Ich bin Dienstleister und leiste am laufenden Band den Dienst, den mir vorher jemand aufgedrückt hat wie einen Keksstempel. Gerade habe ich Schreibdienst und muss hier dringend etwas schreiben. Wenn ich diesen Dienst nicht hätte, würde ich wahrscheinlich auf dem Sofa liegen und Netflix gucken.

Nun war Samstag, und Kind 1 und Kind 2 wollten unbedingt ins Spaßbad. Fand ich jetzt nicht schlecht, denn so käme ich ein Weilchen raus aus meiner Dienstleisterrolle. Etwas später saß ich in einem Auto voller Spaßhaber, weil Kind 1 und Kind 2 dringend ihre besten Freunde mitnehmen wollten. Und schon war ich wieder Dienstleister, ich war ja der Fahrer. Mir war das ganz Recht. Ich packte mir ein Buch ein. Ich wollte schon immer mal mein Handtuch auf eine dieser verpilzten Liegen werfen, Chlorgeruch inhalieren und dabei so lange lesen, bis mir die Augen zufallen.

Den Kindern sagte ich, dass sie sich nun gegenseitig hätten und mich nicht mehr bräuchten. Dann schob ich meine Liege an den Beckenrand. Ich hatte sie im Auge, die Kinder. Und die Erwachsenen. Erwachsene stehen meistens wie Henkelvasen in Spaßbädern. Die Hände in die Hüften gestemmt, Hohlkreuz, die Beine bis zu den Knien im Wasser. Gelegentlich schimpfen sie die Kinder im Becken aus, weil die nicht spritzen sollen. Bevorzugt machen das Frauen, wegen der Frisur und der Schminke. Sie stehen in der großen Spaßbadewanne wie Gesamtkunstwerke der Kosmetikindustrie und haben Angst vorm Wasser.

Ich lag da und las mein Buch, sieben Sätze vielleicht. Dann kam Kind 2, atmete aus, atmete ein und sagte: „Mama, du kannst jetzt hier nicht lesen!“ Kind 2 hatte mich, also den Dienstleister, aus der Pause geholt, weil es dringend jemanden von der Security, also mich, brauchte. Denn: Meine Spaßhaber waren alle zusammen in einen Streit mit Jugendlichen verwickelt. Die großen Jungs hatten ihnen ihren Gummireifen geklaut, was ich als Riesenschweinerei empfand. Ich ging ins Wasser. Ich watete durchs Nichtschwimmerbecken, machte vor den Jugendlichen die Henkelvase und forderte den Reifen zurück. Anschließend blieb ich bei den Kindern und garantierte den reibungslosen Ablauf ihres Badevergnügens. Dann hatte ich Pause und glitt in den Whirlpool. Aber der war heiß, und die anderen, die darin saßen, waren schon durchgegart. Ich flüchtete und ging mit den Kindern rutschen. Abends auf der Heimfahrt gab Boni eine Runde Kekse aus. Boni, der Kumpel von Kind 1. Boni fragte mich: „Willst du auch einen?“ Ich hätte fast geheult vor Freude.

Weitere Blog-Einträge