Am Ittelmeer

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Ellen ie ich einen ext or, ei em alle Anfangskonsonanten ehlen. Ierig u erstehen, oder? Aus demselben Grund ist unser Kleiner manchmal schwer zu verstehen: Weil er in der Mitte des Worts mit Reden anfängt. Als er allerdings ruft "Ich will im Ittelmeer immen!", verstehe ich ihn. Wellen- und willenlos liegt es vor uns, das langweiligste Meer der Welt. Die kroatische Adria ist der sauberste Teil des Mittelmeers, habe ich in einer Online-Enzyklopädie gelesen. Und frage mich, ob das auch noch gilt, nachdem unsere Kinder drin waren. Wobei – der Mittlere geht eh nicht ins Wasser. Es ist ihm zu warm. Außerdem muss er noch den einen oder anderen Brand löschen.

Es geht in diesem Urlaub oft um Wasser. Der Balkan verfügt ja über ein weit verzweigtes Netz von teilweise unberührten Fließgewässern. Fließgewässer gibt es auch manchmal im Zelt, denn der Kleine trägt keine "Indel" mehr.

In der ersten Urlaubswoche waren wir in den slowenischen Alpen. Neben Gebirgsbächen gab dort mehrere temporäre Stehgewässer. Auf dem Campingplatz. Diese sogenannten "Pop-up-Seen" standen meist im direkten zeitlichen Zusammenhang mit ausgeprägten Niederschlägen. In Kroatien dagegen sucht nicht das Wasser uns, sondern wir suchen das Wasser. Denn ohne Abkühlung fühlt man sich bald wie ein gebratenes Steak, Zubereitungsart "well done". Zum Glück gibt es neben der gemeinhin als Mittelmeer bekannten Badewanne auch noch einen Pool. Dort versucht die Achtjährige, den dank Corona ausgefallenen Schwimmunterricht eines kompletten Schuljahres nachzuholen. Dagegen darf der Kleine nicht mit dem Kopf ins Wasser. Denn er hat es geschafft, rückwärts aus dem stehenden Auto zu fallen und sich dabei die Stirn aufzuschlagen. Zwischen beiden Ereignissen lag ein eleganter Rückwärtssalto. Die Blessur hinderte ihn übrigens nicht daran, am selben Tag bei der Wanderung durch eine Schlucht, in der schon Winnetou sein Eis am Stiel aß, Felsen hochzuklettern - natürlich ohne Seil. Zur Beruhigung hörte ich mir das Open-Air-Konzert der Zikaden an. Die haben mit unseren Kindern etwas gemeinsam: Man hört sie, lange bevor man sie sieht.

Im Übrigen war dies womöglich unser letzter Zelturlaub. Nächstes Jahr fahren wir in ein Seniorenhotel. Schließlich ist Familie Hommel gerade 100 geworden. Der dritte Geburtstag des Kleinen machte die Summe komplett. Meine Kinder fühlen sich allerdings noch gar nicht so alt. Und ich? Dazu möchte ich lieber schweigen.

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