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City: "Die letzte Runde"

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Jahres-Charts.

Geplant oder nicht: Jede Band hat irgendwann ihr letztes Album. Bei den Ostrockern City passierte das allerdings geplant - nach einem sagenhaften halben Jahrhundert. Mit großem Doppelkonzert soll nun in Berlin Ende Dezember der Vorhang fallen. Das war nicht von vornherein so vorgesehen, doch der Tod von Gründungsmitglied Klaus Selmke im Jahr 2020 und Corona signalisierten der DDR-Band, das runde Jubiläum für einen Abschieds-Paukenschlag zu nutzen: Gleich zwei Live-Touren, eine eigene Fernsehshow, Buch und eben das letzte Doppelalbum. Dieses zelebriert als "Die letzte Runde" einerseits nochmal große City-Hits im feierlich-sinfonischen Gewand und angereichert mit allerlei prominenten Wegbegleitern. Ja, dieser Pomp kleidet einen Jahrhunderthit wie "Am Fenster" nicht schlecht, aber auch angemessen erwartbar.

Spannend wird es dagegen bei den 13 neuen Songs im Hauptteil der Platte: Die wollen sich nicht auf Sentimentalität einlassen: Reflexion ja, unnötiger Rückblick nein - City zeigt. dass man bei allem Ostrock-Kult doch nicht aus der Zeit gefallen ist. Die Einheit aus Toni Krahls Charakterstimme, Fritz Puppels schnurrender Gitarre bleibt spätestens, wenn Georgi Gogow seine Geige einstreut, auch gesamtdeutsch unverwechselbar. Mal neigt sich das ins Bluesrockige, mal ist es so eingängig, das auch Schlagerfans mitwippen. Mindestens so hervorstechend ist, dass die Texte schreiben, die weder altersmilde noch peinlich angestemmt daherkommen, sondern würdig ihren Beitrag zur Zeit besingen. "Musik gepaart mit Haltung" nennt die Band das selbst, und geben dabei jüngeren Kollegen mit auf den Weg, dass sich die alten Hasen das auch für die musikalische Zukunft ohne City wünschen. Und da halten sie statt dem Zeigefinger lieber Optimismus ihren hoch: "Es gibt nichts, das uns hindert, besser zu sein!"

Unsere Jahrescharts wurden von den Musikkritikerinnen und -kritikern der "Freien Presse" zusammengestellt. HIER finden Sie alle bisherigen Platzierungen.

www.freiepresse.de/alben22