Schon wieder schwanger? "Da seid ihr ja todesmutig." "Wie viele plant ihr denn noch?" So klangen einige Reaktionen, als ich erzählte, dass wir unser drittes Kind erwarten. Beim ersten sagten die Leute noch "Herzlichen Glückwunsch" oder "Das freut mich". Aber mehr als zwei Kinder gehören sich in Deutschland offenbar nicht.

Auch in Kinderbüchern gibt es immer nur Zwei-Kind-Familien. Anders in alten Büchern. So zeigt Astrid Lindgrens Klassiker "Ich will auch Geschwister haben": Ein großer Bruder kann viel besser seine Eltern mit einem Baby teilen, wenn er schon eine Schwester hat und mit ihr Kissenschlachten veranstalten kann. Ich werde also unsere Großen mit ausreichend Kissen ausstatten, und die Sache ist geritzt.

Natürlich gibt es auch positive Reaktionen: Lächeln, Umarmungen. Und mehr als einmal ein fröhliches "Ach ja? Wir auch!" Inzwischen habe ich das Gefühl, dass auch alle anderen ein drittes Kind vor sich hertragen. Die Statistik gibt das allerdings nicht her: Zwar steigt die Geburtenrate, aber die Familien werden nicht größer. Doch zumindest in unserem Umfeld gibt es viele "große" Familien. Diese Verrückten haben ein paar Dinge gemeinsam: Ein ausreichendes Einkommen, einen höheren Bildungsabschluss, gute Kinderbetreuungsmöglichkeiten und eine relativ große Wohnung.

Andererseits wieder die Statistik: Menschen mit geringer Bildung oder Migrationshintergrund bekommen häufiger viele Kinder als deutsche Akademiker. Für Letztere scheint das Kinderkriegen keine Selbstverständlichkeit zu sein, sondern ein kompliziertes Projekt. Frühförder-Wahnsinn, teure Babyausstattung, Glaubenskriege um den "richtigen" Erziehungsstil - Familien lassen sich von allen Seiten unter Druck setzen. Etwas mehr Gelassenheit wäre gut. Der Liedermacher Reinhard Mey hat auch nicht geweint, als seine Kleine ihr Töpfchen ausleerte, der Mittlere eine Riesenportion Negerküsse auskotzte und der Große seine Geschichtsarbeit beichtete. Stattdessen schrieb er das schöne Lied "Aller guten Dinge sind drei". Erst als seine Frau sagte: "Na, überleg es dir. Vielleicht sind aller guten Dinge auch …" brach der hartgesottene Vater zusammen.

Wahrscheinlich wird's mir auch so gehen. Aber ich wehre mich gegen die Angst und den Druck, alles richtig machen zu müssen. Als Mutter reihe ich einen Fehler an den nächsten. Aber wenigstens dreimal in unserem Leben haben mein Mann und ich etwas richtig gemacht. Und deshalb gilt für uns: Aller guten Dinge sind drei!

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