Kinder sind schön, aber manchmal ein bisschen unpraktisch. Gerade räume ich die Spülmaschine aus, während Kind 1 und Kind 2 auf dem Sofa liegen und Lucky Luke gucken. Ich würde auch gerne auf dem Sofa liegen. Aber ich bin hier die einzige, die lang genug ist, um das saubere Geschirr in die Hängeschränke zu stopfen. Meistens versuche ich, den Spülvorgang so hinzuzaubern, dass er dann fertig ist, wenn mein Mann allein daheim ist. Dann muss er das Ding ausräumen. Egal jetzt.

Das Besteck könnten sie schon in den Besteckkasten sortieren. Kind 1 und Kind 2 fühlen sich aber im Moment zu müde für Hausarbeiten aller Art. Außerdem sei Kinderarbeit streng verboten. Erst recht nach Einbruch der Dunkelheit, sagt Kind 1 und bittet darum, die Abendmahlzeit ans Sofa bestellen zu dürfen. Vielleicht schenke ich ihm zum Geburtstag ein rotes Gewerkschaftsfähnchen und eine Trillerpfeife.

Ähnlich scheiterte ich bei dem Versuch, die jungen Mitglieder dieses Haushalts bei der Autopflege einzubeziehen. Sie polierten beherzt, mal hier und mal da. Leider hatten sich in ihren Läppchen kleine Steinchen eingenistet.

Unpraktisch ist es auch, sie in diesem Auto sich selbst zu überlassen, während man mal eben durch die Bäckereitür schlüpft. Gelegenheit macht Hiebe. Kind 2 schwamm in Tränen, als ich zurückkehrte. Kind 1 streckte mir den rechten Arm entgegen und verwies auf einen Kratzer auf der Haut.

Während ich Brot kaufte, war über Kind 1 und Kind 2 ein Gewitter aufgezogen. Man habe sich nicht darüber einigen können, ob Hundekind Helga nun zum Streicheln seiner Box entnommen werden dürfe oder nicht. Das Spannungsfeld entlud sich irgendwo zwischen Faust und Fingernagel. Die Wahrheit ist, dass sich Brüderchen und Schwesterchen hin und wieder am liebsten gegenseitig in ein Reh verzaubern würden. Oder in einen Frosch.

Bei solchen Vergehen versuche ich, sie mit Strafen zurechtzubiegen. Immerhin bin ich Pazifist und lehne auch Fingernagelgewalt im Kindesalter kategorisch ab. Also: zwei Wochen Fernsehverbot. Zur Wiedergutmachung bot ich an, Fernsehtage freizukaufen, indem sie zwei Wochen lang dreckiges Geschirr in den Spüler räumen. Ich hoffte auf einen gewissen Gewöhnungseffekt. Hat funktioniert. Sie räumen alles ab, was herumsteht. Ich bin gerührt. Gerade wie vom Donner und zu Tränen, weil noch die sauberen Sachen in der Spülmaschine stehen.

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