Was zum Streicheln

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Corona, Tag 382. Es wimmelt auf Whatsapp an Tierbildern. Viele meiner abgespeicherten Kontaktpersonen haben sich etwas zum Streicheln zugelegt. Kein Tag verschwindet, ohne dass jemand Fotos seines Tieres in seine Statusmeldungen geschoben hat. Meistens handelt es sich um ein neues Tier, ein ganz junges. Beliebt sind keksgelbe Welpen mit großen Augen, buntgetupfte Kätzchen und selbstverständlich Kaninchen.

Meine Freundin A. ist kurz vor Weihnachten Frauchen geworden. Sie hat zwei Kinder, einen Mann und neuerdings eine Französische Bulldogge, die Holger-Bärli heißt. Ich bin mir nicht sicher, ob zwischen „Holger“ und „Bärli“ ein Bindestrich gehört, aber ich bin mir sicher, dass es sich um einen Doppelnamen handelt. Holger-Bärli verbringt seine Freizeit jedenfalls vor dem Kühlschrank oder vor dem Ofen und lässt sich beim Gassigehen am liebsten tragen, weshalb meine Freundin A. sehr bald ähnliche Rückenschmerzen haben wird wie nach der Geburt ihres ersten Kindes. Auch das Kind bestand darauf, durchs Leben getragen zu werden. Bis es eines Tages zu schwer wurde.

Nun ist die Nächste gekippt. Die Lieblingstiere meiner Freundin S. waren Kuscheltiere, weil man die wegwerfen kann, wenn sie keiner mehr liebt. Und sie gehen nicht kaputt in der Waschmaschine, im Gegensatz zu Katzen und Wellensittichen. Hin und wieder stellte ich mir vor, wie ihre Kinder in der Schule Vorträge über ihr Haustier halten müssen: das „Eintierkommtmirnichinshaus“. Wie das wohl aussehen könnte, hätte es der liebe Gott oder sonst wer noch auf seiner To-do-Liste stehen? Es wäre wahrscheinlich ein Nacktmull mit dem Gewicht eines Elefanten. Hässlich und zu groß, um durch die Tür zu passen. Der „Eintierkommtmirnichinshaus“.

Jetzt möchte S. Kaninchen, und zwar zwei Stück. Das Nagerheim steht im Garten und ist bezugsfertig, aber die Nager fehlen noch.

Im Internet hat sie eine Kaninchenzüchterin gefunden. Bei ihr, der Züchterin also, wären der Kevin und die Gloria noch übrig. Man weiß über die beiden, dass sie aus komplizierten Familienverhältnissen stammen: Kevin ist das zweite Kind von Biene und Pitti. Gloria ist ebenfalls das Kind von Biene, hat aber einen anderen Vater, den Gandalf. Das heißt, dass Biene ein Verhältnis mit mindestens zwei Rammlern hat. Das heißt auch, dass Kevin und Gloria Halbgeschwister sind.

Meine Freundin S. hat sie bereits angezahlt und wird sie am Wochenende abholen. Sie fürchtet nun, Kevin und Gloria könnten schnell schmutzig werden. Wegen ihrer hellen Farbe. „Aber sie haben einen weißen Pelz“, sagt sie. „Fell“, sage ich. Die Härchen heißen Fell.

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