Hallo? Hallo? Hallohallahallahallahallo! Unser Kleiner (1) telefoniert mal wieder und gibt dabei seinen gesamten Wortschatz zum Besten. Hoffentlich ruft er nicht in Japan an. Wie in der alten Fernsehwerbung, in der das Baby teure Ferngespräche führte, bis das Telefon explodierte.

Japanisch spricht der Junge noch nicht. Deutsch auch nicht, aber telefonieren – das kann er. Mit dem Legostein, dem Taschenkalender, dem Kühlschrankmagneten. Noch mache ich mir keine großen Sorgen darüber, schließlich nimmt er auch manchmal ein Buch in die Hand – um es sich ans Ohr zu halten. Wirklich glücklich ist der Kleine aber nur mit dem richtigen Telefon, das er sich in jedem unbeobachteten Moment schnappt. Nimmt man es ihm weg, verwandelt sich der sonst friedliche Junge in die hochrote, brüllende personifizierte Entrüstung.

Immerhin lässt er sich schnell beruhigen. Man muss ihm nur eine Tastatur in die Hand geben. Oder eine Maus. Oder gleich meinen Laptop samt Passwort und Kreditkarte fürs Onlineshopping. "Klar, Jungen und Technik", sagen die Leute. Sie wissen nicht, dass unsere Große (4) schon mit drei Jahren auf der Tastatur tippte. Und auch ihr erstes Wort war "Hallo".

Es muss also wohl an uns Eltern liegen. Aber wir sind fest entschlossen, den häuslichen Telefonterror zu beenden. Wir geben dem Kind eine alte Fernbedienung als Ersatz-Telefon. Kein Interesse. Die hat ja keinen Touchscreen. Ich suche nach Lösungen für die Technik-Sucht – natürlich im Internet, wo sonst? Viele Hersteller bieten Smartphone-Attrappen für Kinder an. Sind wir etwa gar nicht die einzige Familie mit einem Handy-Suchtproblem? Doch der Kleine wird nicht verstehen, warum er die Attrappe bekommt und nicht das echte Gerät. Schließlich fange ich ein pädagogisch wertvolles Spiel mit ihm an, um ihn abzulenken. Man soll quadratische, runde oder ovale Bausteine durch die passenden Löcher in ein Kästchen fallen lassen. Doch was macht das Kind? Kramt meine USB-Sticks aus der Schublade und steckt sie durch die Löcher.

Der Kleine kann natürlich nichts dafür. Wir Erwachsenen machen ja vor, dass man ohne Smartphone nicht leben kann. Forscher haben aber herausgefunden: Menschen, die eine Armbanduhr tragen, starren seltener aufs Telefon. Deshalb habe ich mir wieder eine Uhr zugelegt. Neulich ließ ich sie rumliegen. Es dauerte keine zehn Sekunden, bis der Kleine sie sich geschnappt hatte. Aber wenigstens kann er damit nicht in Japan anrufen.

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