Ich will der Natur zwei Leute vorstellen. Es handelt sich um Kind 1 und Kind 2. Hier eine kurze Beschreibung. Sie gehören zur Gattung der Grundschüler, spielen am liebsten im Rudel das Fangespiel „Polizei und Dieb“, wischen schmutzige Hände an den Hosen ab und finden, dass das Wandern eine Sache für Scheintote ist. Da rief die Wandersfrau an, mit der ich befreundet bin, und schlug vor, gemeinsam durch den Wald zu spazieren. Kind 1 und Kind 2 willigten ein, was damit zusammenhängt, dass die Wandersfrau ebenfalls zwei Grundschüler aufzieht.

Es ist so romantisch. Ich werde den Kindern Rehköttel zeigen und Fichtenzapfen, die von Eichhörnchen abgenagt wurden. Sie werden glücklich hüpfen und Frühlingslieder singen, die Kinder. Wie hat Franz Kafka gesagt? Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.

Kind 1 hält einen Papierflieger in den Händen, den es immerzu starten lässt. Bereits auf Kilometer eins landet der Flieger auf einer Kuhweide. Der Zaun steht unter Strom, von den Rindviechern weiß ich es nicht. Kind 1 möchte mich opfern und bittet mich, seinen Flieger zu holen. Ich weigere mich, weil ich keinen Ratsch kassieren möchte. Außerdem ist es nur ein Papierflieger. Daraufhin geht Kind 1 in den Sitzstreik. Kind 2 setzt sich daneben und beginnt, über den Proviant im Rucksack herzufallen. Es habe solchen Hunger, sagt Kind 2. Schließlich gelingt es mir, den Papierflieger mit einem langen Stock herauszufischen, und wir gehen weiter.

„Meine Hose reibt“, wimmert die Tochter unserer Wandergruppenleiterin. „Ich habe die gleiche Hose, sie reibt auch“, wimmert Kind 2. Die Mädchen gehen ab sofort breitbeinig in kleinen Schritten, dann tragen wir sie huckepack. Ein paar Hundert Meter, bis wir auf einem Picknickplatz unter der Last zusammenbrechen. Unser Proviant besteht aus Apfelstücken und Brot. Den Rest hat Kind 2 an der Kuhweide verzehrt. Was dazu führt, dass Kind 1 gar nicht gut auf die Schwester zu sprechen ist und sie als Kuh beschimpft. Darüber geraten die Schwester und die Tochter der Wandergruppenleiterin so in Rage, dass sie vergessen, dass ihre Hosen reiben, und einen zügigen Schritt vorgeben. Nach einer Weile holt Kind 2 seine Puppe aus dem Rucksack. Die Freundin tastet ebenfalls in ihren Rucksack, greift aber ins Leere. Sie stellt fest, dass ihre Puppe noch an der Kuhweide liegen muss, und kreischt. Wir laufen zurück, die Puppe ist noch da. Seitdem läuft es. Und wenn wir uns nicht verlaufen haben, dann wandern wir noch heute.

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