Die Welt ist ein ungerechter Ort für ein Kind wie Kind 2. Gestern noch war Mutter Erde weich wie ein Milchbrötchen, heute ist sie kalt wie Eisregen, jedenfalls zu meiner Tochter.

Kind 2 hegt Groll gegen diese Welt, speziell gegen die Landesregierung. Passiert ist nämlich folgendes: Kind 2 muss wieder zur Schule gehen. Jeden Tag muss es hinlaufen, sich an seinen Platz setzen, zuhören, gelegentlich den Arm heben und den Zeigefinger strecken und Hefte vollschreiben, was so anstrengend ist, dass es das ganze Kind fordert. Das alles könnte man als natürlichen Lebensraum eines jungen Menschen bezeichnen. Aber Tatsache ist, dass der große Bruder morgens gemütlich auf dem Sofa sitzt und Minecraft spielt, während sich die kleine Schwester in der Schule abrackert. Der große Bruder muss nur gelegentlich in die Schule, weil er kein Grundschüler mehr ist. Im Gegensatz zur kleinen Schwester befindet er sich nach wie vor in Kurzarbeit und pflegt seine Hobbys. Deshalb fühlt sich die Schwester ungerecht behandelt vom Virus. Auch sie hätte genügend andere Sachen zu erledigen, verbringt aber den halben Tag im Klassenzimmer. Corona sät Zwietracht ins Geschwisterleben.

Nun kommt die Mutter ins Spiel. Das bin ich in diesem Fall. Ich sitze gerade mit meinem Laptop im Flur und versuche zu arbeiten, während Kind 1 auf- und abläuft, alle Zimmerpflanzen umtopft und mit Erde bröselt. Aber das nur am Rande. Jedenfalls versuche ich, mit diversen Frühstücksbrot-Variationen das Leben des Kindes Nummer 2 schmackhafter zu machen. Den größten Effekt erzielte ich gestern mit einer Kombination aus exotischen Früchten. Ein Döschen mit gewürfelter Wassermelone, ein Döschen mit Ananas. Kind 2 schwärmte besonders von der Ananas, als es von der Schule nach Hause kam. So eine gute Ananas habe auch ihre beste Freundin Luise lange nicht gegessen. Auch Paul sei sehr angetan gewesen von den Früchten. Er hätte sich aber gewünscht, dass ich auf jedem Fruchtwürfel noch eine Heidelbeere befestigt hätte. Er ließ mir ausrichten, dass ich dafür einfache Holz-Zahnstocher verwenden könnte. Das Pausenbrot von heute war ein Schuss in den Ofen. Nie wieder soll ich Kräuterfrischkäse auf das Brot streichen und Gouda darauf kleben. Selbst Nils habe das Brot abgelehnt. Apropos Brot. Schön wäre es, wenn ich welches mit weicherer Rinde benutzen würde. Es sei auf Dauer mühsam, das zarte Innere herauszubeißen. Die halbkreisförmige Rinde, die Corona des Pausenbrots, liegt am Ende des Tages im Müll.

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