versteigerungen verweisen. So habe er einmal eine Märklin-Eisenbahn für mehr als 80.000 Euro verkauft, einen Stuhl von dem Bauhaus-Künstler Marcel Breuer für 65.000 Euro. Sehr zur Freude der Besitzer natürlich. Und, sagt Heickmann, solche besonderen Objekte "bringen Leben in die Bude", in der auch schon Grafiken ab 20 Euro im Angebot sind. Die vier Auktionen im Jahr erbringen etwa die Hälfte des Umsatzes, "50 bis 60 Prozent Umsatz machen wir online." Schwerpunkt des Auktionshauses ist Porzellan, aber eben auch Kunst und Schmuck, "oft aus der Region", sagt Ansgar Heickmann und verweist darauf, dass auch diese kleinen oder großen Schätze für ihn ein Teil des positiven Bildes von Chemnitz sind, das leider in den vergangenen Wochen Schaden genommen habe. Dass er aber ein Werk von Caspar David Friedrich versteigern wird, "passiert nur einmal in meinem Leben", vermutet Auktionator Heickmann.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...