Kuscheln gegen die Energiekrise

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Endlich beginnt sie wieder, die gemütliche Jahreszeit. Der Herbst hat sich inzwischen per Kalender die Legitimation für sein Betragen geholt. Die Kinder kuscheln sich in die Schulbänke, damit es ihnen wärmer wird, und selbst die Viren drängen sich dicht aneinander. Dabei scheinen sie keinerlei Berührungsängste zu haben. Längst wollen die Coronaviren nicht mehr die Alleinherrscher sein. Gerne teilen sie sich mit diversen Erkältungsviren die Bühne, die feuchten Handinnenflächen oder auch die abgestandene Büroluft.

Da wird es Zeit, dass auch die Menschen, die im Landratsamt arbeiten, ein wenig kuscheln. Sorry. Gemeint ist: Sie sollen sich zu Hause einkuscheln. Freiwilliges Homeoffice ist in der Verwaltung angesagt. So spart der Landkreis Geld, also wir alle. Zu Hause kann man sich ja ruhig mit fünf Wärmflaschen und sieben Daunendecken bedecken, ohne dass es jemand merkt. Wer aber lieber im Büro arbeitet, der nutzt den Schreibtisch eines abwesenden Kollegen. Dadurch können einige Räume leer bleiben, sodass dort außer den Hausstaubmilben niemand frieren muss. So also will die Kreisverwaltung Energie sparen - und leere Räume im Amt sind doch immerhin besser als leere Räume im Kopf oder in der Kasse.

Landrat Dirk Neubauer verweist in diesem Zusammenhang auf die Vorbildwirkung der öffentlichen Verwaltung - wer bislang Spider Man oder Lionel Messi zum Vorbild hatte, der sollte wohl mal umdenken. Wer weiß, vielleicht machen es andere nach und schicken ihre Beschäftigten ebenfalls nach Hause. Zum Arbeiten natürlich. Schließlich sollten wir alle in der Coronakrise (die ja schlagartig vorbei ist, seit wir die Energiekrise haben) gelernt haben, dass das Gehirn einer Büroarbeitskraft nicht zwangsläufig mit dem Schreibtisch am Arbeitsplatz verschmolzen ist. Und dass es ja dieses Dings, äh, Internet gibt, mit dem man Informationen ganz ohne berittenen Boten von Ort zu Ort transportieren kann.

Die Motorradstadt Zschopau denkt ebenfalls bereits über das Modell "daheeme sitzen, um Energie zu sparen" nach. Rathausmitarbeiter sollen möglicherweise montags und freitags nicht mehr mit dem Motorrad zur Arbeit kommen, sondern gar nicht mehr.

Nun könnte man einwenden, dass das Daheimsitzen ja ebenfalls Energie kostet. Also, nicht das Sitzen an sich. Sondern das Stabilhalten der Körpertemperatur. Um dieses im heimischen Arbeitszimmer zu erreichen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Die einfachste ist ein ordentliches Feuer im Kamin. Wer einen Erzgebirger kennt, kann sich von ihm bestimmt eine Jahresration Holz leihen. Die Gebirgsbewohner haben ja in aller Regel genug gehortet. Eine andere Möglichkeit: In Bewegung bleiben. So kann man im Homeoffice prima ins Schwitzen kommen. Etwa auf der hauseigenen Eisbahn, die sich ja im ungeheizten Badezimmer zwangsläufig bildet, wenn man mal etwas vom eiskalten Duschwasser verschüttet hat. Es gibt aber noch eine andere Methode: Einfach mal die tägliche Arbeit erledigen. Dabei tritt man ja eh oft genug auf der Stelle. Quasi im Hamsterrad. Und wer das Hamsterrad schnell genug bewegt, der kann damit sogar einen Dynamo antreiben, der zwei Stunden am Tag elektrisches Licht liefert. Noch Sorgen? Na also. Es ist zwar alles schlimm, aber bestimmt nicht noch schlimmer, als man denkt.

Heimsport ist ja ohnehin ein Zukunftsthema. Vor allem bei Sportlern, die kein Dach über dem Kopf haben. Jedenfalls keins, unter dem sie sich noch wohl fühlen. Da kann man schon mal überlegen, ob man sein Fußballtraining oder den Kletterkurs in die heimische gute Stube verlegt. In Augustusburg ist das zwar aktuell noch nicht geplant, aber wer weiß? Wenn es mit dem neuen Funktionsgebäude an der Jahnkampfbahn so schleppend weitergeht, dann kann man sich demnächst fragen, was schneller fertig wird: Der Funktionsbau oder die Freiberger Umgehungsstraße?

Lassen wir das Thema, es ist nicht lustig. Lustig kann es dagegen am Sonntag in Dresden werden. Nein, nicht weil der Ministerpräsident eine Rede hält. Sondern, weil vor der Semperoper die größte Funkengarde des Universums auftreten will. An dem Weltrekordversuch beteiligen sich Tänzerinnen aus den berühmtesten Karnevalshochburgen, darunter Braunsdorf, Frankenstein und Breitenau. Man sieht also: Humor ist, wenn man trotzdem tanzt. Und nebenbei wird auch bei dieser sportlichen Betätigung Energie freigesetzt. Die Lösung für unsere Probleme lautet also; Tanzen bis zum Umfallen.

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