Läuft bei uns. Die Selbstbeschäftigung, meine ich. Endlich haben wir genug Zeit, um dem Gras beim Wachsen zuzusehen. Irgendwie macht mich das dünnhäutig. Und wahrscheinlich braucht der Konsument dieses Textes nach den nächsten Sätzen einen Putzlappen. Um den Schmalz aufzuwischen, der aus ihnen heraustropft. Aber gerade schießt mir dieser Gedanke durch den Kopf: Auf Mutter Erde sind wir nun alle kleine Pflänzchen, weil das Virus uns pikiert hat. So nennt man das, wenn sich Pflanzen zu eng auf der Pelle hocken. Der Gärtner trennt sie voneinander, damit sie gedeihen können. Und so haben es unsere Regierenden jetzt auch mit uns Menschen gemacht.

Und hier kommt mein Job ins Spiel: Ich sorge dafür, dass Kind 1 und Kind 2 beim Pikieren keinen Wurzelschaden davontragen. Während eine Möhre sehr wohl Wurzeln schlagen soll, muss der Gärtner bei Kindern unbedingt darauf achten, dass ihre Wurzeln immer schön über der Erdoberfläche entlangkriechen. Wichtig ist, dass Kinder nicht vor dem Fernseher festwachsen. Wichtig ist auch, dass ihnen nichts anwächst, zum Beispiel das Tablet oder die Nintendo Switch. Deshalb muss man sie immer schön auf Trab halten, wenn sie schon nicht in die Schule dürfen. In der Theorie ist das nicht schwer und hat ungefähr dasselbe Level wie Kuchenbacken-mit-Backmischungen. Denn gerade vermehren sich im Internet und im Fernsehen die Mitmach-Sportsendungen. Ich habe das getestet und meinen Kindern einen dieser Bildschirm-Fitnesstrainer zugeschaltet. Kind 1 und Kind 2 sollten hübsch turnen, während ich am Computer sitze und arbeite. Etwas später bemerkte ich bei einem meiner Kontrollgänge, dass nur der Mann im Fernseher turnt. Kind 1 und Kind 2 lagen auf dem Sofa und schauten zu. Auf meine Frage, warum sie in den Polstern breitlaufen anstatt ihre Körper zu bewegen, erklärte Kind 2, dieser Sport sei nur Fußsport und das blödeste, was es je gesehen habe. Da muss man doch als Gärtner sofort den Dünger wechseln. Wenn sie sich nicht weiterentwickeln, die jungen Pflanzen. Habe ich gemacht.

Trotzdem werde ich nervös. So langsam müssten sie zurückkommen vom Joggen. Ich bin ja schon lange da. Habe gesagt, ich kümmere mich schon mal um das Essen. Ich sei ja praktisch der einzige Teilnehmer ohne Seitenstechen oder Fußzehschmerzen. Das Vorletzte, was ich von Kind 1 und Kind 2 gehört habe, klang nach einem Vorstellungsgespräch bei Satan. Es wirkt, das Training. Deutlicher kann man das nicht ausdrücken.

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