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Die Vermittlerinnen für Suchende

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Die Gesellschaft lebt vom Mitmachen: Denn ohne Freiwillige wäre vieles nicht möglich. Auch Einrichtungen in ganz Sachsen profitieren von den Freiwilligendiensten. Fünf Frauen aus Rochlitz haben einen besonderen Anteil an diesem Erfolg.

Rochlitz.

Junge Frauen und Männer, die gerade die Schule abgeschlossen haben, aber auch Arbeitslose und Rentner - allesamt schlagen sie in dem Gebäude an der Lindenallee 6 in Rochlitz auf. Sie eint ein Wunsch, sich zu engagieren, und das aus freien Stücken. Sie wollen sich für eine Zeit lang ausprobieren, in der Kultur, im Naturschutz, in der Bildung oder im Sozialen. Manche finden in der Arbeit, die sie für einige Monate machen, die Erfüllung fürs Leben, andere wissen danach, dieser Beruf ist nichts für mich.

Doch ganz zu Anfang, ehe sie an eine der rund 130 Einrichtungen in ganz Sachsen gehen, treffen sie im Gebäudeinneren auf fünf engagierte Frauen. Mitarbeiterinnen der kreiseigenen Krankenhausgesellschaft LMK, die in der Abteilung "Mensch für Mensch" seit 2007 Freiwillige an Kitas, Schulen, Jugendclubs, Altenheime, Krankenhäuser und mehr Institutionen vermitteln. Zunächst wurde den Leuten, wie Leiterin Melanie Wallukat-Samtleben erzählt, ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) angeboten. Vor zehn Jahren kam der Bundesfreiwilligendienst hinzu. Seit 2014 gibt es zusätzlich den Freiwilligendienst aller Generationen (siehe nebenstehenden Artikel).

Fast 2800 Frauen und Männer jedweden Alters konnte das Team um Wallukat-Samtleben seither vermitteln. "Die Freiwilligen können ihre sozialen Kompetenzen weiterentwickeln und Einblick ins Berufsleben erhalten", sagt Anja Nitzsche-Frühauf, die gemeinsam mit Claudia Lau die FSJler betreut. "Manche Jugendlichen sind nach der Schule ziemlich ratlos", fährt die 52-Jährige fort. Durch das freiwillige Engagement sammelten sie wichtige Erfahrungen.

Und die 37 Jahre alte Lau ergänzt: "Es ist spannend, die Jugendlichen zu begleiten. Für die jungen Frauen und Männer ist es ein entscheidender Entwicklungsprozess ihres Lebens. Sie wissen manchmal noch nicht, in welchen Bereichen sie gut sind und in welchen nicht." Und so kommt es hin und wieder vor, dass nach einigen Wochen ein Freiwilliger Gesprächsbedarf anmeldet, weil die Einsatzstelle aus irgendwelchen Gründen nicht passt. Gemeinsam wird dann nach einer Lösung gesucht und eine andere Einrichtung empfohlen.

Es kann aber auch sein, dass Jugendliche bei "Mensch für Mensch" Rat und Hilfe suchen, weil sie nach dem Schulabschluss zunächst eine Lehre angefangen haben, die überhaupt nicht ihren Vorstellungen entspricht. "Es gibt viele Abbrecher, die hierherkommen", erklärt die 39-jährige Teamleiterin. Die Sozialpädagogin, die einst selbst über ein FSJ im Haus Bethanien in Königsfeld Gefallen an der Arbeit mit Menschen gefunden hat, verweist auf einen Mann, der ursprünglich Elektriker werden wollte. Nun macht er eine Erzieherausbildung. "Das ist ein schöner Erfolg", kommentiert sie dessen Entwicklung.

Es sind Geschichten ähnlich dieser, die Wallukat-Samtleben und ihre Kolleginnen Bianca Mai, Claudia Lau, Anja Nitzsche-Frühauf und Rebecca Reinhardt erzählen können. Ihr Fazit: Freiwilligendienste geben Orientierung und machen kompetent; und zwar in vielen Lebensbereichen.


Was freiwillig alles möglich ist: von der Arbeit im Jugendclub bis zur Pflege von Kranken

Die Motive, einen Freiwilligendienst zu absolvieren, sind unterschiedlich: Manche möchten die Zeit vor der Ausbildung oder dem Studium nutzen. Andere brauchen Zeit zum Orientieren, weil sie nicht wissen, was sie später beruflich machen wollen. Wieder andere möchten aus der Arbeitslosigkeit herauskommen.

So verschieden die Motive, so unterschiedlich sind die Angebote: Es gibt das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ). Über Träger wie etwa der Abteilung "Mensch für Mensch" der kreiseigenen Klinikgesellschaft LMK mit Sitz in Rochlitz werden Einsatzstellen vermittelt. Für die Dauer von sechs bis 18 Monaten können junge Frauen und Männer nach der Schule und bis zum 27. Lebensjahr in gemeinwohlorientierten Einrichtungen wie etwa Kitas, Kliniken und Jugendclubs, aber auch in Alten- und Kinderheimen sowie in Wohngruppen für Behinderte arbeiten. Die Abteilung der LMK konnte seit 2007 genau 2282 Menschen ein FSJ vermitteln. 110 Plätze stehen dafür sachsenweit zur Verfügung.

Daneben gibt es den Bundesfreiwilligendienst, der am 1. Juli 2011 nach dem Aussetzen der Wehrpflicht und des Zivildienstes ins Leben gerufen wurde. Auch hier beträgt die Einsatzzeit sechs bis 18 Monate, allerdings müssen die sogenannten Bufdis mindestens 27 Jahre alt sein. Eingesetzt werden die Freiwilligen genauso wie die FSJler in gemeinwohlorientierten Einrichtungen. Seit dem Start vor zehn Jahren konnte die Abteilung "Mensch für Mensch" 239 Frauen und Männern an Einrichtungen in ganz Sachsen, bei denen dafür insgesamt 32 Plätze vorhanden sind, vermitteln.

Seit 2014 ist die LMK Träger für den Freiwilligendienst aller Generationen. Im Gegensatz zu den beiden anderen Angeboten handelt es sich hier um keine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, sondern um ein Ehrenamt. Die Freiwilligen erhalten deshalb eine monatliche Aufwandsentschädigung. Das Mindestalter beträgt 18 Jahre. Der Einsatz dauert mindestens sechs Monate und kann bis zu zwei Jahre betragen. Die LMK hat 27 Plätze von Einrichtungen im Landkreis Mittelsachsen, dem Erzgebirgskreis und der Stadt Chemnitz im Angebot. Bisher leisteten 274 Freiwillige diesen Dienst. (acr)

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