Unsere Große (5) steht auf Lila, Rosa und Pink. Das stört mich nicht. Im Gegenteil: Ich bin sogar stolz. Handelt es sich doch um einen Akt der jugendlichen Rebellion, des Infragestellens elterlicher Dogmen. Schließlich indoktrinieren wir sie seit Jahren mit Sprüchen wie "Mädchen können auch Blau tragen", "Es ist doch egal, welche Farbe das hat", "Diesen Blau-Rosa-Quatsch machen wir nicht mit" etc.

In den ersten beiden Lebensjahren musste das bemitleidenswerte Mädchen ständig in blauen Sachen rumlaufen, weil die Eltern schon den kleinen Bruder planten, dem man später alles weitergeben kann. So geizig sind wir. Oder, vornehmer ausgedrückt: Wir lehnen eine Marketing-Strategie ab, die die Welt in Rosa und Blau einteilt, um alles doppelt verkaufen und Kinder in Schubladen stecken zu können. Damit macht man sein Kind natürlich zum Außenseiter. Kein Wunder, dass unsere Tochter ein tiefsitzendes Trauma davongetragen hat. Und mich jetzt mit meinen eigenen Waffen schlägt. Neulich kaufte ich einen Fahrradhelm für sie – sie wollte einen lilafarbenen. "Nein", sagte ich, "dein Bruder soll den später mal bekommen, und der will dann vielleicht kein Lila." Prompt kam die Retourkutsche: "Jungen können doch auch Lila tragen", sagte das Mädchen, "das ist doch egal!"

Wir haben dann einen gelben Helm gekauft. Und ein lila Jäckchen und pinke Glitzerschuhe. Eine farblich einseitige Garderobe wie diese hat auch so einige Vorteile. Zum Beispiel, wenn man zum Fußball geht. Neulich durfte die Große mit ihrer Freundin, deren Bruder und den Papas zu einem Zweitliga-Spiel. Es spielte ein in der Region nicht ganz unbekannter Verein, der sich als Vereinsfarbe Lila gewählt hat (vermarktet wird das zwar als Veilchenblau, aber bestimmt nur aus Rücksicht auf das Männlichkeitsempfinden mancher Fans). Als die beiden Mädchen jedenfalls hörten, dass man sich fürs Stadium komplett lila anziehen darf, waren sie begeistert. Und unsere Große feuerte 90 Minuten lang ununterbrochen an. (Wenn man den Namen dieses Vereins ruft, klingt es immer, als hätte man sich weh getan, aber dafür können ja die Veilchen nichts.)

Dank der Farbe Lila wird unsere Tochter also wohl mal ein berühmter Fußballprofi. Und ich gucke im Internet die Videos der Organisation "Pinkstinks", die sich gegen Geschlechterklischees in Werbung und Erziehung wendet. Dass Pink stinkt, ist übrigens eine Tatsache. Der Beweis: Die Halbschuhe meiner Tochter nach einem Spielplatz-Tag.

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