Filmabend-Frust

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Das ist anstrengend. Keiner kann sich vorstellen, wie viel Kraft es kostet, einen geeigneten Familienfilm zu finden. Die Unterhaltungsbranche hat einen Kieselsteinhaufen ins Netz geschüttet, und Woche für Woche machen wir Mütter und Väter uns auf, um in diesem Haufen einen geschliffenen Diamanten zu suchen.

Meine Filterkriterien sind schwammig und lassen jede Menge Handlungsspielraum. Ich möchte bitte einen Film, der Jung und Alt kitzelt und kein Narkosemittel für Männer ist. Denn der Vater kippt zur Seite und beginnt zu schlafen, wenn ihn der Streifen nicht in den ersten zwölfeinhalb Minuten reinzieht. Das ist schwierig. Viel anstrengender, als im Wald Pilze zu finden und am Ostseestrand Bernsteine. Bei den Pilzen sucht man zwar lange. Aber wenn man sich nicht ganz blöd anstellt, erkennt man ziemlich schnell, welcher Pilz ein guter Pilz ist. Und beim Film: neunzig Minuten warten auf den schönen Moment, und dann kommt schon die Schrift. Neunzig sinnlose Minuten, weggeknuspert vom Früchtebrot des Lebens. Das ist nicht nett. Aber wahrscheinlich habe ich mich filmtechnisch sowieso in der Zeitschleife verlaufen. Der Wunsch nach Selbstverwirklichung findet seit Netflix auch freitagabends vor dem Fernseher statt.

Ich fand es als Kind schön, die Wochenendabende vor dem Fernseher zu verbringen, ganz im Halbkreis der Kernfamilie, also mit dem eigenen Hausstand. Das war allerdings in einer Zeit, als der Fernseher noch keine Fernbedienung hatte. Er bestand aus einer fetten, gepixelten Röhre und sechs Knöpfen. Heute wäre mein Filmabend wahrscheinlich nur durch professionelle Hilfe zu retten. Ein Filmredakteur könnte mir jeden Freitag eine Mail mit seinen Filmtipps schicken, die er auf uns zugeschnittenen hat. Ganz schlicht. Ein Film für Freitag, einer für Samstag.

Aber so schnell gebe ich nicht auf. Zuerst habe ich am Freitagabend das Testbild auf unser Fernsehgerät gestreamt und eine Weile mit Ton laufen lassen. Kind 1 und Kind 2 haben mich angeschaut, als hätte ich eine Katze überfahren. Im nächsten Schritt habe ich meine Kinder bedauert, dass die Filmindustrie sie dermaßen rücksichtslos zumüllt und es ihnen praktisch nicht möglich macht, einen entspannten Fernsehabend zu verbringen. Geschweige denn, ein Gefühl fürs Sofasitzen zu entwickeln. Anschließend nahm ich die Fernbedienung und ließ eine Filmvorschau laufen, irgendwas mit Hunden. Dann schauten wir den Film an und freuten uns, dass Freitag ist.

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