Wenn der Hammer wandert

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Hier steht, was wirklich wichtig ist. Heute: Wo es flach ist, ist das Gebirge am schönsten.

Endlich, endlich, endlich. Endlich muss man nicht mehr über Fußball reden. Und auch nicht über das Wetter. Denn zu beiden Themen fehlen uns so langsam die Worte.

Nicht nur dafür, wie das Elfmeterschießen für die englische Fußballnationalmannschaft zur Strafe wurde. Heißt ja auf Englisch auch "Penalties", also Strafstöße. Böse Zungen pfeifen sogar von den Dächern, man müsste beim Elfmeterschießen zwei Buchstaben vertauschen. Die Bezeichnung "Elfmeterscheißen" sei zwar nicht sehr ladylike oder gentlemanlike, aber mit Bezug auf das Finale des Finales durchaus passend.

So, das waren jetzt viele Worte zu dem Thema, zu dem uns die Worte fehlen. Was aber ist mit dem Wetter los? Bis vor Kurzem wunderten wir uns noch über Trichterwolken. Und hofften, dass aus den Trichtern irgendwann mal Silberstücke herausfallen.

Doch dann kam der Regen. Und beim Blick nach Westen vergeht das Lachen. Dagegen hat es Mittelsachsen ja nur mittelmäßig getroffen. Doch auch bei uns hat der Regen verlernt, Maß zu halten. Minimalismus, "weniger ist mehr", "Qualität statt Quantität" - all diese modernen Motten sind ihm fremd. (In spätestens zehn Jahren steht diese Pluralform von "Motto" bestimmt im Duden).

So kommt es, dass sich die Trockenfurt an der Brückenbaustelle in Hennersdorf einen neuen Namen suchen muss. Denn trocken war es dort diese Woche beileibe nicht. Und Autos sind nun mal nicht dafür gebaut, durch Wasser zu fahren. Auch wenn sie es in der Nacht zum Mittwoch auf einem Freiberger Parkplatz mit aller Kraft versuchten.

Auch in Leubsdorf ging's hoch her: Die Baustelle auf der Hauptstraße wurde förmlich geflutet. Nach diesen gestalterischen Landschaftseingriffen von Seiten des Petrus sinkt die Lust auf eine Umgehungsstraßen-Baustelle in Freiberg auf 1000 m unter Meereshöhe.

Vielleicht sind alle diese Überflutungen nur ein Vorgeschmack auf die vierte Welle? Gemeint ist - jaja, wir wissen schon. Was ist eigentlich schlimmer? Die Leute, die dauernd von der vierten Welle reden? Oder jene, die sofort ihre Masken fallen lassen - schlimmstenfalls in die nächste Regenpfütze - sobald wir mal nicht Pandemie-Spitzenreiter sind? Und die meinen, der Herbst 2021 wäre noch ganz weit weg? So, als würde er erst 2031 stattfinden?

Klar, der Erzgebirger kann immer schnell einen Schwibbogen anschalten, damit es sich wie Weihnachten anfühlt. So geht das Jahr wenigstens gefühlt etwas schneller vorbei. Aber ob das die Viren auch wirklich interessiert?

Jedenfalls hat sich auch der Kreistag mit dem Thema C. befasst. Und zwar bei seiner Sitzung am Mittwoch in der Hartharena. Es ist doch schlimm mit den Sparzwängen. Sogar das kleine a musste man einsparen. Für eine "Hartha-Arena" hat wohl das Geld gefehlt.

Was tun? Keine Ahnung. Vielleicht fällt ja bald Geld vom Himmel. Das wäre im Vergleich zu dem vielen Wasser doch mal eine nette Abwechslung.

Und noch etwas muss erwähnt werden. Denn das ist der Hammer. Nämlich der Frohnauer. Der ist umgezogen. Das Welterbekomitee der Unesco hat offenbar nichts dagegen. Schließlich ist man es in Paris schon gewohnt, dass wir Sachsen etwas freier mit unseren Kulturschätzen umgehen. Wir haben ja auch genug davon. So bauten wir vor ein paar Jahren schnell mal eine Brücke über die Elbe. Was nicht nur den fotogeeigneten Blick auf Dresden störte, sondern sich in ein paar Jahren vielleicht sogar als sinnlos erweisen wird. Nämlich dann, wenn das Klima seine nächste pubertäre Laune hat, die Sommer wieder trocken sind und man zu Fuß durch die Elbe gehen kann.

Vielleicht auch mithilfe einer Trockenfurt, bei der man eine alte Brücke herumstehen lässt, während man auf die neue Brücke wartet. Best Practice aus Hennersdorf. Da kann die Hauptstadt mal wieder von der Provinz lernen.

Ach so, der Hammer - natürlich ist nur eine Miniatur umgezogen. Und zwar von Borstendorf nach Flöha, zum Seniorenheim Fritzenhof. Handwerker hatten das Modell geschaffen. Jetzt treibt Wasser vom Gartenteich die Pumpe an, und per Knopfdruck singt sogar der Hammer-Hansel sein Lied.

So ist es nun einmal hier im südlichen Mittelsachsen, auch bekannt als Miniatur-Wunderland. Nicht nur die Berge sind kleiner als im "richtigen" Erzgebirge. Auch der Hammer ist ziemlich kurz geraten. Macht nichts. Wer durch unser Klein-Erzgebirge reist, braucht wenigstens kein Mountainbike. Flachlandratten sind wir trotzdem nicht. Aber wir können Maß halten, und damit ist nicht ein Bierkrug gemeint. Und schon gar kein Wasserglas.

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