Habe Kind 1 und Kind 2 erfolgreich überredet, ins Ferienlager zu fahren. Geringes Risiko. Das Camp liegt im Nachbardorf, und ihre Freunde reisen mit. Mein Sohn fühlte sich zunächst ungeliebt und verstoßen, als ich ihn fragte, was er im Sommer von ein paar Tagen Urlaub von Mutter und Vater halten würde. "Kannst du vergessen", sagte er.
"Ich gebe dir ein Telefon mit", sagte ich.

"Yippie, endlich ein Telefon", sagte Kind 1. Unter diesen Bedingungen erklärte sich der Junge bereit, die Reise anzutreten. Ich packte zwei Köfferchen für Kind 1 und Kind 2, überreichte ihnen feierlich ein sehr, sehr, sehr altes Mobiltelefon und schenkte ihnen den Satz, ich sei nun sehr, sehr sehr stolz auf Kind 1 und Kind 2. Falls es Lager-Kummer gäbe, könnten sie mich hiermit rund um die Uhr erreichen.

Kind 2 hielt das Handy für einen bösen Scherz aus der Spielzeugkiste. Es wischte über den kleinen, schwarz-weißen Pixelbildschirm. "Das geht gar nicht!", schimpfte das Mädchen. Ich lächelte mein Mutter-Lächeln verwies auf die schwarzen Tasten unter dem Display. Wenn man die drücke, passiere etwas auf dem Bildschirm. Wie bei einem richtigen Computer, nur eben kleiner. Dann lächelte ich wieder mein mütterliches Lächeln und lobte den zuverlässigen Akku des Telefons, was in Kind 1 mehrere Explosionen entzündete. Es stellte sich heraus, dass sich der Junge ein anderes Handy als individuellen Reisebegleiter vorgestellt hatte.

"Hmmppff", machte seine jüngere Schwester, rollte die Augen und stopfte Gummibärchen ins Köfferchen. Kind 1 wollte das Ferienlager stornieren. Zog diese Stornierung aber zurück, weil Kind 2 erklärte, dann fahre es allein. Ätsch.

Etwas später, erster Anruf aus dem Sommercamp. Kind 1: "Hier gibt es keine Apfelschorle!"
"Dann trink das, was es gibt."

"Na gut, tschüss!"

Sieben Minuten später, Kind 1:

"Wo ist meine Badehose?"

"Im Koffer. Alles ist im Koffer."

"Na gut, tschüss!"

Eine Minute später, Kind 2:

"Hallo! Hier ist der Pizzaservice. Wir sind leider verreist, Sie müssen selber kochen. Und tschüss!"
Mein Mann holte sich ein Bier, legte die Füße auf den Tisch und erklärte, er hätte den Kindern niemals ein Telefon mitgegeben. Aber ich sei sowieso unbelehrbar und jetzt bitteschön. Es klingelte dann erst am Abend wieder.
Kind 1: "Das Telefon hat ja sogar einen Wecker. Geht der?"

"Das geht alles mit dem Handy!"

53 Sekunden später, Kind 1:

"So. Wecker ist auf Mitternacht gestellt. Wir feiern dann Party mit Zimmer drei, fünf und sieben. Ich ruf dich dann an um Mitternacht!"

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