Sollte Knorkator wirklich vernünftig sein?

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Das neue Album der Berliner ist ein typisches Produkt ihrer "zweiten Phase": Sehr geil, sehr cool, ABER ...

Kult.

Was sollte die Menschheit nur tun mit all ihren Milliardären, die in der gleichnamigen Single zum neuen Knorkator-Album als Psychopathen identifiziert werden? "Nein, wir töten Euch nicht und wir sperr'n Euch nicht ein / im Gegenteil, ihr werdet Millionäre!" Und schwupps, schon ist da wieder einer dieser kultigen Gedankenmomente, für die man die Berliner Rock-Chaoten im Zweifel seit Anbeginn ihrer Karriere so dolle lieb hat: Infantil
getarnte Schlaumeiereien mit oft quasi-philosphischen Perspektivwechseln gehören neben einer hohen Musizierkunst in großartig-verquerem Songwriting, irgendwo zwischen Hau-Drauf-Grooves und musicaleskem Pathos, seit jeher zum Knorkator-Markenkern.
Zuerst einmal also Entwarnung: Ja, davon gibt es auch auf Album Nummer neun noch reichlich, und das ist ja auch die eigentliche Leistung der Band um Alf Ator, Stumpen und Buzz Dee: eine Ansich-Ulk-Kombo seit 1997 (!) so quicklebendig und beständig unterhaltsam zu halten. Aber, Fans wissen das, es gibt ein "Aber": Seit der Abtauch-Pause zwischen dem großartigen "Nächsten Album aller Zeiten" von 2006 und "Es werde nicht" (2011) haben die alten Herren eher Würde. Die neuen Platten sind entsprechend gesetzter, und zwischen gut gezündeten Hits wie "Zähneputzen, Pullern und ab ins Bett" oder "Du nicht" ist halt auch einiger Füllstoff durchzuhören. Das macht auch fein Spaß, immerhin sind Knorkator nicht nur als Gesamtphänomen, sondern eben auch in den Details klasse. Doch sie erreichen eben nicht mehr die Kultigkeit der ersten Bandphase. Auch nicht auf "Sieg der Vernunft": Vernünftig will man die Truppe halt nicht recht - aber Skurrilitäts-Nachbauten wie "Die Welt wird nie wieder, wie sie vorher war" (ein Komet aus Scheiße fliegt auf die Erde zu) passen auch nicht mehr. Es ist wie bei den letzten Alben: Schon sehr fein alles, aber ... Ach, verdammt! Drück einfach nochmal auf Play!

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